Einige Elektroautos sind tatsächlich schon im Ruhrgebiet erhältlich. Im neuen Jahr soll es nun mehr Bewegung auf dem Markt geben. Zahlreiche neue Modelle sind angekündigt. Vorläufig gilt aber: ohne jede Förderung.
Der flotte Viersitzer hat alles, was ein Zukunftsmobil braucht: E-Antrieb mit 109 PS, immerhin 160 Kilometer Reichweite, Klimaanlage, Navigationsgerät. Und seit kurzem auch den Adelstitel „Car of the Year 2011“, den die europäischen Fachjournalisten erstmals an ein Elektroauto verliehen. Die Premieren-Tranche mit 20.000 Fahrzeugen war in den USA flott ausverkauft, im Februar startet der Vertrieb in Europa. Doch den Nissan Leaf werden deutsche Autokunden wohl erst im Oktober fahren können.
Zuvor sind nämlich jene Nachbarländer dran, die den Kauf eines Elektromobils staatlich subventionieren: „Das werden England, Irland, Portugal und die Niederlande sein“, sagt Nissan-Sprecherin Kirsten Schmitz. „Wenn die Bundesregierung morgen sagen sollte, man fördere das Auto mit 5000 Euro, dann würden wir wohl noch einmal in uns gehen.“ Durch staatliche Unterstützung kam der Kompaktwagen in Kalifornien übrigens auf einen echten Knüllerpreis - knapp 20.000 Dollar, umgerechnet etwas mehr als 15.000 Euro. In Deutschland soll der Leaf etwa 30.000 Euro kosten.
Das Zeug zum Kassenschlager hätte auch der Smart. Jürgen Tauscher, Vorstand des größten deutschen Daimler-Händlers Lueg, ging vor zwei Jahren optimistisch davon aus, „dass wir 2010 den E-Smart in einer ordentlichen Stückzahl hier haben werden.“ Sein Smart-Geschäftsführer Ralph Wershoven lenkte den Batterieflitzer inzwischen mehrfach - im Berliner Großversuch. In Essen dagegen kam noch kein einziges Exemplar an. Die landesweit 80 Vertriebscenter werden im neuen Jahr allerdings 45 Appetizer-Exemplare für Präsentationen und Kundenaktionen bekommen. Verkaufsstart soll dann 2012 sein. Wer auf Batterie-Smart steht, ist solange beim Bochumer Umrüster Bea-tricks gut aufgehoben. Für gut 17.000 Euro plus X.
Die Lücke nutzen derweil andere Hersteller. Mitsubishis i-Miev ist bereits erhältlich, auch (die weitgehend baugleichen) Peugeot iON und Citroen C-Zero rollen zum Jahresanfang an. Insbesondere französische Hersteller haben sich einiges vorgenommen: Renault kommt in 2011 mit dem familientauglichen Elektro-Kangoo, zudem folgt die Limousine „Fluence“. Bolloré baut Pininfarinas „Bluecar“ mit im Dach eingelassenen Solarzellen. BGI will im neuen Jahr seinen „Simply-City“ als 2+2-Sitzer und den offenen „Sun“ in größeren Stückzahlen ausliefern. Und aus deutsch-französischer Koproduktion kommt im Frühsommer der „Mia“ - mit drei Sitzplätzen und zwei Schiebetüren als typischer Zweitwagen und „Mama-Taxi“. Letztere Modelle sollen um die 20.000 Euro teuer sein.
Stromkosten von 1,50 Euro für 100 Kilometer sind - neben der bedingten Emissionsfreiheit - auf Dauer ein Argument. Doch zuvor muss tief in die Tasche gelangt werden. Kein Wunder, dass sich manch Marktanbieter inzwischen Gedanken machte. So bietet der Energiekonzern RWE drei Fahrzeuge - iMiev, iON und C-Zero - im Paket mit Ladestation und Ökostrom ab 35.858 Euro an. Wer bis Ende 2010 reservierte, bekommt sogar den Ladestrom fürs erste Jahr gratis hinzu.
Auch zu mieten sind Elektroflitzer. Zwar will Sixt jene 975 Elektrofahrzeuge, die man bei German E-Cars orderte, zuerst Unternehmen und Behörden als Leasingautos schmackhaft machen. Nach und nach sollen „Stromos“ (auf der Basis des Suzuki Swift) und Co. aber auch regulär zu mieten sein. Den zum E-Car veredelten Knubbel-Fiat 500 bietet der Hamburger Energieversorger „mk-group“ Kunden an, die umweltfreundlichen Fahrspaß testen wollen: für 20 Euro pro Tag. Wer ihn kaufen will: 23.900 Euro plus 150 Euro im Monat fürs Batterieleasing.
Noch etwas anders geht der norwegische Hersteller Pure Mobility vor, der seinen 2,43-Meter-E-Zwerg „Buddy“ zwar auch für 26.000 Euro verkauft. Der Zweisitzer soll jedoch in die Konzeption von Wohn- und Bürohäusern integriert werden, wo Bewohnern und Angestellten jederzeit eine ganze „Buddy“-Flotte bereitstehen soll. Aktuell führt das Unternehmen aus Oslo Gespräche mit deutschen Immobilienfirmen.
Freilich: die neuen Namen verwirren - und lassen Zweifel aufsteigen, wer im Bedarfsfall als Servicepartner vor Ort bereit stehen könnte. Ein Netz in der Fläche aufzubauen, dürfte etliche Anbieter überfordern. Der Opel-Händler Rüschkamp will entsprechende Anforderungen kanalisieren. Über seine Plattform bietet er neben der eigenen Marke auch Elektrofahrzeuge diverser Hersteller an: vom Peugeot über Stromos und E-Fiat bis zum Klein-Lkw „Eco Carrier“. Chevrolet Volt und Opel Ampera (jeweils etwa 40.000 Euro) sollen in diesem Jahr die Liste ergänzen. Und der Fisker „Karma“ - bis zu 200 km/h schnell und 80.000 Euro teuer. Eine „Investition für Entscheider mit Budget“, wie Hendrik Rüschkamp augenzwinkernd kommentiert.
Fazit: Die E-Autos kommen. Ob die noch kleinen Kapazitäten schon bemerkbar auf den Ruhrgebietsstraßen landen werden oder doch zunächst in Ländern mit staatlicher Förderung? Smart-Händler Ralph Wershoven: „Ich glaube, dass das Elektromobil die Zukunft ist. Aber man braucht einen Anschub zu Beginn.“ Die 2009er Abwrackprämie wäre hier wohl besser angelegt gewesen.
Im Gleichschritt mit Plochingen und Plüderhausen
An Rhein und Ruhr produzieren die ersten Brennstoffzellen-Heizungen Strom und Wärme – Innovation 05/13
„Wir schmeißen nicht mehr mit Steinen“
Ökologischer Landbau entwickelt sich nur langsam im Rhein-/Ruhrgebiet – Innovation 04/13
Flotter pendeln mit dem Rad-Schnellweg
Der RVR treibt die Planung für eine „Premium-Piste“ zwischen Duisburg und Hamm mit einer Machbarkeits-Studie voran – Innovation 03/13
Elektromobile in Essen: am Start, am Kabel, am Haken
Seit drei Jahren führt Essen das trailer-Revier-Ranking bei angemeldeten E-Fahrzeugen an – Innovation 02/13
Lastenverschiebung: Mit der Kiste auf die Piste
Was transportiert flott und umweltfreundlich bis zu 100 Kilo? Elektro-unterstützte Transportfahrräder – Innovation 01/13
Gesucht: ein Scheich fürs BO-Mobil
Zwei Elektrofahrzeuge steuern als NRW-Hochschul-Entwicklungen auf den entscheidenden Meilenstein zu – Innovation 12/12
Die „Smarten“ lassen auf sich warten
Intelligente Lösungen für die Energiewende kommen erst in einigen Jahren oder rechnen sich für die Kunden nicht – Innovation 11/12
Der (Halden)-Berg ruft Windmüller
RAG Montan und Regionalverband Ruhr haben hoch über dem Revier Standorte für 70 neue Groß-Windanlagen ausgemacht – Innovation 10/12
Energischer Streit am rauschenden Bach
Die Wasserkraft ist auch in NRW eine zuverlässige Größe, doch ihre Nutzung wird erheblich behindert – Innovation 09/12
Kleines Geld, große Wirkung
Für Existenzgründungen können Mikro-Kredite rettende Hilfe entfalten – Innovation 08/12
City-Nord elektrisiert
„Versuchszone Elektromobilität im Alltag“: Viehoferstraße in Essen - Innovation 07/12
21.Tour de Ruhr erobert Europa
E-Mobilität: Eine geschichtsträchtige Vision – Innovation 07/12
„130 Jahre Elektromobilität“
Die 21. Rallye Tour de Ruhr lädt vom 6.-8. Juli zum Mitfahren ein – Innovation 07/12
"Wirkungsgrad 93,6%"
Stadtwerke Witten erzeugen Strom auf dem Dach - Innovation 07/12
Methusalix scheut den Ruhestand
Die ältesten Solaranlagen im Ruhrgebiet arbeiten teilweise schon mehr als 20 Jahre - Innovation 07/12
Mein Haus, meine Energie-Rechung, mein Schwarm
Allmählich halten Mini-Blockheizkraftwerke in den Kellern Einzug – auch in gebündelter Formation - Innovation 06/12
Frisches Gemüse von der Flachdach-Farm
Das Oberhausener Fraunhofer-Institut arbeitet an einem Projekt, Grünkost in Metropolen standortnah zu ernten - Innovation 05/12
Energiewende: gedrosselt, erdrosselt, beflügelt?
Der solare Salto rückwärts stellt Bürgerenergie-Gesellschaften vor große Probleme - und Herausforderungen - Innovation 04/12
Schaulaufen vor dem Schaufenster
Beim Wettlauf um Fördermillionen für Elektroautos hat das Ruhrgebiet unbequeme Konkurrenz direkt aus NRW – Innovation 03/12
Raus aus der Grube. Rein in die Grube.
Revier-Forscher und die RAG planen, Bergwerke nach 2018 als Pumpspeicher-Kraftwerke zu nutzen – Innovation 02/12
Der Temperatur-Schatz in der Tiefe
Im Ruhrgebiet wird wieder gebohrt: Geothermie gilt als aussichtsreiche Zukunftsenergie – Innovation 01/12
1.000 Kilometer mit nur einer Batterieladung durch Deutschland
Innovative Autoschmiede aus Bochum fährt Weltrekord ein – Innovation 12/11
Zeit, dass sich was dreht
Kleinwindanlagen haben mit vielen Problemen zu kämpfen – Innovation 11/11
„Wir machen mal ein Auto ganz neu“
Drei Hochschulen, drei E-Mobile: Zukunfts-Fahrzeuge reifen ganz woanders heran als bisher - Innovation 10/11
„Da werden ganze Busladungen kommen“
Biomasse, bis sich Besseres findet: In Gelsenkirchen treibt eine Zechenbrache neu aus - Innovation 09/11
Bochumer Sonnen-Renner startklar zur Rekordfahrt
Mit purer Solarenergie ein Mal um den Globus fahren - Innovation 08/11
Die elektrischen Touristen
Leise und komfortabel rollen Pedelec-Urlauber ruhrabwärts. Doch das Angebot ist noch lückenhaft - Innovationen 07/11
Grüner Strom: In der Hand der kleinen Leute
Immer mehr Bürger packen es selbst an und werden zu Energie-Produzenten - Innovation 06/11
Die Bahn: Für die Zukunft einfach zu leise
Der E-Mobilitäts-Pionier wird in der aktuellen Debatte wenig wahrgenommen. Zu Unrecht. - Innovation 05/11
Appetitmacher in den Metropolen
Die Automobilkonzerne bringen allmählich ihre Elektro-Modelle Richtung Kundschaft – zum Testen und Bestellen - Innovation 04/11
Elektrisch die Welle machen
E-Mobilität ist auf dem Wasser angekommen - vor allem dort, wo Beschränkungen gelten - Innovation 03/11
Warmes Wasser per Sattelschlepper
Mit intelligenten Projekten wie „LaTherm“ wurde Bottrop zur „Innovation City“ - Innovation 12/10
„Jede Gegenwart hat als Zukunft begonnen“
Das Ruhrgebiet will „Innovation City“ werden - Innovation 11/10
Einfach wie einst die „Ente“
Elektroautos müssen nicht 40.000 Euro kosten - Innovation 10/10
„Früher Spinner - heute Winner“
Die Solarrallye Tour de Ruhr macht in Bochum-Dahlhausen Station ruhrmobil-E-Serie, Teil5 - Innovation 09/10
Hundert Kilometer für 19 Cent
Radfahren 2.0: Der Masseneinstieg in die Elektromobilität erfolgt nicht über Autos, sondern E-Fahrräder ruhrmobil-E-Serie, Teil3 - Innovation 07/10
Grüner Lang-Dackel mit Hybrid-Herz
Ökobus mit 90 Prozent weniger Feinstaub - Innovation 06/10