trailer: Herr Leggewie, wie beurteilen Sie die Chancen, eine Weltausstellung zum Thema Klimaschutz in 2020 im Ruhrgebiet zu realisieren?
Claus Leggewie: Es wird nicht leicht sein, die entsprechenden Fördermittel zu beschaffen. Ich plädiere nicht für eine zentrale Expo in Essen/Mülheim, sondern für eine dezentrale Schau der Möglichkeiten guten, nachhaltigen Lebens, des alternativen und klimaverträglichen Produzierens und Konsumierens, Wohnens und Bewegens in der Tradition der IBA, die also an bestehenden Projekten und Gemeinschaften ansetzt, den Schwung von Innovation City Ruhr nutzt und ansonsten tausend Ideen sprießen lässt.
Warum sollte so eine Weltausstellung ausgerechnet im ehemaligen Kohlenpott stattfinden? Hier weht nicht mehr Wind als an der See, und die Sonne scheint auch nicht so viel wie in Freiburg. Fahrradfahren kann man besser in Münster.
Es geht doch nicht um ein paar Windkraftwerke und Fahrradwege. Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man das Ruhrgebiet in seiner faktischen wie symbolischen Qualität als klassischer Industriestandort in den Blick nimmt, oder sich ein nationales und europäisches Energiewende-Konzept vornehmlich auf grüne Pioniere wie Münster oder Freiburg stützen kann. Die Herausforderung ist die Umsetzung in einem High Carbon Environment mit weiterhin bestehender Industriesubstanz und einem weitgehend auf individueller Automobilität basierenden Verkehrsystem. Eine Transformation in Richtung Nachhaltigkeit in einer überschaubaren Universitätsstadt mit hohem Fahrradfahreranteil ist nicht nur vergleichsweise einfach, sondern kann auch kaum als Modell für andere Industrieregionen dienen, die nicht auf einen weiteren Strukturwandel in Richtung „Kreativwirtschaft“ setzen, sondern auf eine radikale und für Lebens- wie Arbeits- und Produktionssteile konsequenzreiche Transformation in Richtung auf eine nachhaltige Metropolenökonomie und -gesellschaft.
Ist die These vom Arbeitsmarktmotor Ökologie ein Märchen?
Nein, Schon jetzt schaffen „grüne“ und „ergrünte“ Industrien und Servicebereiche Arbeitsplätze. Es geht aber nicht nur um Wachstum des Bruttosozialproduktes, sondern um echte Entwicklungsschübe.
Claus Leggewie (60) ist Leiter des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.
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Fehlbilanz
Intro – Mündig
Überwachen und Strafen
Teil 1: Leitartikel – Eine gesenkte Strafmündigkeit würde nicht zu mehr Sicherheit führen, sondern zu mehr Kindern und Jugendlichen im Knast.
„Kinder, die Probleme machen, haben in der Regel auch Probleme“
Teil 1: Interview – Kriminologin Nadine Bals über Jugendstrafrecht und Strafmündigkeit
Helfen statt strafen
Teil 1: Lokale Initiativen – Die Evangelische Jugendhilfe Bochum
Die unmögliche Schule
Teil 2: Leitartikel – Lernen und Lehren zwischen Takt und Freiheit
„Wirklich Interesse zeigen“
Teil 2: Interview – Pädagogin Inke Hummel über die Beziehung zwischen Jugendlichen und Erwachsenen
Freude am Lernen lernen
Teil 2: Lokale Initiativen – Der Verein In Via Köln und die Motivia-Werkstattschule
Jedem sein Kreuz
Teil 3: Leitartikel – Über Mündigkeit an der Wahlurne
„Wir empfehlen, das Wahlalter zu senken“
Teil 3: Interview – Demokratieexperte Jonathan Hoffmann über die Wahlbeteiligung von Jugendlichen
Was junge Menschen bewegt
Teil 3: Lokale Initiativen – Filmreihen von Jugendlichen im Medienprojekt Wuppertal
Machtinteresse
In Österreich wählen bereits 16-Jährige – Europa-Vorbild: Österreich
Die Reifeprüfung
Erst zornig, dann stur. Das Leben des Homo politicus – Glosse
Erschütternd normal
Intro – Gegenwehr
„Es wird versucht, das Strafrecht als politisches Mittel zu nutzen“
Teil 1: Interview – Juristin Susanne Beck über Gewalt gegen Frauen
Die Gefahr im eigenen Zuhause
Teil 1: Leitartikel – Gewalt gegen Frauen nimmt zu und betrifft die ganze Gesellschaft
Eine bessere Zukunft
Teil 1: Lokale Initiativen – Die Frauenberatungsstelle Duisburg
Glaube und Geld
Teil 2: Leitartikel – Gegen den milliardenschweren Kulturkampf der rechten Christen hilft kein Beten
„Man darf auswählen, wem man sich unterwerfen will“
Teil 2: Interview – Religionssoziologe Gert Pickel über christliche Influencer
Rauf mit der Hemmschwelle
Teil 2: Lokale Initiativen – Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Köln
Lebensrealität anerkennen
Teil 3: Leitartikel – Schwangerschaftsabbrüche zwischen Strafrecht und Selbstbestimmung
„Es geht um Kontrolle über Menschen, die schwanger werden können“
Teil 3: Interview – Medizinerin Alicia Baier zum Streit über Schwangerschaftsabbrüche
Raus aus der Grauzone
Teil 3: Lokale Initiativen – Solidarisch und unbeirrbar: Wuppertals Frauenverband Courage
Sensibel verzahnte Reformen
Wie Portugal Maßstäbe bei der Bekämpfung von Gewalt an Frauen setzt – Europa-Vorbild: Portugal
Der Kanzler und Hegel
Jetzt ist aber auch mal gut mit diesem ganzen Minderheitengedöns! – Glosse
„Die Wut unserer Generation ist keine Laune!“
Menschenrechts-Aktivistin Jennifer Follmann über den Frauenstreik zum 9. März