Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19

12.455 Beiträge zu
3.714 Filmen im Forum

Dorothea Zwirner
Foto: privat

Was für ein Leben!

24. November 2021

Thea Sternheim, eine Vergessene der Moderne – Textwelten 12/21

Das Jahrhundert, in dem Frauen nur Bekanntheit als Anhängsel ihrer Ehemänner erhielten, ist vorbei. Aber nun gilt es, sie aus dem Schatten der Männer hervor zu holen und ins Licht zu rücken. Thea Sternheim ist so eine Frau, deren Lebensweg (1883 - 1971) sich durch die Welt der Kunst in Deutschland, Frankreich und Belgien zog. Sie war befreundet mit Max Reinhardt, Frank und Pamela Wedekind, Heinrich Mann, Gustav Klimt, Gottfried Benn, Franz Masereel und André Gide. Aufgewachsen ist sie in Köln am Hansaring, der Vater war ein wohlhabender Industrieller. Die Kunsthistorikerin Dorothea Zwirner hat dieses unglaubliche Leben in ihrer Biographie „Thea Sternheim“ rekonstruiert.

Recht betulich wird erzählt und trotzdem mag man dieses Buch – einmal begonnen – nicht mehr aus der Hand legen. Auf 360 eng gedruckten Seiten erzählt Zwirner das Leben von Thea Sternheim sozusagen von A bis Z. Tatsächlich liest sich dieses Leben wie ein Romanstoff, in dem Affären, leidenschaftliche Liebesbeziehungen, Kuckuckskinder, und Dreiecksbeziehungen vorkommen. Dass da niemand denkt, unsere Großeltern hätten nur Händchen gehalten. Möglich wurde dieses ungewöhnliche Projekt, weil Thea Sternheim schon in jungen Jahren ein Tagebuch schrieb, damit nie aussetzte, und so ein gigantisches Werk entstand.

Kritische Distanz zu ihrer Protagonistin dosiert Dorothea Zwirner zurückhaltend. Thea Sternheim nimmt durch ihr ausgeprägtes Selbstbewusstsein und eine Entschlossenheit für sich ein, die schon in Kindheitsjahren ausgeprägt war. Eine Tochter reicher Eltern, die sich auch in den Jahren bitterer Armut während des Zweiten Weltkriegs in Brüssel und Paris durchbeißen konnte. Zwei ihrer drei Kinder verliert sie früh, darunter ihre Tochter Mopsa, die im Französischen Widerstand kämpft und das Ende des Krieges im KZ Ravensbrück erlebt. Mopsa war mit Erika und Klaus Mann und Annemarie Schwarzenbach befreundet, eine leidenschaftliche Affäre führte sie mit Gottfried Benn. Dorothea Zwirner führt uns an der Seite von Thea Sternheim durch die Welt der intellektuellen Prominenz der Zwischenkriegszeit und zeigt sie aus einem privaten Blickwinkel, der absolut faszinierend ist.

Auf Einladung der Buchhandlung Klaus Bittner stellt Dorothea Zwirner am 2. 12. 2021 ihr Buch in der Stadtbibliothek Köln um 10 Uhr vor.

Dorothea Zwirner: Thea Sternheim. Chronistin der Moderne | Wallstein Verlag | 414 Seiten | 24 Euro

Thomas Linden

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

House of Gucci

Lesen Sie dazu auch:

Comic als Traumaarbeit
Glenn Head verarbeitet Missbrauchserfahrungen – Comickultur 12/21

Das Produkt Buch
Dr. Carolin Amlinger über den Literaturbetrieb

Ein Weihnachtsklassiker
„Bergkristall“ neu erzählt von Anita Sansone Cotti – Literatur 11/21

Auf der Suche nach dem Happy End
Der Roman „Quality Time“ von Miika Nousiainen – Wortwahl 11/21

Ein Geschenk der Literatur
Seit zehn Jahren veranstaltet Ute Wegmann „Heimspiel“ – Textwelten 11/21

Ein Drache für das Sams
Paul Maars aktuelles Kinderbuch – Literatur 11/21

Die Sprache des Flusses
Jordan Scotts aktuelles Kinderbuch „Ich bin wie der Fluss“ – Literatur 11/21

Literatur.

Hier erscheint die Aufforderung!