Die NRW-Landesregierung plant den Ausbau der Windkraft und will deren Anteil an der Stromerzeugung bis 2020 um ein Fünffaches auf zwanzig Prozent ausbauen. Die Stimmen der Kritiker von Windkraftanlagen sind angesichts der dramatischen Ereignisse in Japan leiser geworden und die Bereitschaft der Anwohner von Windparks, zukünftig noch höhere Windräder in wesentlich kürzeren Abständen zu ihren Wohngebieten zu akzeptieren, steigt. Man ist sich einig, dass die Energiewende nur mit Hilfe innovativer und intelligenter Energiekonzepte erfolgen kann. Aufgrund der Unstetigkeit des Windes ist es allerdings schwierig, stets konstante Mengen Strom zu erzeugen, zudem beeinträchtigen Windkraftanlagen das ursprüngliche Landschaftsbild.
Im Ruhrgebiet zählen zum Landschaftsbild auch die zahlreichen ehemaligen Bergehalden des Steinkohlebergbaus. Die seit den 80er Jahren als Landschaftsbauwerke angelegten Anschüttungen bestehen aus dem beim Kohleabbau angefallenen, nicht kohleführenden Nebengestein und haben zum Teil eine Höhe von fast hundert Metern. Diese spezielle „Architektur“ könnte nun den Grundstein für die Entstehung von Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung legen.
Auf Halden wird nicht in Naturlandschaften eingegriffen – dies steigert die Akzeptanz der Bevölkerung
Die Konzerne RWE und RAG wollen in einem Schulterschluss die Halden für die Energiegewinnung nutzbar machen. Zum einen bieten die hoch gelegenen Plateaus der Halden eine sehr gute Windausbeute für Windräder, zum anderen könnte die Höhendifferenz zwischen der Halde und dem umliegenden Gelände den Bau eines Pumpspeicherkraftwerks ermöglichen. Laut Fritz Vahrenholt, Geschäftsführer der RWE Innogy, hätten Halden als Kraftwerkstandorte noch einen weiteren Vorteil: „Wir müssen auf Halden nicht in gewachsene Naturlandschaft eingreifen, was die Akzeptanz in der Bevölkerung deutlich steigern dürfte.“ Die RWE Innogy und RAG Montan Immobilien lassen nun die Halde Sundern bei Hamm dahingehend prüfen, ob dort in einem Pilotprojekt ein Pumpspeicherkraftwerk in Kombination mit Windkraft entstehen kann. Die Funktionsweise des kombinierten Kraftwerkes ist schnell erklärt: Der bei guten Winden von den Windrädern erzeugte Strom könnte dazu genutzt werden, Wasser aus dem See am Fuß der Halde in ein Speicherbecken auf fünfzig Meter Höhe zu pumpen. In Zeiten hoher Stromnachfrage in denen Flaute herrscht, fließt das Wasser über eine Turbine zurück in den See und erzeugt so Strom. 600.000 Kubikmeter soll das geplante Volumen des Speichersees betragen, in etwa dem Speichervolumen von 75.000 Autobatterien entsprechend. Der erste grüne Strom könnte frühestens 2014 aus der Halde fließen, vorausgesetzt allerdings, dass sich der Standort nach der Prüfung als geeignet erweist. Im Idealfall soll das Kombikraftwerk der Halde Sundern dann bis zu 8.000 Haushalte über sechs Stunden am Tag mit Strom versorgen. Weitere Halden könnten folgen und die schwarzen Berge des Potts würden zukünftig ins grüne Licht gerückt.
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