Beim letzten Mal ging es ganz knapp zu: Eine Stimme Mehrheit sicherte bei der finalen Abstimmung Hannover die „Expo 2000“, Mitbewerber Toronto hatte das Nachsehen. Das Glück der Niedersachsen bestand darin, dass es zum Zeitpunkt der Vergabe im Juni 1990 noch zwei deutsche Staaten gab – wenn man so will, entschied die Ja-Stimme der noch für ein paar Restmonate real existierenden DDR das Rennen. Für die „Expo 2020“ hat sich das zeitliche Bewerbungsfenster gerade erst geöffnet, doch stehen die Metropolen der Welt bereits Schlange. Allen voran aus den USA, wo eine nationale Vorauswahl das Meinungsbild zu sechs Bewerberstädten liefern soll: San Francisco und Los Angeles wollen die Expo, Houston, Atlanta, New York und Minneapolis komplettieren die Liste der Willigen. Am anderen Ende der Welt macht sich Brisbane Hoffnungen, im 250. Jahr des Bestehens des australischen Staates Ausrichter zu sein. Damit es eine „runde Sache“ wird, hat sich die einstige Strafkolonie auch für die Olympischen Spiele 2020 beworben. Weniger Chancen sollte Gunangzhou in China besitzen, wo doch erst die letzte Expo Shanghai zum Leuchten brachte. Auch die thailändischen Stadtväter von Pattaya glauben noch, sie würde der verfängliche Ruf, Hauptstadt der asiatischen Sex-Industrie zu sein, keine Chancen kosten. Dann sind da Dubai, Kapstadt und São Paulo sowie Ankara, Izmir und Kopenhagen, die allesamt im „Bureau International des Expositions“ vorstellig wurden. Reichlich hochkarätige Gegner also für das Ruhrgebiet.

Klimaschutz ist wahrhaftig kein Masterthema nur für diese Generation
Auf der Suche nach dem Urheber der Klima-Expo-Idee tippen manche auf den Initiativkreis Ruhrgebiet. Schließlich hat der ja gerade verkündet, man wolle „2020 in der Innovation-City Ruhr die gesamte Palette richtungsweisender Energiespar-Lösungen einer breiten Öffentlichkeit vorstellen.“ Und fand nicht auch Gelsenkirchens OB Frank Baranowski, das Gelände um den geplanten Wasserstoff-„Nukleus“ eigne sich bestens für eine „Expo 2020“? Tatsächlich sei der Gedanke 2008 in einem Antrag der Landtags-SPD aufgekommen, sagt deren Klimapolitiker André Stinka: „Wir sind ja einfach die Energieregion Deutschlands.“ Regional ist wörtlich gemeint. „Wenn man aus der Kulturhauptstadt 2010 lernt“, sagt er, „dann doch, wie man im Verbund auftritt.“ Okay. Aber hat sich die Welt nicht bis 2020 am „Klima“-Thema taub gehört? Nöö, meint Grünen-MdL Wibke Brems. Wenn man 80 Prozent des gegenwärtigen CO2-Ausstoßes einsparen wolle, müsse man angesichts größerer Emissionen in der Stahl- und Alu-Produktion „in allen weiteren Bereichen fast auf Null runter: Da ist Klimaschutz wahrhaftig kein Masterthema nur für diese Generation.“ Ein Problem der Vergangenheit wird bei einer Revier-Bewerbung für die Expo wohl eher klein. Hannovers Ausstellung war erst nach einem Bürgerentscheid 1992 tatsächlich „amtlich“. Befürchteter Flächenverbrauch und Wohnungsnot sorgten nicht nur im linksalternativen Lager für Missstimmung. Angesichts Brachen und Leerstand würde man im Ruhrgebiet heute sagen: ein Luxusproblem.
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