Das junge Paar Nick und Honey wird eines Abends zu George und Martha eingeladen und gerät mitten in einen fulminanten Ehestreit, in dem es vor allem Martha ist, die ihren Mann vorzuführen weiß. Schon stark alkoholisiert schenken die Gastgeber ihren jungen, unbedarften Gästen nach, bis auch diese ihre Haltung verlieren und die Lügen ihrer Ehe offenbar werden.
In seiner Inszenierung des Bühnenklassikers von Edward Albee in Oberhausen stellt Peter Carp insbesondere die Psychologie der Figuren heraus. Die zunächst dominant wirkende Martha (Elisabeth Kopp) offenbart bald ihre Schwächen und Einsamkeit – insbesondere, wenn es um den von ihr und George erfundenen Sohn geht. Auch George (Henry Meyer) ist nicht nur der unterdrückte Ehemann, sondern versteht sich zu rächen. Der treu liebende Nick (Martin Hohner) lässt sich von Martha verführen, während Honey (großartig gespielt von Manja Kuhl) mehr und mehr die Maske des naiven Frauchens fallen lässt.
In Bezug auf die psychische Verfasstheit der Figuren ist auch das Bühnenbild zu deuten: eine drehbare Wand, die jeweils vor- oder zurückbewegt, den Figuren den Raum nimmt und sie sichtbar in die Enge treibt oder sie allein und verlassen in großer Leere und Einsamkeit zurücklässt. Die Wand dient auch als Projektionsfläche, allerdings wird diese Möglichkeit nur zweimal genutzt; schade, denn dem Stück hätte es sicher gutgetan, dieses Mittel zu etablieren und so die langen Sprechakte ein wenig aufzulockern.
Es wird schnell klar, dass es hier um mehr geht als den alltäglichen Ehekrach. Was zunächst wie ein solcher anmutet, entpuppt sich bald als ausgefeiltes Psychospiel, das Martha und George nicht nur untereinander, sondern auch mit ihren beiden Opfern treiben. In einem System von Demütigungen und Machtdemonstrationen geht es vor allem um Wissen, dass der eine vom anderen hat und gegen diesen einzusetzen weiß.
Der Abend kippt, als George den fiktiven Sohn sterben lässt. Er nimmt Martha ihren Halt und ihre Schlagfertigkeit. Die Grenzen ihres Spiels sind überschritten. Carp gibt dem bekannten Stück mit seiner durchaus gelungenen Inszenierung dabei leider keinen neuen Anstrich. Auch nimmt die Länge dem Abend ein wenig die Intensität.
„Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ I Fr 16.12., 19.30 Uhr I Theater Oberhausen I 0208 857 81 84
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