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Michael Preiser
Foto: Matthias Stutte

Das Besondere im Blick

10. Oktober 2022

Chordirektordebüt am Theater Krefeld Mönchengladbach – Klassik an der Ruhr 10/22

Neue Besen kehren gut, sagt der Volksmund. An der Anzahl der Borsten erkennt der Fachmann die Qualität der Bürste. Bei einem Chordirigenten ist dies vergleichbar mit der Programmauswahl im ersten Konzert. Und da hat es Michael Preiser zum Auftakt als Chordirektor des Theaters Krefeld Mönchengladbach so richtig krachen lassen: Populäres aus Vergangenheit und Gegenwart tritt neben selten gehörte Perlen renommierter polnischer Tonsetzer.

Seit 2010 arbeitet Preiser bereits an diesem Theater als Solo-Repetitor mit Dirigierverpflichtung. Er studiert mit den Solostimmen ihre Partien am Klavier ein – neben dem Konzertexamen am Klavier hat er auch ein Kapellmeisterdiplom abgelegt. Damit hat er bereits zahlreiche Produktionen von der leichten Operette bis zur zeitgenössischen Oper am Hause betreut, er kennt den Chor also bestens. Ab dieser Saison ist er als Chordirektor für ihn verantwortlich.

Jetzt vereint er zum großen Eröffnungskonzert nicht nur den Opernchor plus Extrachor, der bei sogenannter „Großer Oper“ den Stammchor ergänzt, sondern bemüht auch den von ihm geleiteten „Niederrheinischen Konzertchor“ zum Termin. Und tatsächlich schwankt auch das Programm zwischen Oper und Chorkonzert.

Mozarts „Kyrie d-Moll“, ein ergreifender Satz vor dem Requiem, und ein „Pater Noster“ des Komponisten Peteris Vasks, das als A cappella-Satz funktioniert, aber auch mit Streicherbegleitung mächtig Wirkung erzielt, stellen die chorisch betonte Seite des Konzerts dar. Sie umrahmen die 4. Kammersinfonie von Mieczyslaw Weinberg, ein zartes Stück mit Streichermacht und einer flehenden Soloklarinette. Diese polarisieren in der Entwicklung zu aggressiven Dialogen. Die Solopartie bläst Soloklarinettist Jens Singer, seit einer Dekade bei den Niederrheinischen Sinfonikern, dem Hausorchester.

Höhepunkt neben dem sinfonischen Exkurs bietet die Zusammenführung von großem Orchester und Riesenchor, die sich auf das „Stabat Mater“ des Polen Carol Szymanowski stürzen: eine mächtige, oft opernhaft aufschwingende Tondichtung. Hier sind Solostimmen gefragt, Gäste und Stützen des Hauses werden sie dem neuen Chordirektor zum Einstieg schenken, um dieses prächtig schillernde Werk zu einer angemessenen Ouvertüre gedeihen zu lassen – als Gipfel eines sehr ambitionierten Programms.

1. Chorkonzert | 28.10. 20 Uhr, Seidenweberhaus Krefeld | 29.10. 20 Uhr Kaiser-Friedrich-Halle Mönchengladbach | 02151 80 51 25 (Theater Krefeld Mönchengladbach)

Olaf Weiden

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