Was für eine wunderbare Vorstellung. Schon in der Pause wollte ich das Theater verlassen, endlose Gähnattacken, ungläubige Blicke auf die Uhr, eine Inszenierung, die meine Welt nicht braucht. Das ist ärgerlich, das grenzt an Lebenszeitvernichtung, doch am Auto hatte ich die Überflüssigkeit bereits vergessen. War das schon Demenz oder nur der unterbewusste Sicherheitsgedanke? Wäre es nicht schön, wenn man alles, was man auf der Welt an Schlechtigkeit empfindet, gleich wieder vergessen könnte? In meinem engsten Familienkreis habe ich die Auswirkungen dieser Möglichkeit körperlich miterleben können. Anfangs war es noch witzig, wenn alle Gespräche quasi seriell abliefen. Quasi eine Kunstaktion wider Willen. Dann die kuriosen Namensverwechslungen. Doch die bösartige Krankheitskurve stieg schnell steil nach oben. Da war dann Schluss mit lustig. Die Auswirkungen sind verheerend, nicht nur für den Erkrankten, auch für seine Familie, und alle vier Sekunden wird auf der Welt eine neue Alzheimer-Diagnose gestellt. Da rollt eine Welle, die einem Tsunami gleicht.
Dennoch muss ich diesen Verlauf auch auf die kulturellen Belange des Bundeslandes mit dem Bindestrich anwenden. Hier rollt auch die Welle der drohenden Kürzungen, hier versucht jeder, jeden zu überleben, und das mit allen Mitteln. Interessant in diesem Zusammenhang sind zwei Aspekte. Erst einmal ist immer noch Geld übrig von der Kulturhauptstadt-Farce. Ein nettes siebenstelliges Sümmchen wohl, unabhängig von den selbst erschaffenen und überflüssigen Arbeitsplätzen im Umfeld der Bespaßungs-Initiatoren. Was damit passiert, wird die Zukunft zeigen, ich weiß es nicht, wie viele andere auch, die wegen der lustigen NRW-Neuwahl im Mai auf ihre bereits bewilligten Gelder warten, oder nur auf den vielleicht positiven Bescheid, der dann für viele Kulturkämpfer in 2012 definitiv zu spät kommen wird. Vielleicht wäre es das Beste, alle hätten ihre Anträge längst vergessen.
Ganz im Gegenteil dazu schwimmt die aktuelle Ruhrtriennale von Heiner Goebbels wohl im Geld. Sie wird beileibe nicht nur mit Landesmitteln bestritten, nein, für einige der Großprojekte springen private Sponsoren und sogar die Kunststiftung des Landes ein. Doppelt gemoppelt hält eben besser. Was sollen da die Normalsterblichen unter den Kulturschaffenden von halten? Ich empfehle inzwischen demenzielles Vorgehen. Vergessen wir die Vorzüge, die das Rheinland und das Ruhrgebiet prägen. Vergessen wir, dass es eine Zeit vor den großen selbsternannten Event-Managern gab. Vergessen wir Kunst, Musik, Theater und die anderen vielen Sachen, die nur Geld kosten; kulturelle Bildung übernehmen ab jetzt die Privatsender im Fernsehen. Das muss reichen, dumm nur, dass ich schon jetzt irgendwie deren Namen vergessen habe. Allerdings weiß ich auch nicht mehr, worüber ich eigentlich schreiben wollte, über Alzheimer oder über Kultur, oder ist das etwa das gleiche Thema – oder doch nicht? Vielleicht vergessen wir uns doch einfach.

Das Zahngold der Kultur
Nazi-Raubkunst – ein heikles Thema? – Magenbitter 05/13
Neuer Ansatz Planwirtschaft
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Ringen um Kultur
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Moers zurück im Diluvium
Eine Stadt am kulturellen Abgrund - Magenbitter 07/12
Goofy for president
Meine Landtags-Wahl in NRW - Magenbitter 06/12
Shampoo für die Qual
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Die Plastiktüte im Körper
Einfach shoppen, wenn das Implantat mal platzt - Magenbitter 03/12
Halbwahr wahrscheinlichert
Unsicherheit statt Notwendigkeiten – Magenbitter 02/12
Gott Bolon Yokte kommt
Nur noch ein paar hundert Tage – Magenbitter 01/12
Der Fleck muss weg
Reinigung als performative Aktion – Magenbitter 12/11
Wege aus der Erinnerungskultur
Skulpturen: Erst Schuhe putzen, dann ärgern – Magenbitter 11/11
Still fließen die Millionen
Vielleicht kommt Benedikt XVI. ja mal auf Geschäftsreise - Magenbitter 10/11
Butterstulle statt Gefiedel
Jedem Kind ein Instrument … oder lieber doch nicht? – Magenbitter 09/11
Die Feder vom Vogel Greif
Warum die Leber der Kultur so schmackhaft ist - Magenbitter 08/11
Der heilige Geist der Materie
Am besten ist das wo nix dran oder drin ist - Magenbitter 07/11
Die Rache der Zwerge
Die „Haldensaga“ mit 12.000 Menschen - Magenbitter 06/11
Einstürzende Erinnerung
Wie im Ruhrgebiet mit Kunst umgegangen wird - Magenbitter 05/11
Kunst durch Vorbeischauen
Dämonen sind schlau. Viele Reize, wenig Tatsachen - Magenbitter 04/11
Kulturfeudalismus und Aschermittwoch
Warum der Teufel immer auf den größten Haufen scheißen soll - Magenbitter 03/11
Jäger der verlorenen Schätze
Endlich wissen, wo es langgeht - Magenbitter 02/11
Uns helfen keine Götter
Magenbitter 01/11
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Dystopische Gedanken zum Jahresausklang - Magenbitter 12/10
Wasser an den Kanal tragen
Leben im Ruhrgebiet kann auch mal schwierig sein - Magenbitter 10/10
Die ausgetretene Kultur
Im Asphaltdschungel der Normalität - Magenbitter 08/10
Mit Flammenschwert und Lederball
Anti-Kulturbewegungen während der Fussball-WM - Magenbitter 07/10
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Knast als letzte Hoffnung
Magenbitter 04/10
Rubbelt euch arm
Spielsucht muss jetzt Kulturhauptstadt finanzieren - Magenbitter 03/10
Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen
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Verbotene Liebe
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Schein und Sein
Auch professionelles Gaukeln will gelernt sein - Magenbitter 11/09
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Reduziert auf vier Buchstaben
2010-Macher haben viel zu viel Spielgeld - Magenbitter 06/09
Wir brauchen mehr Kunst
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