Die beste Formulierung zu dieser Malerei stammt von Gotthard Graubner selbst: Als „Farbraumkörper“ bezeichnet er seine zum Quadrat tendierenden ungegenständlichen Bilder seit 1970. Graubner, geboren 1930 im Vogtland und seit den 1950er Jahren in Düsseldorf ansässig, hat dazu die Leinwand über synthetische Watte gespannt, so dass eine Art massives, sanft gewölbtes Kissen entsteht. Er trägt die Acrylfarben so auf, dass er sie später überarbeiten kann, nie aber Pinselstriche zu sehen sind: Die Fläche wird zum hauchzarten Kontinuum. Tatsächlich ist die Farbe, die das Bild als solches organisiert, in radikaler Ausschließlichkeit gegeben – und das ist ein weites, unerschöpfliches Terrain!
Für seine Malerei wurde Graubner vielfach geehrt, er hat den Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig bespielt, wobei er an Ort und Stelle, auf Licht und Atmosphäre reagierend, seine großformatigen Bilder gemalt hat. Er wurde zweimal auf die Documenta eingeladen, erhielt etliche Kunstpreise, und seine Gemälde hängen am Amtssitz des Bundespräsidenten. Die Malereien modulieren die Farben subtil, fetzenhaft treten weitere Schichten auf, oft strahlt Helligkeit von innen heraus. Graubner erzeugt Stimmungen und emotionale Zustände, die von Mal zu Mal ganz unterschiedlich ausfallen, und er stellt diskrete Bezüge zur klassischen Kunstgeschichte her. Dabei entziehen sich seine Bilder der statischen Betrachtung und forcieren eine kontemplative Wahrnehmung. Mithin versprühen sie sich als summarischer Farbrausch in den Realraum. Graubner selbst hängt die riesigen Bilder übrigens niedrig, so dass sie geradezu physischen Kontakt mit dem Betrachter aufnehmen; das kennzeichnet nun auch die ganz neuen, fast homogen gelben Gemälde, die der 81jährige Maler in seinem Neusser Atelier im Hinblick auf die Ausstellung im Bottroper Museum angefertigt hat. Begleitend sind dort ein paar Bilder des genial-konsequenten Analytikers Josef Albers aus dem Bestand des Museum Quadrat zu sehen. Ein „Gespräch“ kommt freilich kaum zustande – zu eigenständig und ausschließlich ist ja auch jeder der beiden Meister.
„Gotthard Graubner – Gespräch mit Josef Albers“ I bis 15. Januar im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop I www.quadrat-bottrop.de
Tags: Quadrat Bottrop
Lesen Sie dazu auch:
Akkurat gegenstandsfrei
Ausstellungen in Düsseldorf und Bottrop - Kunst in NRW 09/11
In der Natur draußen
Das Museum Quadrat in Bottrop zeigt die Fotografien von Simone Nieweg - Ruhrkunst 05/12
Wenn einer das Museum ins Museum steckt
Yuji Takeoka stellt im Josef Albers Museum in Bottrop aus - RuhrKunst 08/11
Museum Folkwang setzt auf Sachlichkeit
Die Ausstellung „Unsere Zeit hat ein neues Formgefühl“ läuft noch bis zum 5.8. – Ruhrkunst 05/12
Das Ganze aus Teilen
Martina Klein im LehmbruckMuseum in Duisburg – Ruhrkunst 05/12
Ortsbestimmungen
Caroline Bayer und Silke Schatz in Mülheim - Ruhrkunst 05/12
Maximale Übersicht
Bochumer Künstler im heimischen Museum - Ruhrkunst 05/12
Das wahre Leben
Kirsten Krüger im Märkischen Museum Witten - Ruhrkunst 05/12
In der Natur draußen
Das Museum Quadrat in Bottrop zeigt die Fotografien von Simone Nieweg - Ruhrkunst 05/12
Bilder vom Menschen
Zehn Maler aus Berlin im Osthaus Museum - Ruhrkunst 04/12
In der Dunkelheit, unter Tage
N. Schrudde im LehmbruckMuseum Duisburg - Ruhrkunst 04/12
Spielerisch genau
Alfonso Hüppi im Kunstverein Paderborn - Kunst 04/12
Vor dem Film der Pinselstrich
Plakatmaler Casaro im Folkwang Museum - Ruhrkunst 04/12
Verbotene Meisterwerke
Das Kunstmuseum Mülheim zeigt die deutsch-polnische Ausstellung „Jagd auf die Moderne“ - Ruhrkunst 04/12
Ein Teil vom Ganzen
Das Museum Folkwang präsentiert seine fotografische Sammlung – Ruhrkunst 03/12
Bilder im Krieg
Anja Niedringhaus in Bochum - Ruhrkunst 03/12
Welt des Nichts
„Abstract confusion“ in Gladbeck - Ruhrkunst 03/12
Raue Seiten des Lebens
Chris Killip im Museum Folkwang in Essen - Ruhrkunst 03/12
Farben der Natur
In der Küppersmühle in Duisburg ist das Werk von Per Kirkeby zu sehen - Ruhrkunst 03/12
Hintergründige Schönheit
Georg Hornemann im LehmbruckMuseum in Duisburg - Ruhrkunst 02/12
Im Dialog mit der Sammlung
Jürgen Meyer stellt im Märkischen Museum Witten aus, leider nur noch für wenige Tage – Ruhrkunst 01/12
Mögliche Beziehung
Emil Schumacher in Hagen – Ruhrkunst 02/12
Entschleunigte Zeit
Das Museum Ostwall im Dortmunder U zeigt eine Werkschau von Alex Katz – Ruhrkunst 02/12
Thema in Variationen
Diango Hernández in Marl – Ruhrkunst 02/12
Fotografie und Licht
Drei Ausstellungen im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 01/12
Stilles Land
Ursula Schulz-Dornburg im Kunstmuseum Bochum – Ruhrkunst 01/12
Raumgewinn durch Bewegung
Eine Werkübersicht zu Günter Tollmann in Gelsenkirchen – Ruhrkunst 01/12
Was Natur sein kann
Sammlung der ALTANA Kulturstiftung Hagen – Ruhrkunst 01/12