Im kommenden Jahr sollen sie also auf den deutschen Markt rollen: Elektro-PKW aus Serienfertigung, von Mitsubishi, Renault und Co. Doch sie werden nicht gerade billig sein. Da stellt sich die Frage, ob es nicht auch anders geht.
Das Auto, von dem schließlich mehr als fünf Millionen Exemplare gebaut werden sollten, trat mit einem äußerst minimalistischen Konzept an. Zwei Bauern und einen Sack Kartoffeln (ersatzweise ein Fässchen Wein) gut gefedert, 60 km/h schnell und mit sparsamem Antrieb zu befördern … so lautete die Forderung an den Konstrukteur. Kriegsbedingt ging das Wägelchen erst 15 Jahre später an den Start, wurde zunächst tatsächlich an Landwirte und Gastronomen ausgeliefert. Und die Presse ätzte: „Eine Konservendose. Modell Freies Campen für vier Sardinen.“ Dennoch mauserte sich Citroens 2CV erst zum Alltagsmobil, dann zum Studententransporter und schließlich zum Kultauto. Sein Erfolg lag in der Beschränkung auf das Notwendige.
Zwanzig Jahre nach dem Produktionsende der „Ente“ wiegen Kleinwagen über eine Tonne, rennen locker 160 Sachen, sind gespickt voll mit ABS, ESP, Aggregaten, Kühl-Handschuhfach. Und werden doch gerade in Ballungsräumen oft nur für den Weg zur Arbeit, als Kindertaxi oder Einkaufsmobil eingesetzt. Trotz aller Ingenieurskunst verbrauchen sie doppelt so viel Benzin wie der erste 2CV - inzwischen auch fünfmal so teuer.
Elektroautos sollen’s künftig richten. Ob genügend Strom-Fans 30.000, 40.000 oder 50.000 Euro für einen E-Smart, i-MieV oder Elektro-Fiat auf den Tisch legen, um damit im Prinzip die gleichen Kurz-Fahrstrecken zu absolvieren, steht allerdings noch in den Sternen. „Sie müssen aber auch nicht“, sagt Rainer Plempe. Der 57jährige Autofan hat größere Teile seines Arbeitslebens damit zugebracht, zahlungskräftigen Kunden stattliche Karossen und durstige Geländewagen zu verkaufen. Mittlerweile betrachtet er sich als „geläutert“ - und macht sich für Leichtmobile stark: „Wir sind heute schon fast täglich elektrisch unterwegs.“
Vor seinem Bauernkotten in Hattingen steht Plempes „Dienstwagen“, ein sieben Jahre alter „Voltaire“. Das seinerzeit in Duisburg montierte Elektroauto hatte nur eine kurze Karriere - keine zehn Exemplare sind davon gebaut worden. Doch für den Elektro-Leichtmobil-Händler war es ein glücklicher Gelegenheitskauf: 19 kW Leistung reichen für Touren ins Ruhrgebiet oder nach Wuppertal vollkommen aus, mit 85 km/h Tempo läuft sein Eigner auch nicht Gefahr, für den Fahrer eines Automobils für Menschen mit Behinderung gehalten zu werden. Die Betriebskosten: knapp zwei Euro auf hundert Kilometer. Denn: „Kein Ölwechsel, keine Zündkerzen, kein Auspuff. Der braucht nur irgendwann neue Bremsklötze und neue Reifen.“
Inzwischen gibt es ein paar solcher Ballungsraum-Autos, die auf dem deutschen Markt aufgetaucht sind, wenn auch nicht aus deutscher Fertigung. Den „Reva“ (erhältlich über die Smiles AG) schrauben geschickte Inder zusammen. Aus Italien kommt der abgaslose „Tazzari Zero“ daher, leicht sportlich ambitioniert. Und im südfranzösischen Cerizay läuft, jetzt zum Frühsommer 2011 angekündigt, der Heuliez „Mia“ vom Band. Unter der Regie der deutschen Kohl-Gruppe und der Essener ConEnergy AG.
Der flotte Franzose hat auf den Webseiten bereits für Aufsehen gesorgt. Sein innovatives Konzept mit seitlichen Schiebetüren und drei Sitzen ist vom ehemaligen VW-Designchef Murat Günak auf die Raumnot in Ballungsräumen hin gezeichnet. In Mias 2,80 Meter Länge passen nicht nur Kind und Kegel, Schulsachen und Einkaufskorb, sagt Mia-Chef Oliver Bussick - neben dem mittig angeordneten Fahrersitz kann man seitlich auch größere Gegenstände verstauen. Das Einfach-Rezept macht sich woanders bemerkbar: Klimaanlage und ESP sucht man vergeblich, und die elektrischen Fensterheber ersetzt eine Schiebe-Scheibe. So kommt man auf 650 Kilo Leergewicht. Und auf Neuwagenpreise, die bezahlbar unterhalb 20.000 Euro liegen sollen.
Eine frühere Nebenlinie der Franzosen - „SimplyCity“ von BGI - setzt neben einem Mia-ähnlichen 2+2-Sitzer vor allem auf kleine Nutzfahrzeuge. Ihre Ausmaße entsprechen denen der alten „Kasten-Ente“. Und viel mehr braucht man ja auch nicht, um beispielsweise in den Fußgängerzonen Apotheken mit eiligen Medikamenten zu beliefern oder halbvolle Papierkörbe abzugrasen. Zumal die leisen Elektromobile durchaus schon eine Stunde früher in die Ladezonen könnten oder auch länger drinbleiben. Auch in Grünanlagen mag man sie sich gut vorstellen.
Freilich gilt es vor der Anschaffung, eine nicht unerhebliche Sperre zu überwinden. Ist das eigentlich ein „richtiges“ Auto? Und: Wie sicher kann man sich in einem Leichtmobil fühlen?
Rainer Plempe hat die Frage schon hundertmal gehört. Natürlich hätten die Fahrzeuge alle diverse Crash-Tests absolviert, sagt er. „Mia“ verfügt zudem über Fahrer-Airbag und ABS. Aber sie seien eben auch nicht „für die Sauerlandlinie“ vorgesehen, sondern für Ballungsräume, Stadt- und Regionalstraßen. Oder auch fürs Land: Den Bauern und seine Kartoffeln, Winzer & Weinfass und die Studentin nebst Laptop wird ein „Mia“ vermutlich sicherer transportieren als die 60er Jahre-„Ente“. Allerdings abgasfrei. Und im Betrieb so billig wie damals.
www.voltmobile.de
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