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Der Glanz der Unsichtbaren

Mit Hoffnung, ohne Dach

07. Oktober 2019

Die Filmstarts der Woche

Edith Piaf nennen sich die Frauen, Brigitte Macron, Lady Di. Namen, die sie bewundern, die den Kampf auf der Straße etwas leichter machen. Jeden Morgen kommen sie alle ins L’Envol, ein Tageszentrum für obdachlose Frauen, zu den Sozialarbeiterinnen Manu (Corinne Masierio), Audrey (Audrey Lamy), Hélène (Noémie Lvovsky) und Angélique (Déborah Lukumuena). Aber Perspektivlosigkeit drückt, die Mittel sind klein und die Beschränkungen groß. Als die Politik versagt, das L’envol schließen muss und auch noch ein Zeltcamp am Sportplatz geräumt wird, rüsten die frustrierten Betreuerinnen auf Selbsthilfe um. Sie beginnen die Frauen zu schulen, bringen sie illegal in einem leerstehenden Haus unter, erschummeln Bewerbungsgespräche und hübschen skrupellos Lebensläufe auf. Hart am Rand des Systems entsteht so in allen Beteiligten ein ganz neues Ziel- und Selbstbewusstsein. Mit über einer Million Besucher in Frankreich ist die herbe Sozialkomödie „Der Glanz der Unsichtbaren“ von Louis-Julien Petit („Discount“) ein Überraschungserfolg. Und doch nicht unerwartet. Es sind schwierige Zeiten in Frankreich und die Zeit reif für einen Film, der die Masse der gesellschaftlich Abgehängten aus den Schatten holt. Während Schauspielerinnen die vier Sozialarbeiterinnen und zwei der Obdachlosen darstellen, werden alle anderen Rollen von Laien gespielt, die die Wohnungslosigkeit selbst kennengelernt haben. Petit drehte chronologisch und mit viel Improvisation. So kann man quasi zusehen, wie die Figuren zu einer Einheit zusammenwachsen.

Man muss schon etwas ganz Besonderes geschaffen haben, um Filmkunst-Zwölfender wie Roman Polanski und Olivier Assayas zu übertrumpfen und den Goldenen Löwen beim Filmfestival Venedig zu erringen. Todd Phillips ist es mit seinem „Joker“ gelungen: Die „Origin Story“ des Superschurken, der in den DC-Comics Batman das Leben schwer macht, ist kein effektlastiges Fantasy-Entertainment, sondern ein beklemmend realitätsnaher Psychothriller über eine Welt, in der der soziale Zusammenhalt vollkommen erodiert ist. Der Comedian Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) verliert darüber den Verstand – und die Kinogeschichte wird bereichert um eine „Oscar“-würdige Neuinterpretation der DC-Figur, die mitleiderregend fragil und zutiefst beängstigend zugleich ist. Das Lachen dieses düsteren Clowns ist die pure Agonie. 

Der niederländische Grafiker M. C. Escher (1898-1972) entdeckt bereits als junger Mann den Holzschnitt für sich und nähert sich fortan grenzensprengend zwischen Kunst und Mathematik der Unendlichkeit an. Er erfindet das Klempeltierchen und schnitzt unendliche Treppen, die sich später in Kinofilmen von „Labyrinth“ bis „Inception“ wiederfinden. Die Doku „M. C. Escher - Reise in die Unendlichkeit“ stützt sich im Kommentar auf Zitate des Künstlers – und die entpuppen sich als großer Schatz: Escher reflektiert seinen kreativen Ansatz analytisch und lebendig zugleich. Seine Inspiration, seine Zweifel, die Vision des Künstlers und die Grenzen, auf die er stößt: Das alles wird hier – mitunter originell animiert – greifbar. Und an Humor fehlt es auch nicht, wenn Escher mit den Hippies fremdelt, die ihn verehren.

Außerdem neu in den Ruhr-Kinos: Erkan Acars sympathischer Independent-Quatsch „Ronny & Klaid“, Tim Trachtes Young-Adult-Drama „Dem Horizont so nah“, Johannes Roberts' neuester Unterwasser-Spuk „47 Meters Down: Uncaged“ und James Bobins Dschungelabenteuer „Dora und die Goldene Stadt“. Dazu startet Ralf Kukulas und Matthias Bruhns „Fritzi - Eine Wendewundergeschichte“.

Im Rahmen des Europäischen Kinotags am Sonntag, 13.10. zeigt das Bochumer endstation.kino „Systemsprenger“ (17 Uhr, mit Diskussion) und „La buena vida - Das gute Leben“ (20 Uhr), das Onikon Herdecke zeigt „Made in China“ (18 Uhr).

Redaktion trailer-ruhr.de

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