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Rebellinnen - Leg dich nicht mit ihnen an!

Jackpot in der Fischfabrik

08. Juli 2019

Die Filmstarts der Woche

Nach fünfzehn Jahren an der Côte d'Azur kehrt Sandra, 35, arbeitssuchend und recht abgehalftert, zu ihrer Mutter zurück. Die wohnt im Norden Frankreichs in einem Wohnwagen am Küstenstadtrand. Und so ergattert die einstige Schönheitskönigin fürs erste einen Fließband-Job in der Fischfabrik. Als der Vorarbeiter über sie herzufallen sucht, gibt sie ihm Saures und wird dabei tatkräftig von der robusten, alleinerziehenden Marilyn und der warmherzigeren, aber ebenso wehrfähigen Nadine unterstützt. Dabei fällt den dreien ein großer Batzen Geld in die Hände, und das Geld ist nicht herrenlos: Da ist zum einen der Kleinganove Simon, vor allem aber eine schießwütige Meute aus Belgien, die den drei Frauen schon bald auf die Pelle rücken. Und zu allem Überfluss macht sich noch ein strafversetzter Polizist aus Paris an Sandra ran. Cécile de France als gefallene Heimkehrerin, Audrey Lamy als White Trash-Göre und Yolande Moreau als Glucke mit Schrotflinte – das Trio wird schlichtweg von einem Dreamteam verkörpert. Und Regiedebütant Allan Mauduit, der auch das Drehbuch zu „Rebellinnen – Leg dich nicht mit ihnen an!“ schrieb, konfrontiert seine Heldinnen mit allerhand skurrilen Typen und Situationen, serviert derbe und geschmackvoll mit Gelbstich und pointierten One-Linern. Temporeich und frech geschnitten, musikalisch geschmacklich unterlegt, von Western-Verweisen bis zum rauen „Bang Bang“-Cover. Ein kleines, knackiges, dreckiges, cooles Ding, einfach mal so rausgehauen – und gar nicht mal so hohl, sind die Figuren doch, abgesehen von den groben Belgiern, so gar nicht bloß stereotyp. Ein Pulp Fiction-Krimi mit Referenzen an Tarantino und Wucht und Tempo des frühen Guy Ritchie – warum kommt so etwas jetzt aus Frankreich? Mauduit sagt dazu ganz unverblümt: „Ich muss gestehen, dass mir die französische Literatur und das französische Kino – die in der Regel eher bürgerlich ausgeprägt sind – manchmal auf die Nerven gehen.“ 

Wäre das vorstellbar? Eine Welt, in der es die Beatles nie gab? Kein „The Long and Winding Road“. Kein John und Paul und George und Ringo, kein White Album. Eine ahnungslose Menschheit. Das ist die Situation, in der der so unbegabte wie erfolglose Singer-Songwriter Jack Malik (Himesh Patel) sich wiederfindet, nachdem eines Nachts für zwölf Sekunden weltweit der Strom ausfällt. Dass er danach der offenbar einzige Mensch ist, der sich noch an die Beatles erinnert, begreift Jack, als er Freunden rund um seine treue Managerin Ellie (Lily James) „Yesterday“ (Cinedom, Cineplex, UCI, Weisshaus, OmU im Odeon) vorsingt. Es wird ein magischer Moment. Die Runde lauscht verzaubert. Und im Kino ist es auch, als hörte man diese Töne tatsächlich zum ersten Mal. Das gehört zu den kleinen, feinen Wundern, die dem britischen Oscarpreisträger Danny Boyle mit diesem Feelgood-Musical gelingen. An der Zuckrigkeit  des Skripts merkt man, dass es diesmal von „Vier Hochzeiten“- und „Notting Hill“-Autor Richard Curtis kommt. Aber Boyles Filme erzählen immer schon gern von Durchgeknallten und Außenseitern wie Ewan McGregor in „Trainspotting“ oder Dev Patel in „Slumdog Millionär“ – vom Leben verprügelte Typen, die sich in neue Welten träumen, diese aber selten kampflos erreichen. Jack ist auch wieder so ein Loser, der an einem Ort landet, an den er nicht gehört. Denn natürlich, mit mächtig schlechtem Gewissen übt Jack all die Songs so gut er kann aus dem Gedächtnis ein und stellt sie als seine eigenen online. Da dauert es nicht lange, bis Ed Sheeran vorbeikommt, der echte. Sheeran, selbst auf dem Weg zur Legende, spielt sich selbst mit sympathischer Demut. Er forciert Jacks unausweichliche Karriere, die ihn in Tonstudios und volle Hallen katapultiert. Der Film mag eine Beatles-Hommage im Gewand einer unterhaltsamen Selbstfindungskomödie sein, etwas Zeitgeist-Satire gönnt er sich doch. So sind auch Coca-Cola, Zigaretten und Harry Potter vom Angesicht der Erde verschwunden, nicht aber Oasis oder die Rolling Stones.

Als John und Molly Chester das Apartment gekündigt bekommen, weil ihr Hund ständig bellt, verwirklichen die Kalifornier kurzerhand ihren Traum: Sie erwerben 81 Hektar brachliegendes Land und errichten sich dort einen traditionellen Bauernhof. Tatkräftig unterstützt wird das Paar dabei durch einen Investor, durch Landarbeiter, Praktikanten und einen Experten für biodynamische Landwirtschaft. Die tote Erde ist eine große Herausforderung. Erschwerend kommt hinzu, dass die Chesters nicht regulierend eingreifen wollen. Das Paar setzt auf ursprüngliche Vielfalt, und da haben eben auch Kojoten und Schädlinge ihren Platz. Doch genau das hat schließlich vor langer Zeit ohne den Faktor Mensch schon sehr gut funktioniert. Acht Jahre lang begleitet John Chester das Projekt mit der Kamera. Heute ist das Gut eine Vorzeigefarm, die – fernab von Monokultur, Regulierung und Pestizid – Flora, Fauna und Mensch gleichermaßen zu Nutznießern macht. Nun könnte man den Dokumentarfilm „Unsere große kleine Farm“ als oberflächlichen, amerikanisch verklärten „Yes we can“-Motivationsstreifen abtun. Ein Hindernis ist nie eine Hürde, sondern ein „Problem mit einer Chance“. Und dass sich Regisseur John Chester äußerst sprunghaft durch die acht Jahre Aufbauarbeit zappt, verleiht selbst den größten Herausforderungen immer eine gewisse Leichtigkeit, nichts wird hier vertieft. „Unsere große kleine Farm“ ist aber weit mehr als eine Bilderbuch-Floskel. John Chester geht es schlichtweg nicht um Details. Der Do-it-yourself-Farmer will keinen Baukasten zur Rettung der Welt liefern, sondern eine Lebensphilosophie vermitteln, und das im doppelten Sinn: So geht es hier nicht nur darum, inwiefern sich Leben und Denken der Chesters durch ihren Ausstieg verändert haben. Vor allem bringt uns der Film die Philosophie des Lebens, unseres Ökosystems nahe.

Außerdem neu in den Ruhr-Kinos: Thomas Vinterbergs True-Story-Drama „Kursk“ und Karsten Kiilerichs animiertes Orient-Abenteuer „Kleiner Aladin und der Zauberteppich“.

Redaktion trailer-ruhr.de

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