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Nuestro Tiempo

Lieben und Leiden in Mexiko

24. Juni 2019

Die Filmstarts der Woche

Carlos Reygadas schafft es immer wieder: Er bannt Momente auf die Leinwand, die wirklicher als das Leben erscheinen. Im Zentrum von „Nuestro Tiempo“ steht Juan, ein international anerkannter Schriftsteller. Er lebt zusammen mit seiner Frau Esther und seinen drei Kindern auf einer einsamen Farm. Eines Tages kommt der amerikanische Gringo Phil Esther näher. Sie geht auf seine Avancen ein. Das scheint zunächst kein großes Problem zu sein, leben Juan und Esther doch in einer offenen Beziehung. Juan ermutigt seine Frau sogar, sich mit Phil zu vergnügen. Doch sein Großmut und seine Freiheitsliebe sind zugleich begleitet von Zweifeln, Misstrauen und Argwohn. Bei der Besetzung mit Laien geht Reygadas in seinem knapp dreistündigen Film so weit, seine komplette Familie als Filmfamilie zu besetzen: Reygadas spielt Juan, seine Frau Natalia López spielt Esther und die drei gemeinsamen Kinder spielen die Kinder des Paars. „Nuestro Tiempo“ ist Filmpoesie mit großartigen Bildern, einem ganz eigenen Rhythmus und faszinierenden Perspektivwechseln.

Mamacita“ ist die Senior-Chefin eines mexikanischen Schönheitsunternehmens, die mit 95 Jahren in ihrer Villa mit Gärtner, Chauffeur, Küchenchef, Dienern und Krankenschwestern residiert. Ihr Enkel José Pablo hat sich seiner Großmutter über den Weg des Dokumentarfilmregisseurs angenähert. Herausgekommen ist das Langfilmdebüt eines jungen Filmemachers, bei dem der Zuschauer durch ein Wechselbad der Gefühle geschickt wird. Zum einen sind das Verhalten und die selbstgefällige Art Mamacitas für so manchen Schmunzler gut. Zum anderen geht Torrescano aber auch tiefer und fördert lange im Verborgen gehaltene Familiengeheimnisse ans Licht. Dadurch erhält sein Film auch tragische Dimensionen, die das Identifikationspotenzial noch weiter steigern.

Die Autorin Susanne Heinrich fremdelt mit der Gesellschaft und wird depressiv. Sie liest Theorien zu Emotion und Kapitalismus, politisiert sich, findet einen Sinn und Inspiration zu dem Film „Das melancholische Mädchen“. Befreit pfeift Heinrich in ihrem Debüt aufs klassische Erzählkino: Ein Mädchen (bezaubernd: Marie Rathscheck) sucht eine Bleibe, hat eine Schreibblockade und begegnet Menschen. Heinrich schickt ihre Alice in fünfzehn Kapiteln durch das Wunderland Großstadt. Der episodische Ansatz und die skurrile Verlorenheit erinnern an die wundersamen Welten des Roy Andersson. Doch so etwas hat man, vor allem hierzulande, noch nie gesehen: Ein filmischer Reigen in 4:3, elegant, klug, sexy, ganz schwerelos und doch von Gewicht. Formsprengend, formvollendet – eine kleine Offenbarung.

Das britische Imperial War Museum gibt einen Dokumentarfilm zum Ersten Weltkrieg in Auftrag, Peter Jackson übernimmt. Der Mittelerde-Regisseur wertet historisches Schwarzweiß-Filmmaterial aus und Kommentare britischer Veteranen, die an der Front kämpften. Jackson koloriert, schmückt den Ton aus, konvertiert in 3D und gestaltet die Bilder so nah und greifbar wie nie zuvor. „They Shall Not Grow Old“ ist Dokumentarkino, wie man es bis dato noch nicht gesehen hat. Es macht Geschichte lebendig, unterstreicht dabei aber auch mit einer ungeheuren Vehemenz die Bedeutung des Krieges für jedes einzelne Individuum.

Außerdem neu in den Ruhr-Kinos: Michael Matthews' afrikanischer Neo-Western „Five Fingers for Marseilles“, Gilles Lellouches feuchte Tragikomödie „Ein Becken voller Männer“, Zara Hayes' ähnlich gelagerte Oldies-Cheerleader-Komödie „Dancing Queens“ und Chris Renauds gelungenes Animationssequel „Pets 2“.

Redaktion trailer-ruhr.de

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