Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30

11.271 Beiträge zu
3.077 Filmen im Forum

„Das passt doch in eine Schublade“
Foto: Diana Küster

Never be regular

30. Mai 2012

Eine Schublade im Theater Unten - Theater Ruhr 06/12

Das Schubladendenken – wir kennen es alle. Und so sehr wir uns auch dagegen wehren, passiert es doch beinahe automatisch, dass wir unsere Mitmenschen nach Aussehen oder oberflächlichen Charakterzügen kategorisieren. Dick, dünn, schwarz, lesbisch, klein, frech, schüchtern – es gibt für jeden die passende Schublade; und wenn nicht, dann erfinden wir eine neue.

Mit diesem Thema haben sich 15 Menschen unter der Leitung von Kama Frankl auseinandergesetzt. In einer Kooperation des Jungen Schauspielhauses mit Junges Pottporus Herne entstand ein intergeneratives Tanzprojekt. Die meisten Teilnehmenden sind Jugendliche, aber auch ein 10jähriges Mädchen und eine 79jährige Frau haben sich der Frage gestellt: Wer bin ich?. Und in welche Schublade passe ich? Dabei schwingt nicht nur die Angst mit, in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man nicht möchte, sondern auch die Furcht, in keine zu passen, nirgends dazuzugehören.

Die Teilnehmer des Projekts versuchen, dieses Gefühl vor allem tänzerisch darzustellen. Es gibt den coolen Hip-Hopper, die Ballerina und die klassischen Tänzer. Auf einer Bühne, die voller Kartons steht, gibt jeder sein Bestes. Es wird dabei viel mit einfachen Bewegungen gearbeitet, keine komplizierten Choreographien, aber eindrucksvolle Bilder entstehen. Immer wieder gibt es den Schwarm, aus dem einer ausbricht, aus der Masse hervorsticht und plötzlich zum Individuum wird.

Zwischendurch werden Geschichten erzählt, von denen man für einen Moment glauben möchte, sie seien wahr. Man ertappt sich bei dem Gedanken, die Darsteller einzuordnen: Die alte Frau, die in ihrer Kindheit wegen ihrer roten Haare gehänselt wurde, hat bestimmt sehr gelitten. Das Mädchen, das nur wenige Sätze spricht, ist bestimmt sehr schüchtern ...

Es gibt nicht mehr viel, was uns wachrüttelt, heißt es an einer Stelle. Aber spätestens wenn ein vielleicht 13jähriges Mädchen sagt, es sei 78, ein blonder Junge, er habe braunes Haar, dann sind wir wieder wach. Und vielleicht bleiben wir es für eine Weile auch außerhalb des Theaters?

Auch wenn das so einfach wohl nicht ist – die Darstellenden hatten sichtlichen Spaß an dem, was sie machen, und dieser Funke ist schnell auf das Publikum übergesprungen.

„Das passt doch in eine Schublade“ I 26.5.18 Uhr I Theater Unten, Bochum I 0234 33 33 55 55


ALEXANDRA BRUNDIERS

Tags: Theater Unten

Lesen Sie dazu auch:

Das wirklich wahre Leben
„Kurze Interviews mit fiesen Männern“ in Bochum – Theater Ruhr 06/13

Wenn es auffällig provokant ist, dann akzeptiert man es bis heute nicht
Barbara Hauck inszeniert ihre Theaterversion von Kaurismäkis Film „Das Leben der Bohème“ in Bochum – Premiere 12/11

Fauler Zauber
„Das Leben der Bohème“ in Bochum - Theater Ruhr 07/12

Lohnt zu sterben
„norway.today“ im Bochumer Theater Unten – Theater Ruhr 01/12

Neue Kinofilme

Die Monster Uni

Theater Ruhr.