Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

11.028 Beiträge zu
2.964 Filmen im Forum


Wenn Elektromobilität so einfach wäre ...
Foto: Francis Lauenau

Spannende Autos

Durch Elektromobilität wird das Leben im Ruhrgebiet schöner - THEMA 09/11

In diesem Monat ist es wieder so weit. Leichtbekleidete Damen werden sich auf blechernen lackierten, länglichen Gegenständen räkelt. In Frankfurt öffnet vom 15. bis zum 25. September die 64. Internationale Automobilausstellung. Aber nicht nur der Kilowatt-Fetisch wird gefeiert, sondern auch das Auto als Spielmobil. Die digitale Welt hat längst das Armaturenbrett in einen Kommandostand eines Raumschiffes verwandelt. Videokameras und Sensoren machen das Einparken zum multimedialen Erlebnis. Bei voller Fahrt bremst der Bordcomputer auch für Tiere und Männer. Jeder Handgriff wird dem modernen Fahrer durch unzählige Elektromotoren abgenommen. Aber neben den schnellsten und komfortabelsten Schlitten bekommt eine dritte Spezies von Kraftfahrzeugen immer mehr Aufmerksamkeit. Das Elektroauto wird in Frankfurt der Renner sein. Dabei ist Elektroauto nicht gleich Elektroauto. Schon heute werden Hybridfahrzeuge, also Autos mit Benzin- und Elektroantrieb, in verhältnismäßig hoher Stückzahl serienmäßig gefertigt. Reine Elektroflitzer gibt es vom Bastler und auch von der Manufaktur als Leichtfahrzeuge. Diese haben annehmbare Reichweiten. Allerdings mag der Autonarr darin keinen gleichwertigen Ersatz für seinen Verbrenner sehen. Aber auch für verwöhnte Automobilisten gibt es Lösungen. Der Tesla-Roadster, für knapp 120.000 Euro zu haben, sieht aus wie ein Porsche, beschleunigt auch so, muss aber nach 200 km wieder an die Dose. Entwickelt sich also der Elektroautomobilmarkt zu einer Nische für Öko-Snobs?

Die Pläne der Industrie sehen anders aus. Lange bevor die Grünen ihr demoskopisches Allzeithoch feierten, beendeten europäische Autobauer ihren Dornröschenschlaf und setzten den hybriden Modellen aus Fernost etwas entgegen. Bereits im kommenden Jahr werden Kleinwagen und Mittelklassewagen mit reinem Elektroantrieb von vielen deutschen Herstellern auf den Markt kommen, allerdings etwa für den dreifachen Preis eines vergleichbaren Benziners. Auch der einzig regional verortete Autobauer wird mit dem Opel Ampera mit von der Partie sein. Die geringe Reichweite des batteriegetriebenen Autos wird durch einen 83-PS-Verbrennungsmotor verlängert. Allerdings dient dieser im Gegensatz zu den herkömmlichen Hybridfahrzeugen in der Regel nur zum Aufladen. Wer nur bis zu 80 km zur nächsten Ladestation fahren muss, kann den Wagen komplett mit Strom betreiben. Fährt man ruppiger oder länger, werden bis zu fünf Liter Benzin auf 100 km verbraucht. Einen weiteren kleinen Schönheitsfehler aus Bochumer Sicht hat der Ampera. Er wird zunächst nur in England gebaut. Optimisten allerdings rechnen damit, dass die Elektromobilität auch dem Revier einen wirtschaftlichen Aufschwung beschert. Als Carl Benz 1885 seinen Motorwagen der Öffentlichkeit vorstellte, wurde er verlacht. Hätte man jenen schadenfreudigen Menschen die heutige A40 an einem Freitagnachmittag zeigen können, ihnen wäre das Lachen vergangen. Oder sie hätten zumindest aus einem anderen Grund gelacht.

Nicht nur unter der Motorhaube sondern unter der Schädeldecke des Autofahrers muss sich etwas verändern.

Diese Vision zeigt: selbst das Elektroauto kann nicht alle Probleme einer auf immer mehr Mobilität fixierten Gesellschaft lösen. Zwar schonen Akku-Autos Ölreserven, vermeiden Feinstaub und vermindern den CO2-Ausstoß, der ewige Stau wird aber bestehen bleiben. Nicht nur unter der Motorhaube sondern unter der Schädeldecke des Autofahrers muss sich also etwas verändern.

Das Zauberwort heißt „vernetzte Mobilität“. Schon heute stehen für verschiedene Reiserouten passende und ökologisch unbedenkliche Verkehrsmittel zur Verfügung. Innerstädtischer Verkehr ist, möchte man auf den oft unkomfortablen öffentlichen Personennahverkehr verzichten, mit Elektro- und Hybridfahrzeugen und den immer populärer werdenden Elektro-Fahrrädern gut zu bewältigen. Dem legendären Stau auf der A 40 ist mit Elektroautos aber nicht beizukommen. Gerade im Mittelstreckenbereich stoßen sowohl Elektrofahrzeuge wie auch öffentlicher Verkehr an ihre Grenzen. Elektroautos haben eine geringe Reichweite. Ab einer gewissen Streckenlänge und Geschwindigkeit sind sie längst nicht mehr so ökologisch wie versprochen. Der Nahverkehr im Ruhrgebiet allerdings ist ein Abenteuer für sich. Zu Stoßzeiten sind die Züge hoffnungslos überfüllt. Nachts schmälern gelegentlich unfreundliche Mitreisende den Genuss der Mobilität. Und wenn man nicht gerade von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof reisen möchte, kann das ewige Warten und Umsteigen zur Tortur werden. In den letzten Jahren wurden deshalb zunehmend Leihsysteme in Bahnhofsnähe populär. Ständen für kleines Geld an den Nebenausgängen der Hauptbahnhöfe von Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Bochum und Dortmund Elektroautos bereit, die S-Bahn könnte im Minutentakt zwischen den Städten verkehren. Was aber macht dann der Zeitgenosse, der seinen Status über seinen fahrbaren Untersatz definieren will? Auch hier hat die Akku-Branche unterhalb des Tesla Roadster eine Lösung parat. Pedelecs gibt es inzwischen für bis zu 30.000 Euro zu kaufen.

Weitere Texte zum Thema:
"Um die Zukunft des Werks Gedanken machen"
"Wie kommt die Technik zu dem Menschen?"
"Otto und Elektro"
Beim nächsten Wagen mehr Strom wagen

Lutz Debus

Tags: Thema 09/11

Lesen Sie dazu auch:

„Um die Zukunft des Werks Gedanken machen“
Rainer Einenkel über die Perspektiven von Opel in Bochum – Thema 09/11

Beim nächsten Wagen mehr Strom wagen
Die Vermarktung von Elektroautos setzt auf Leasing-, Miet- und Garantiemodelle - Thema 09/11

„Wie kommt die Technik zu dem Menschen?“
Markus Palm über neue Mobilitätskonzepte in der InnovationCity Bottrop – Thema 09/11

"Otto und Elektro"
Hybridfahrzeuge lassen sich mittlerweile gut verkaufen - Thema 09/11

trailer-Thema.

Bilder, die unter die Haut gehen
Performance im Rahmen des Kulturfestivals Klopsztanga.Polen-grenzenlos NRW

„Politiker sind Designer unseres Zusammenlebens“
Ein Interview mit Joachim Paul, Spitzenkandidat der Piraten in NRW – Thema 05/12

Es ist schön, hier zu sein
Jugendliche setzen ihren Stadtteil in Szene

Wieder Wahl
Am 13. Mai wird über ein neues Landesparlament abgestimmt - THEMA 05/12

„Auch Impulse nach Berlin senden“
Andreas Meyer-Lauber über die Landtagswahl aus Gewerkschaftssicht - Thema 05/12

„Die Bilanz der jetzigen Landesregierung fällt positiv aus“
Dirk Jansen über die Wahlmöglichkeiten von Umweltschützern - Thema 05/12

Löchrig wie ein Schweizer Käse?
Der Streit um die Gefängnisse in NRW ist Symbolpolitik - Thema 05/12

Studiengebühren – Quo Vadis?
Auch über die Zukunft des gebührenfreien Studiums wird am 13. Mai abgestimmt - Thema 05/12

Smoke on the water
Nichtraucherschutz vs. Raucherschutz – wer hat recht? - THEMA 04/12

„Sie dürfen auch niemandem auf die Nase hauen, nur weil Boxen ihr Hobby ist“
Barbara Steffens über die Novellierung des Nichtraucherschutzgesetzes - Thema 04/12

„Die Illusion verinnerlicht, dass das Rauchen beruhigt“
Anne Nacke zu erfolgreichen Entwöhnungsbehandlungen – Thema 04/12

Inhalier mal mit Gemütlichkeit
Was denkt eine Zigarrenhändlerin über das Rauchverbot? - Thema 04/12

Gute Menschen
Lioba Albus über Nikotin und Moralin - Thema 04/12

Bedachtes Einkaufen
Die Shopping-Mall gehört inzwischen in jedes Zentrum. Ist das gut? - THEMA 03/12

„Die alte Innenstadt hatte nicht genügend Impulse gesetzt“
Frank Pöstges-Pragal über das CentrO und das Zentrum von Oberhausen - Thema 03/12

„Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“
Victoria Esser über das Konzept des Einkaufszentrums Limbecker Platz in Essen - Thema 03/12

Kalt
Kabarettistin Lioba Albus über gewissenhaftes Shoppen in Dortmund - Thema 03/12

Resterampe der Stadtplanung
Ein Factory Outlet Center soll den Duisburger Norden beleben - Thema 03/12

Ist das Revier narrensicher?
Karnevalistisches Treiben gehört hier nicht zu den Grundtugenden – THEMA 02/12

„Der Westfale hingegen muss zum Lachen überredet werden“
Günther Rückert über Karneval und seine Alternativen im Pott – Thema 02/12

„Unsere Politiker sind dünnhäutig geworden“
Peter Sander über den Karneval in Essen und anderswo – Thema 02/12

Tusch-Phobie bei westfälischen Narren
Kabarettistin Lioba Albus betreibt ethnologische Studien – Thema 02/12

Schunkeln oder Tod
Tolle Tage in Duisburg, der rheinischsten Stadt des Ruhrgebiets – Thema 02/12

Die neue Zone an der Ruhr
Zum Jahreswechsel treten neue Bestimmungen gegen Luftverschmutzung in Kraft – THEMA 01/12

Gelbe Engel mit sozialem Gewissen
Der ADAC lehnt die Umweltzone ab – Thema 01/12

Die Wissenschaft hat festgestellt …
Ein kurzer Blick auf die aktuelle Forschungslage zum Thema Feinstaub – Thema 01/12

„Nicht in Hysterie verfallen“
Ulrich Carow zu der Umweltzone aus der Sicht des Regionalverbandes Ruhrgebiet – Thema 01/12

„Keine großen Effekte“
Jürgen Eichel zur Umweltzone aus Sicht des VCD – Thema 01/12

Von Netzen, Fischen und Fischern
Die Märkte für Energie und Telekommunikation sind im Umbruch – THEMA 12/11

„Die Liberalisierung brachte einen Innovationsschub“
Rudolf Boll über die Vor- und Nachteile des Anbieterwechsels – Thema 12/11

„Nicht nur die Faust in der Tasche machen“
Peter Blenkers über die ungenutzte Macht der Stromverbraucher – Thema 12/11

Frei funkt sich’s besser!
Internetzugang für alle ist schön, macht aber auch viel Arbeit – Thema 12/11