

Gut 600.000 Menschen leben in Luxemburg: Das sind etwa so viele wie in Düsseldorf, Dortmund oder Essen. Das Großherzogtum ist damit das zweitkleinste Land der EU. Aufgrund dieser Schwäche wurde Luxemburg in seiner Geschichte ständig zum Spielball der Großen und Mächtigen: Immer wieder wurden die Festungsanlagen des Landes eingenommen – von Burgundern, Spaniern, Österreichern, Franzosen, Niederländern und Preußen. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde Luxemburg schließlich in beiden Weltkriegen von Deutschland besetzt.
Aus den Erfahrungen der Kriege wuchs in Europa das Bestreben, durch den Aufbau einer wirtschaftlichen Vernetzung, eine politische und kulturelle Annäherung voranzutreiben, um zukünftige Kriege zwischen den Staaten unmöglich zu machen. Luxemburg gehörte zu den überzeugten Europäern der ersten Stunde und wurde Gründungsmitglied von EU-Vorgängerorganisationen wie der Montanunion (1951) oder der EWG (1957). Und 1985 wurde im luxemburgischen Dorf Schengen das gleichnamige Abkommen unterzeichnet. Heute ist Luxemburg einer der Verwaltungssitze der EU und beheimatet Institutionen wie den Gerichtshof und den Rechnungshof.
Außerdem ist das Land kosmopolitisch: Neben Luxemburgisch spricht man Französisch, Deutsch und Englisch. Mehrsprachigkeit ist selbstverständlich. Es gibt viele Pendler aus Frankreich und Deutschland, die in Luxemburg arbeiten, und viele Portugiesen und Italiener haben sich in Luxemburg fest angesiedelt: Dass der Ausländeranteil bei über 40% liegt, ist auch kein Problem: Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern Europas, wo alte Nationalismen wieder erstarkt sind, hat sich hier ein moderner Vielvölkerstaat entwickelt.
Auch die „Standard-Eurobarometer“-Umfragen im Auftrag der Europäischen Kommission zeigen regelmäßig, dass man in Luxemburg eine besonders hohe Verbundenheit mit Europa empfindet: 89% der Befragten Luxemburger gaben im November 2018 an, sich als Bürger der EU zu fühlen – mehr als in jedem anderen EU-Staat: Der EU-weite Durchschnitt lag hier bei 71%. Diesen Europäischen Geist erkannte die Jury des Karlspreises schon 1986. Normalerweise für Einzelpersonen vorgesehen, wurde der Preis damals dem „Volk Luxemburgs“ verliehen: Es sei ein „Vorbild der Beharrlichkeit auf dem Weg zur Einheit Europas“.
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