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12/18 Streitkultur

FRAGEN DER ZEIT
Redaktionsskizze: wie trailer & Co. das jeweils nächste Thema planen
(für choices/Kölnengels/Wuppertal und trailer/Ruhrgebiet)
Drei Magazine in NRW – ein THEMA

Foto: Cornelia Wortmann

Es ist zum Verrücktwerden mit der Menschheit. Krieg und Brutalität allerorten. Wir wissen es doch besser, oder? Bloß, was hilft’s, wenn wir verlässlich Verhängnisvolles bewirken? Halten wir uns an das bis zur Unwirksamkeit dauerzitierte Wort der Philosophen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, die vollends aufgeklärte Erde strahle im Zeichen triumphalen Unheils, dann mag sich mancher sagen: Versuchen wir es gar nicht erst, denn ob aller Vorsicht werden unsere Handlungen fatale Wirkungen zeitigen. Klingt verkopft, ist aber was dran; denken wir nur an das, was Menschen anderen Menschen im Namen von Fortschritt und Moral angetan haben, wie moderne Technik die Biosphäre bedroht. Gehen wir aber noch weiter zurück in unserer Ideenwelt, dann stoßen wir bald auf Sisyphos, mit dem wir Mut schöpfen dürfen, rollte der doch wieder und wieder einen Stein auf einen Berg, im Wissen, dass es vergeblich bleiben, der Stein wieder herunterrollen wird. Der Clou: Sisyphos war darin glücklich, wie uns Albert Camus erklärt hat – übrigens praktisch zeitgleich mit Horkheimer und Adorno. Kein Grund also, am Scheitern zu verzweifeln. Soweit die Theorie. Handeln aber müssen wir auf jeden Fall, ob zuversichtlich oder angstschweißgebadet. Da stehen wir vor dem nächsten Problem, das beileibe nicht nur Theoretiker bewegt, sondern eine Mühe der Demokratie bleibt, in der wir uns einig sind, dass wir uns nicht mit Gewalt durchsetzen wollen: Wie können wir in aufgeheizten Konflikten für Gutes eintreten, wenn Worte nicht gehört werden oder nicht überzeugen, wenn wir spüren, dass beim Gegenüber nicht einmal guter Wille vorhanden ist? Das Gespräch muss doch weitergehen! Wie aber sollen wir uns motivieren, wenn wir zeitlebens erfahren, dass die Mächtigen gute Argumente beiseite wischen, wir den Eindruck haben, dass Gleichgültigkeit herrscht, mit Phrasen jedes Übel gerechtfertigt wird, dass sogar Krieg als legitimes Mittel gilt, beispielsweise Rohstoffinteressen durchzusetzen und es gewiss scheint, dass friedliche Revolutionen eine karge Ausnahme in der Geschichte bleiben werden?

 Medienteil EINS:  Bürokratische Windmühlen

Kafkaesk geht es nicht nur in absurden Romanen zu, sondern bekanntlich auch und besonders in Behörden. Wer hat es noch nicht erlebt – annähernd wenigstens – von Büro zu Büro verwiesen zu werden, von Dienststelle zu Dienststelle – um bald wieder bei der ersten Adresse zu landen, die weiterhin bestreitet, zuständig zu sein? (Ein Auszug aus der Detailplanung)

 Medienteil ZWEI:  Ziviler Widerstand

1968, Friedensbewegung, WWF, Greenpeace, Sea Shepherd, Ärzte ohne Grenzen, Amnesty International, Peta – die Liste von Bewegungen und NGOs, die versuchen, den moralischen Verwerfungen aller Art etwas entgegenzusetzen, könnte beliebig fortgesetzt werden. Die Strategien sind unterschiedlich: Provokation, Benennung, Anprangerung, Emotionalisierung, Gang durch die Institutionen, Bildungsarbeit, Recherche, Kooperation mit Staat und Wirtschaft, passiver Widerstand, gewaltsamer Widerstand, Sabotage, Schaffen von Reservaten oder Heimen.
(Ein Auszug aus der Detailplanung)

 Medienteil DREI:  Schön erzogen

Es gibt den alten Traum, dass Kultur den Menschen bessere, seine zwielichtige, triebhafte Natur in Schranken weise, sodass Auffrichtigkeit und gegenseitiges Wohlwollen sein Wesen präge. Prominent bei Schiller, der sich optimistisch zeigte, eine ästhetische Verfeinerung unseres Umgangs miteinander würde auch Moral und Charakter schulen, genauer: bessern. Nun war auch Schiller bestens im Bilde, dass die Geschichte des Menschen geprägt ist von Konflikt, ja Grausamkeit. Vorschnell wäre es, seinen Optimismus als naiv abzutun. Was ist dran an einer Charakterschulung durch Literatur, Kunst, Film, Musik, von Homers Odyssee über Schindlers Liste bis zu den Simpsons? 

(Ein Auszug aus der Detailplanung)

 

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