Das Kino ist ein besonderer Ort. Das beweisen kleine, feine Veranstaltungen wie der Plakatflohmarkt, den die Dortmunder Schauburg am 11. Februar zum ersten Mal ausrichtete. Ein altgedientes Lichtspieltheater wie die Schauburg, das 2012 sein 100-jähriges Bestehen feiert, hat vieles zu erzählen. Es atmet Geschichte: Filmgeschichte, Technikgeschichte, Stadtgeschichte … Filmfans und solche, die es werden wollen, durften an diesem Tag einmal hineinschnuppern in die bunte, reiche Welt des Kinos. Zwischen 10 und 14 Uhr konnte man im großen Saal zwischen Kinosesseln herumschlendern und Plakate, Aufsteller und Banner erwerben. Ab 11 Uhr gab es für kleines Geld eine Technikführung und einen Überraschungsfilm obendrauf.

Für einen Samstagvormittag hatten überraschend viele Filminteressierte den Weg in die Schauburg gefunden. Sie wurden nicht enttäuscht. Die Kinomacher bescherten ihren Besuchern einen rundum gelungenen Einstieg ins Wochenende. Erwin Rajkovcanin vom Schauburg-Team nahm die Anwesenden mit in den Vorführraum des Obergeschosses und erläuterte wesentliche Abläufe der analogen Kinotechnik. Der kleine Raum mit dem 35mm-Projektor und den Filmtellern, über die die Filmspulen laufen, war schnell gefüllt und wurde interessiert begutachtet. Hier konnte man einen Eindruck davon gewinnen, wie Kino gemacht wird. Was hinter den Kulissen passiert, wie es rattert und schnurrt, während die Zuschauer vorn im Saal das Bilderspektakel ungestört genießen dürfen. Neben kleinen Anekdoten aus der Kinogeschichte erfuhr man interessante Details über den Job, den die Vorführer hier machen. So müssen sie zum Beispiel einiges an Kraft aufwenden, wenn sie mit den einzelnen Filmrollen hantieren. Die können nämlich zwischen 20 und 40 kg schwer sein.
Ein Film mit einer durchschnittlichen Länge von 90 Minuten besteht aus rund 2.500 Metern Film und wird auf mehrere Rollen aufgeteilt. Der Vorführer muss die Filmrollen an den entsprechenden Stellen zusammenkleben, so dass die sogenannte Klebepresse zu den wichtigsten Arbeitsgeräten und Requisiten gehört. Früher war das übrigens ein richtiger Ausbildungsberuf, man war staatlich geprüfter Vorführer oder Projektionist. Das ist einige Jahrzehnte her und seitdem hat sich vieles verändert. Angesichts der grundlegenden Weiterentwicklungen der Filmproduktion stand natürlich auch in der Schauburg die Digitalisierung zur Diskussion.

Erwin Rajkovcanin trat in diesem Zusammenhang allerdings nicht als Nostalgiker auf, sondern wies lediglich auf einige wesentliche Unterschiede hin. Viele analoge Projektoren, die noch im Einsatz sind, haben inzwischen viele Jahre auf dem Buckel, sie sind bis zu 50 Jahre alt. Neuere Projektoren existieren zwar, sind aber mit rund 15.000€ eine allzu kostspielige Anschaffung. Digitale Projektoren sind bis jetzt weit weniger strapazierfähig und haben im Durchschnitt nur eine Lebensdauer von knapp 5 bis 6 Jahren. Nachteile gibt es auch: Eine 35mm-Filmkopie kostet ca. 3.000 Euro, was zur Folge hat, dass von einigen Produktionen nur wenige Kopien in Umlauf gebracht werden und daher erst recht spät ins Kino kommen.
Als die meisten Fragen geklärt waren, durfte man es sich wieder im Kinosaal gemütlich machen. Als Überraschungsfilm zeigte die Schauburg die französische Komödie „Bezaubernde Lügen“ aus dem Jahr 2010, mit Audrey Tautou und der wundervollen Nathalie Baye in den Hauptrollen. Die Geschichte um die 30-jährige Émilie, die ihrer Mutter zu neuer Lebenslust verhelfen will und dabei selbst fast die Chance auf die große Liebe verpasst, wartet mit viel Charme, Dialogwitz, tollen Darstellern und einem guten Tempo auf. Das war für den Ausklang der Veranstaltung genau die richtige Wahl.
Die Einkünfte aus dem Plakatverkauf kommen übrigens einem guten Zweck zugute. Am 10. März fand der zweite Kinoplakatflohmarkt statt. Im April folgt dann der dritte.
Infos: www.facebook.com/SchauburgDortmund
Tags: Schauburg
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