Ob diejenigen, die im gerade vergangenen Kulturhauptstadtjahr 2010 für gute Stimmung gesorgt haben, auch selbst etwas von dem Kuchen abbekommen haben, bleibt die große Frage. Doch wie wir sie kennen, die Kabarettisten und Comedians aus dem Pott: Sie werden‘s verschmerzen. So leicht bringt man die Menschen im Ruhrgebiet nämlich nicht aus der Fassung. Und schon gar nicht um ihren Humor. Der ist mal staubtrocken, mal pechschwarz – und immer schlagfertig.
Auch an großen noch kleinen Spielstätten fehlt es nicht im Revier. Ebenso wenig an Begeisterung für den Karneval. Seit 20 Jahren gibt es den Geierabend. Unter dem schönen Motto „Pott to go“ findet auf Zeche Zollern (Dortmund-Bövinghausen, 13. Januar bis 8. März) die alternative Sitzung statt – mit allem Drum und Dran, aber ohne „Taataa“-Tuschs und ähnliche traditionelle musikalische Umtriebe. Und das ist gut so. Denn die neun Schauspieler und fünf Musiker machen sich auf ihre eigene – originelle – Weise über den Ruhrie und seine Eigenarten her.
Sei es der Stimmungsprüfer namens Ernst Hubert Schmöll, die AWO-Oppas mit ihrer gesunden Wut im Bauch und ihren entsprechend anarchischen Aktivitäten, sei es die Schönheitskönigin mit all ihren Sorgen um Figur und Frisur oder die „Zwei vonne Südtribüne“, die uns die Welt erklären und wichtige Fragen beantworten, wie die, ob man noch einen nehmen darf oder nicht – hier werden wir umfassend informiert, unterhalten und zum Lachen gebracht. Zum Spaß an der Freud‘ kommt in diesem Jahr ein „Lookalike-Fotowettbewerb“ hinzu. Nach dem Motto: Was Präsident Roman Henri Marczewski seit Jahren macht, können andere auch. Dazu braucht es lediglich eine knallrote Kinderstrumpfhose – und fertig ist die Präsi-Imitation. Wobei die Veranstalter ausdrücklich betonen, dass der gestalterischen Freiheit keinerlei Grenzen gesetzt sind (bis zum 1. Februar an foto@geierabend.de schicken).
Aber nicht nur die „Eingeborenen“ fühlen sich im Revier wie zu Hause, auch Gäste wie der 1972 in Soest geborene und in Köln lebende Komiker Johann König sind willkommen. Ganz besonders, wenn sie „Total Bock auf Remmi Demmi“ haben, so der Titel seines aktuellen Programms, in dem er mehr als einen blinden Vogel abschießt (am 15.1. im Kulturzentrum Herne, am 26.1. im Ebertbad Oberhausen und am 28.1. im RuhrCongress Bochum). Mit seinen verstolperten, den zwischen den Lippen hervorgepressten Sätzen und der unnachahmlich stoischen Miene setzt er die Phantasie seiner Zuhörer frei. Sehr ulkig, wie er von banalen Beobachtungen berichtet und sie damit in den Rang von Sensationen erhebt.
Von sehr weit her kommt dagegen Der Familie Popolski: Angeblich aus Polen angereist ist der Clan aus sieben bis zehn Musikern, die mal wieder erstaunliche Enthüllungen im Gepäck haben. Nicht genug damit, dass sie die Musikgeschichte komplett umgeschrieben haben, in ihrem neuen Programm „From Zabrze with love“ rückt Pawel Popolski alias Achim Hagemann nun damit raus, dass der erste Mensch auf dem Mond ein Pole war, und „Der Pate“ eigentlich „Der Patek“ heißt und als Straßenfeger Karriere gemacht hat. Haben wir längst geahnt, nicht wahr? Wer die Fakten nachprüfen möchte, sollte sich am 22. Januar in die Niederrheinhalle in Wesel begeben. Dort treffen wir uns dann – darauf freut sich wie Bolle, Bob und Bernd Ihre stets über Tage lebende
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