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Zukunftsweisend und vergangenheitsbewältigend: der Kabarettist Mathias Richling
Foto: Helmut Bertl

Parodien und Peinlichkeiten

Richling entschlüsselt Deutschland und Pastewka den Wahnsinn - Komikzentrum Ruhr 05/11

Ein langer schmaler Tisch dominiert die Bühne, an der die geladenen Gäste Platz nehmen werden: Leonardo da Vincis „Abendmahl“ stand Pate bei der Kulisse, in der Mathias Richling den „Richling Code“ entschlüsselt (11. Mai im Ebertbad/Oberhausen, 12. im RuhrCongres/Bochum). In der Mitte Angela Merkel als eine Art stumme Dienerin, der hin und wieder Leben eingehaucht wird. Um sie schart sich das Führungs-Personal der Republik, einer nach dem anderen taucht auf, Meinung trifft auf Gegenmeinung.

Als da wären Rainer Brüderle, seines Zeichens Wirtschaftsminister mit Hang zu geistigen Getränken, was Richling mit einem Glas Rotwein in der Hand andeutet. Außerdem erscheinen die Bildungsministerin Annette Schavan, die für Arbeit zuständige Ursula von der Leyen, Ronald Pofalla, Merkels Mädchen für alles im Kanzleramt und last but not least Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Der lümmelt in seiner bräsigen Art auf einem Stuhl und antwortet einem Journalisten, der ihn zu den Korruptionsvorwürfen und Vorteilsannahme befragt: „Da haben Sie aber ganz gehörig... was richtig verstanden“.

Wobei ein Besessener wie Richling sein Programm laufend aktualisiert. Da kann es vorkommen, dass er fünf Minuten vor Vorstellungsbeginn einen seiner parodierten Politiker rausschmeißt und durch einen anderen ersetzt. Das Besondere seiner Live-Vorstellungen besteht darin, dass er seine Figuren – einer Karikatur nicht unähnlich – ohne Maske auf die Bühne bringt, sie mit nur wenigen charakteristischen Gesten und entsprechender Mimik versieht. Auf diese Weise schafft er eine epische Distanz zu ihnen.

Ebenfalls im Ebertbad (am 5. Mai) zu begutachten: Matthias Deutschmann, der Kabarettist mit dem Cello. Nach einem Sabbatjahr ist er zurück auf den Kleinkunst-Bühnen der Nation und fragt sich: „Deutsche, wollt ihr ewig leben?“ – frei nach einem Zitat von Friedrich dem Großen. Die Antwort muss man schon selber herausfinden. Deutschmann ist einer von jenen Satirikern, die von den Zuschauern erwarten, dass sie ihre kleinen grauen Zellen in Bewegung setzen.

Leichter machen es sich da Bastian Pastewka & Michael Kessler an selber Stelle (am 8. Mai) mit ihrem neu gegründeten „Gernsehclub on tour“. Das Duo nimmt die Fernbedienung in die Hand und schon geht es los. Auf einer großen Leinwand werden Szenen aus den TV-Serien „Pastewka“ und „Switch Reloaded“ gezeigt. Unter dem Motto „Großes Gernsehen“ kommentieren sie ihre Lieblings-Nummern, erzählen von den Dreharbeiten und erlauben Einblicke hinter die Kulissen.

Auf die Frage, ob ihm all das, was da an Kalamitäten, Turbulenzen und Ärger zu sehen sei, tatsächlich passiert wäre, hat Pastewka eine lustige Antwort parat: „Nein, nicht alles! Nur die peinlichen Momente!“ Kessler wiederum lässt sein Privatleben außen vor, indem er bekannte Fernseh- und sonstige Nasen imitiert.

Wer – wie Johann König – „Total Bock auf Remmi Demmi“ hat, sollte sich am 26. Mai ins Ebertbad oder am 28. in den RuhrCongress begeben. Hier wird der „Witzeschmied mit Seitenhieb“ wunderbar schräge Geschichten über blinde Tauben, Ritalin-getränkte Kinder und mutige Feigen erzählen – mit seiner unnachahmlichen Kieks-Stimme. Ein Erlebnis – schwört hoch und heilig die über Tage lebende

ANNE NÜME

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