Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
22 23 24 25 26 27 28
29 30 1 2 3 4 5

12.558 Beiträge zu
3.787 Filmen im Forum

Mirga Gražinytė-Tyla
Foto: Frans Jansen

Tod und Auferstehung

04. September 2023

„Auferstehungssinfonie“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 09/23

Mirga Gražinytė-Tyla, die junge litauische Karrierefrau in der immer noch von Männern regierten Welt der Maestri, dirigiert nicht nur mitreißend, sie würde am liebsten ihr Publikum mit nach Hause nehmen. Ihre Herzlichkeit kennt keine Grenzen, die Begeisterung für die Musik ist unerschöpflich.

Zwischen den Konzerten in Luzern und Berlin gastiert sie mit einem Riesenaufgebot an Stimmen und Instrumenten auch am Rhein, um eine Herzensangelegenheit zu präsentieren, mit der sie gemeinsam mit den Münchner Philharmonikern und dem dort ebenfalls ansässigen Philharmonischen Chor die neue Saison in der Isarphilharmonie weihen durfte: Mahlers „Auferstehungssinfonie“ – ein Werk über Werden und Vergehen, mit 90 Minuten Länge ein Walfisch unter den Sinfonien, rekordverdächtig in vielerlei Hinsicht, für die Zeitgenossen und Kenner im ausgehenden 19. Jahrhundert eine konkrete Überforderung. „Lärm, Skandal, Unfug, Umsturz“ skandierte ein Kritiker der Allgemeinen Musik-Zeitung nach der Uraufführung im Jahre 1895. 

Heute zählt das Werk zu den beliebtesten und meistgespielten Mahler-Sinfonien, ein Schmuckstück unter den sogenannten Wunderhorn-Sinfonien, gespeist aus den Texten der Volkslied-Gedichtsammlung „Des Knaben Wunderhorn“ der Romantiker Achim von Arnim und Clemens Brentano. Und wo Texte nicht gelesen werden, da kommt es auf die Stimmen an. Ein großes Solo mit teilweise engelhafter Zartheit verantwortet die Mezzosopranistin Okka von der Damerau, eine prämierte Wagner-Sängerin, im „Urlicht“ betitelten Satz, unterbrochen von einem heiligen Blechbläserchoral – es gibt so viele wunderschöne Momente in diesem Werk. Mit dem Philharmonischen Chor München, der in seiner Geschichte vor über 100 Jahren auch schon unter der Leitung von Gustav Mahler musizieren durfte, tritt die amerikanische Sopranistin Talise Trevigne auf, eine weltweit gefeierte Puccini-Interpretin.

„Wild herausfahrend – Langsam. Misterioso“: Die Interpretationsanweisung für den letzten Satz zum Text „Die Auferstehung“ von Friedrich Gottlieb Klopstock verdeutlicht die Achterbahnfahrt von einer Totenfeier zu Beginn bis zum Triumph der Wiederkehr. Mahlers Zweite verspricht immer ein Großereignis, die Produktion aus München, befeuert von einer enthusiastischen Baltin, besitzt das Potential für ein anrührendes Konzerterlebnis. 

Auferstehungssinfonie | Mo 11.9. 20 Uhr | Kölner Philharmonie | 0221 280 280

Olaf Weiden

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Arthur der Große

Lesen Sie dazu auch:

Wiederentdeckt
Werke von Amerikas erster schwarzer Klassikerin in Essen – Klassik an der Ruhr 04/24

Orchester der Stardirigenten
London Symphony Orchestra in Köln und Düsseldorf – Klassik am Rhein 04/24

Blickwechsel in der Musikgeschichte
Drei Spezialisten der Alten Musik in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 03/24

Spiel mit den Elementen
Alexej Gerassimez & Friends im Konzerthaus Dortmund – Klassik an der Ruhr 03/24

Temperamentvoller Sonntag
Bosy Matinée mit Asya Fateyeva und Gemma New in Bochum – Klassik an der Ruhr 02/24

Hellwaches Monheim
Das Rheinstädtchen punktet mit aktueller Kultur – Klassik am Rhein 02/24

Keine Grenzen
Philharmonix in Dortmund und Düsseldorf – Klassik an der Ruhr 01/24

Abenteuerliche Installation
„Die Soldaten“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 01/24

„Herrliche Resonantz“
Avi Avital in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 12/23

Bedeutender Kulturmanager
Nachruf auf Franz Xaver Ohnesorg – Nachruf 12/23

Mit Micky Maus am Dirigierpult
Elim Chan und das Antwerp Symphony Orchestra in Dortmund – Klassik an der Ruhr 12/23

Musik aus drei Jahrhunderten
Quatuor Modigliani in der Philharmonie Köln – Klassik am Rhein 11/23

Klassik.

Hier erscheint die Aufforderung!