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Astrid

Das Glück der Kindheit

09. Dezember 2018

Die Filmstarts der Woche

Astrid Lindgren muss man nicht groß vorstellen. Durch ihre unzähligen Kinderbücher mit Figuren wie Pippi Langstrumpf, Karlsson vom Dach, Meisterdetektiv Kalle Blomquist, Tomte oder Madita ist sie unsterblich geworden, auch wenn 2002 das erfüllte Leben der 1907 geborene Schwedin nach 94 Jahren endete. Exzentrisch war ihr Dasein als Schriftstellerin nicht. Jahrzehnte hat sie für den Verlag, der auch ihre Bücher publiziert hat, als Lektorin gearbeitet. Vormittags schrieb sie zuhause, nachmittags ging sie in den Verlag. Gelebt hat sie jahrzehntelang bis zu ihrem Tod in einer ganz gewöhnlichen Wohnung in Stockholm. Pernille Fischer Christensens Biopic „Astrid“ endet, noch bevor Lindgren die ersten Worte als Kinderbuchautorin niederschreibt – folgerichtig heißt er im Original „Die junge Astrid“. Er zeigt, wie es dazu kommen konnte, dass die junge Frau die bekannte Schriftstellerin wurde: Astrid (von Alba August faszinierend als naive, aber auch sehr selbstbewusste junge Frau gespielt) wächst zusammen mit ihrem älteren Bruder, ihren beiden jüngeren Schwestern und ihren Eltern auf einem Bauernhof auf. Mit 16 Jahren erhält sie überraschend das Angebot, bei der Tageszeitung in der nächstgelegenen Kleinstadt zu arbeiten. Mit dem viel älteren Chef hat sie bald ein Verhältnis und wird ungewollt schwanger. Gegen den Willen der Eltern und alle gesellschaftlichen und religiösen Normen bekommt sie das Kind, heiratet aber nicht den Vater des Kindes, sondern gibt ihren Sohn schweren Herzens zu einer Pflegemutter, um in Stockholm eine Ausbildung zur Sekretärin zu absolvieren. Dort leidet sie sehr unter der Trennung von ihrem Sohn und will ihn möglichst bald zu sich holen. Gleichzeitig führt sie einen emanzipatorischen Befreiungskampf gegen die Eltern, die Kirche, die Männer und die ganze Gesellschaft. Lindgrens widerständigen Kampfgeist, der 1941 am Bett ihrer kranken Tochter zur Erfindung der Figur Pippi Langstrumpf führt, verbreitet die bislang nur im schwedischen Fernsehen präsente Alba August auf der Leinwand mit einnehmendem Charme.

Mit seinem kleinen Horrorfilm “It Follows” hatte David Robert Mitchell 2014 einen reizvollen Genre-Einstieg hingelegt. Jetzt darf er sich mit Andrew Garfield als Hauptdarsteller austoben. Und genau so wirkt „Under the Silver Lake“ auch: Mitchell tobt sich aus! Entsprechend unsortiert gestaltet sich die Geschichte von Sam (Garfield), der stoned und wohlstandsgelangweilt Nachbarinnen mit dem Fernglas auszieht und dabei an die hübsche Sarah gerät, die schon bald verschwindet und Sam zu einem wilden Trip durch Los Angeles animiert. Wie ein David Lynch ohne Konzept und Spannungsbogen dirigiert uns der 44-jährige Nachwuchsregisseur durch urbane Abgründe, die sich der Zeit, der Logik und der Greifbarkeit entheben. 

Horrorfilme gelten bei Studiobossen als schnell und günstig zu produzieren. Und so ist es nur folgerichtig, dass Gaspar Noé für seinen neuen Schocker „Climax“ nur zwei Wochen Drehzeit benötigte, Stephen Susco für seinen Videochat-Gruseler „Unknown User: Dark Web“ sogar nur eine. 
Noé („Irreversible“) saugt sich an einer Tanztruppe fest, die in einem Schulhaus für eine anstehende Tour probt. Doch jemand hat Drogen in die Bowle gekippt, und das Fest entgleitet. Mit wilden, kunterbunten Kamerafahrten, tollen Tanzszenen und einem mitreißenden Soundtrack zerschlägt Noés Film den Hedonismus und die Utopien unserer Zeit. 
Suscos Horror-Sequel geht einem Gelegenheitsdieb an den Kragen. Als der einen Laptop mitgehen lässt und sich über diesen mit seinen Freunden verbindet, wird aus harmlosem Spaß bitterer Ernst: Plötzlich sehen sich die Kids realem Grauen aus dem Netz ausgesetzt und geraten in ein böses Spiel.

Außerdem neu in den Ruhr-Kinos: Steve McQueens solides Gangsterdrama „Widows - Tödliche Witwen“, John McPhails ironisches Zombie-Musical „Anna und die Apokalypse“, Florian David Fitz' Männer-Striptease „100 Dinge“ und Sven Unterwaldts und Toby Genkels Rockmärchen-Adaption „Tabaluga - Der Film“.

Redaktion trailer-ruhr.de

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