Eine altmodische Turnhalle ist am Theater an der Ruhr Welt genug für die Auseinandersetzung mit den Trieben, die in die Irre führen, wenn der Geist nicht stark genug ist. Da hilft auch kein Lamento oder eine rechtfertigende tiefenpsychologische Dauerargumentation im 1934 von Luigi Pirandello geschriebenen Stück „Non si sa come“ („Man weiß nicht wie“). Der Ehebruch von Romeo (Steffen Reuber) ist eine Untat, zumindest wenn man die Rechtspflege in Italien zu Zeiten des damals aufkeimenden Faschismus zu Grunde legt. Ist es aber tatsächlich ein Verbrechen, wenn die Triebe zum ungewollten Wollen verleiten? Roberto Ciulli hat Pirandellos Stück jedenfalls unter diesem Titel inszeniert und damit den italienischen Nobelpreisträger auch ein klein bisschen aus einer Vergessenheit befreit, die eigentlich unverständlich bleibt.
Das Drama ist vom damaligen Stand der Psychoanalyse beeinflusst. Marineoffizier Giorgio (Fabio Menéndez) ist nach monatelanger Fahrt auf Heimaturlaub. Sein Freund Romeo (Steffen Reuber) kommt ihm verändert vor. Er plappert unaufhörlich von amourösen Abenteuern seiner Frau Bice (Simone Thoma), philosophiert über das Verlangen und seine Ursachen. Er scheint darüber dem Wahnsinn nahe, denn ihn hat niemand betrogen, er selbst war in einer (über-)sinnlichen Sekunde der Täter, und das mit Giorgios Frau, die ihren Mann allerdings abgöttisch liebt. Was nun kommt, ist die Auseinandersetzung zwischen Pflichtbewusstsein und Intellekt. Denn Romeo versucht, der Falle der sinnlichen Begierden durch Argumentation zu entkommen, wohl wissend, dass er mit einer Verheimlichung, wie sie die beiden Frauen als ziemlich normal empfinden, nicht leben könnte. Also beichtet er und wird erschossen. Die Wahrheit siegt, alle verlieren. Auch Giorgio weiß das. Verzweifelt versucht er am Ende, Romeo zu Seinesgleichen zu machen, drapiert den Toten auf den Turngeräten, die der im Gegensatz zu ihm nie beherrschte, quasi als Rechtfertigung seines Tuns. Doch das gelingt mit einer Leiche natürlich nicht mehr. Die rohe Macht ohne Intellekt geht ab. Die elegante Turnhalle von Gralf-Edzard Habben gerät aus den Fugen.
Das Verbrechen“ I So 29.1., 16 Uhr I Theater an der Ruhr Mülheim I 0208 599 01 88
Tags: Theater an der Ruhr
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