Ist Weihnachtszeit Compilationzeit? Wohl wahr, aber hinter diesen Compilations steckt nicht schnöde Geschäftemacherei, sondern ein glückliches editorisches Händchen: Der Hit des Monats hört auf den Namen „Bangs & Works (A Chicago Footwork Compilation)“. Footwork ist ein schneller, aus dem Breakdance entwickelter Tanzstil, Juke eine Fortsetzung vom Chicagoer Ghetto-House, der stark skelettiert vor allem auf Soundattraktionen und zerhackten Vocalsamples basiert. Der rohe Sound und die knallenden Percussions erinnern nicht von ungefähr an Baile Funk. Die neue Avantgarde für die Clubs! Vol. 1 steht da – wir dürfen also auf eine Fortsetzung hoffen. (Planet Mu). Das französische Mode- und Plattenlabel Kitsuné gibt es seit acht Jahren, mit ihrer Compilationreihe „Maison“ sind sie bereits bei der Nummer zehn angelangt. Die Jubiläumsnummer ist entsprechend opulent gehalten und vereint auf 25 Stücken den typischen Kitsuné-Sound zwischen New Wave und New Rave. Da findet sich viel mediocres Zeug, allerdings auch immer wieder echte Perlen, die kurz darauf zu Hymnen auf den Tanzböden avancieren. Mit einer solchen ist dieses Mal auch der Kölner Justus Köhncke vertreten.
Auf „Black Hole“ hat der Popjournalist John Savage („Englands Dreaming“) 26 frühe kalifornische Punkstücke zusammengestellt. Von den Germs und Weirdos bis zu Flesh Eaters, X und den Dead Kennedys ist so ziemlich alles vertreten, was damals dem Establishment inklusive den alternden Hippies musikalisch in den Arsch treten wollte. Schnell und rau (Domino). „Tradi-Mods vs. Rockers“ ist eine Compilation des Labels Crammed Disc, die Coverversionen und Remixe von der elektrifizierten Folklore der afrikanischen Bands Konono No. 1 und Kasai Allstars versammelt. Die 26 Stücke auf zwei CDs von Animal Collective, Skeletons, Burnt Friedman, Mark Ernestus, Deerhoof, Optimo u.a. reichen von kammermusikalischer Folklore über Avantgarde-Pop zu elektronischer Musik. Ein Highlight ist eine housige Interpretation von Aksak Maboul, der Band des Labelgründers Marc Hollander.
Die holländische Punk-Legende The Ex hat sogar schon mit Konono No. 1 zusammengespielt. Mit ihrem 25. Album müssen sie sich aber wirklich nicht mehr neu erfinden. Wer nach so langer Zeit immer noch stilsicher und zeitlos seinem eigenen, spröden Sound treu geworden ist und dabei oft genug neue Einflüsse aufgenommen hat, der kann auch einfach mal den Status Quo halten: „Catch My Shoe“ ist eine tolles Rockalbum, das Afro-Sound und wilde Bläsersätze in sich aufgehen lässt. Und politisch integer sind sie sowieso seit den letzten 30 Jahren (Ex Records). Brachialrock von Jazzmusikern bekommt man auf „Inertiadrome“ von Ultralyd um die Ohren gehauen. Die vier Norweger wühlen sich mit Saxophon, Gitarre, verzerrtem Bass, Synthesizer und Schlagzeug durch stark rhythmuslastige Instrumentaltracks. Ein cooler Rausch (rune grammofon). Die ruhigere Musik des schwedischen Duos Wildbeards & Peacedrums – Björk ist bekennender Fan – besteht vor allem aus Percussions und Gesang. Die neue Doppel-EP (als Doppel-CD „Rivers“ oder die einzelnen Vinyl-EPs „Retina“ und „Iris“) verströmt eine kühle, reduzierte Atmosphäre, offenbart aber wunderschöne Harmonien. Die EP „Iris“ flirtet sogar mit Afro-Elementen (Haldern Pop).
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