Na klar wird es völlig gemütlich, wenn sich im Sommer 2010 das ganze Ruhrgebiet auf der A40 versammelt und frühstückt. Krethi und Plethi für ein paar Stunden friedlich vereint bei Nougatcremeschnittchen, Müsli und Latte Macchiato. Volksfest auf der Überholspur. Brötchenkrümel zwischen den Anschlussstellen Dortmund-Lütgendortmund und Essen-Holsterhausen. So in etwa planen die Kulturhauptstadtplaner. Aber wäre es angesichts der drohenden Klimakatastrophe, der galoppierenden Spritpreissteigerungen und des chronifizierten Ruhrschleichwegstaus nicht endlich angesagt, radikalere Maßnahmen zu ergreifen?
Der Steinkohlebergbau liegt in den letzten Zügen. Untertage stehen bestimmt schon ein paar dort nutzlose Bohrer und Bagger mit ihrem Bedienungspersonal rum und dürfen nicht weiter bohren und baggern. Könnte man sie nicht, ausgestattet mit den ansonsten eingesparten Kohlesubventionen, dazu bewegen, ein paar Stockwerke darüber, also etwa 1000 Meter höher, einen Stollen zwischen Hamm und Krefeld zu bohren? Sicher, der Plan ist nicht taufrisch, aber trotzdem verlockend. In der Ost-West-Röhre könnte eine schnelle Eisenbahn ganz ohne gefährliches Geschwebe oder Schafe auf den Gleisen die Metroverbindung Dortmund – Bochum – Gelsenkirchen – Essen – Duisburg – Oberhausen herstellen. Daneben sollten noch Gleise passen sowohl für eine S-Bahn, die alle fünf bis zehn Kilometer Station macht wie auch für eine U-Bahn, die eben an jeder Milchkanne hält. Wie in anderen ordentlichen Weltstädten müssten die verschiedenen Züge minütlich verkehren. Und das Fahrvergnügen könnte, finanziert durch ein Anheben der Ökosteuer, zum Nulltarif angeboten werden.
Der Klimakillerterminator Arnold Schwarzenegger würde staunend zur Eröffnung angereist kommen, ebenso wie der Ex-Bürgermeister von London Ken Livingstone, der mit einer Maut den Autoverkehr aus seiner Metropole ekelte. Bono würde eines seiner lustigen irischen Liedchen singen, vielleicht sogar zusammen mit Udo Lindenberg. Al Gore würde das rote Bändchen durchschneiden. Und als große Einweihungsparty könnte dann oben, an der frischen Luft, ein Frühstück veranstaltet werden. Man hätte dann tatsächlich einen Grund zum Feiern. Denn nach jenem Frühstück hätte man auf einmal in der Ruhrmetropole einen Asphaltstreifen, auf dem Radrennen und Flohmärkte, Marathon-Läufe und Love-Parades stattfinden könnten, und natürlich weitere Frühstücke.
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