
Song for Marion
GB 2012, Laufzeit: 97 Min., FSK 0
Regie: Paul Andrew Williams
Darsteller: Terence Stamp, Gemma Arterton, Vanessa Redgrave, Christopher Eccleston
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Berührendes Seniorendrama
Ängstlicher Dickschädel
„Song for Marion“ von Paul Andrew Williams
Regisseur Paul Andrew Williams hatte einen Großvater, der sich nach außen hin gern mürrisch gab und nörgelte. Und der ein halbes Jahrhundert lang aus tiefstem Herzen seine Frau liebte, bis diese eines Tages ihrem Krebsleiden erlag. An diesem Tag, erzählt Williams, schluchzte sein störrischer Großvater wie ein kleiner Junge. Das Schicksal seiner Großeltern hat den britischen Regisseur und Drehbuchautor nun zu diesem berührenden Drama inspiriert, und der Moment, in dem ein gestandener alter Dickkopf hinter verschlossenen Türen aufschluchzt wie ein Kind, gehört zu den bewegendsten Szenen dieses Films. Eine Geschichte von einem alten Paar jenseits der 70, er knausrig um sie besorgt, sie von ihrer Krebs-Historie gezeichnet, doch unerschütterlich lebensfroh: Arthur (Terence Stamp) und Marion (Vanessa Redgrave). Als ihre Ärztin einen Rückfall diagnostiziert, trotzt Marion und engagiert sich umso mehr in einem christlichen Chor, in dem sie unter der Regie der jungen Chorleiterin Elizabeth (Gemma Arterton) mit Gleichaltrigen singt. Mit Hip-Hop und Heavy Metal will die Truppe demnächst in einem Chorwettbewerb antreten. Arthur hingegen erachtet derlei Freizeitaktivitäten als wenig zuträglich für seine kranke Gattin. Zugleich verschärft sich der unausgesprochene Konflikt zu seinem Sohn James (Christopher Eccleston). Dann schlägt das Schicksal zu, und Arthur muss sich und sein Weltbild neu sortieren.
Die schwedische Produktion „Wie im Himmel“ aus dem Jahr 2004 führt vor, wie sich im Mikrokosmos eines Kirchenchors bewegend menschliche Dramen verankern lassen. Dokumentarfilme wie „Young@Heart“ oder „Das Lied des Lebens“ erzählen von der Energie, die ein solches Unterfangen bei Senioren entfesselt. Paul Andrew Williams rahmt seine autobiografischen Erlebnisse mit diesem Phänomen. Mitunter verliert sich die Kamera etwas überambitioniert in super aufgelegten, singenden Rentnern. Doch zum Glück nimmt das nicht Überhand. Denn schon bald kristallisiert sich heraus: Der Fokus dieses Dramas liegt auf Arthur. Und Terence Stamp („Priscilla – Königin der Wüste“, „The Limey“) verkörpert diesen gebrochenen Charakter beeindruckend stark: Gerade die reglosen Gesten sind es, die von der unterdrückten Angst des störrischen Dickschädels erzählen, von seiner Traurigkeit und von seinem großen Herzen, das er hinter Gram und falschem Stolz versteckt. So wie „Song for Marion“ zum einen an die Lebenslust appelliert, so legt er zugleich gefühlvoll und bedächtig den Schmerz dar, den der Verlust nach jahrzehntelanger Zweisamkeit mit sich bringen kann. Nach einem düsteren Gangsterdrama „London to Brighton“ und einigen Genre-Produktionen („The Cottage“) öffnet sich Paul Andrew Williams nun einem halbwegs biografisch gefärbten Drama, das er dramaturgisch wirkungsvoll und kinogerecht aufbereitet. Terence Stamp verleiht der Geschichte dabei die notwendige Glaubwürdigkeit.
(Hartmut Ernst)

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