Die Tragikomödie „Die Launen der Marianne“ sollte wohl ein Sturm der Emotionen sein, ist aber nur einer im Wasserglas geworden, dafür aber mit extra Schaum. Die Handlung von Alfred de Musset ist schnell erzählt: Coelio liebt Marianne, vor allem, weil sie so schön ist. Dummerweise ist sie mit einem betagten, eifersüchtigen Richter verheiratet und erhört sein Schmachten nicht, was den Jüngling natürlich zu noch heftigeren Liebesschwüren veranlasst. Er bittet seinen Freund, den Lebemann Octave, um Hilfe: Er soll das Herz der Widerspenstigen für ihn zähmen. Aber wie das nun mal in Komödien so ist, Octave verliebt sich in Marianne. Und weil es ja eine tragische Komödie ist, gibt es zum Schluss keine Hochzeit, sondern eine Leiche, denn da war ja auch noch ein Ehemann. Diesen alten Liebeswirrwarr lässt Regisseur Jonas Fischer zunächst ganz einfallsreich beginnen, indem er Cupido die Protagonisten aus Kisten holen lässt. Der Liebesgott als perfider Puppenspieler arrangiert seine willenlosen Marionetten und behält die Fäden auch im weiteren Verlauf in der Hand. Gerade für die Figur der Marianne wird so eine weitere Bedeutungsebene aufgemacht: eine hübsche Puppe, von Männern drappiert, eine Projektionsfläche ohne Eigenleben. Leider wird dieser Ansatz nicht weiter verfolgt.
Marianne, von Bettina Lieder irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf, Marie Antoinette und Tochter-aus-besserem-Hause-Zicke angelegt, bekommt im Laufe der Inszenierung nicht die Chance, vom Objekt zum Subjekt aufzusteigen. An einer Stelle reflektiert sie ihre Rolle als Frau und erkennt sich selbst als Spielball männlich-egozentrischer Liebe, begreift aber auch ihre Patt-Situation: Gibt sie der Liebe nach, ist sie eine Schlampe, gibt sie nicht nach, ist sie ein herzloses Biest. Daraus ließe sich was machen. Jonas Fischer benutzt es als Gag. Die schöne Zicke erheischt so nur das Mitleid von Octave. Und ewig manipuliert das Weib. Die Unmengen an Schaum, die in der Inszenierung fließen, machen diese alten Kamellen dann auch nicht mehr frisch. Steht es jetzt für pochende Emotionen, die buchstäblich überschäumen oder für rasende, schäumende Eifersucht, hat es überhaupt eine tiefere, symbolische Bedeutung? So oder so – weniger wäre mehr gewesen.
„Die Launen der Marianne“ I 6.11., 18 Uhr I Schauspielhaus Dortmund, Studio I Karten: 0231 502 72 22
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