Essen, 13.10. – Wie jeden Monat ludt die Essener Lichtburg in Kooperation mit dem Seniorenbeirat der Stadt Essen zum Seniorenkino ein. Zur Premiere der Tragikomödie „Dreiviertelmond“ drängten sich bei sonnigem Herbstwetter Zuschauer sowie Schaulustige vor dem Eingang der Lichtburg. Anlass war der Besuch des Hauptdarstellers Elmar Wepper und des Regisseurs Christian Zübert. In dem vollbesetzten Filmpalast begrüßte der Seniorenbeirat die Zuschauer – überwiegend 60plus, sehr herzlich, verkündete den Film und wies darauf hin, dass nach Filmende Gelegenheit sei, den beiden prominenten Gäste Fragen zu stellen. 94 Minuten lang ließ sich das Publikum von dem intensiven Spiel Weppers als griesgrämigen Taxifahrer und der kleinen, hartnäckigen Mercan Türkoglu mitnehmen und feierte dieses abschließend mit großem Applaus. Mit großem Applaus wurden auch Christian Zübert und Elmar Wepper bedacht, die sich nach dem Screening zusammen mit der Geschäftsführerin Marianne Menze die Ehre gaben.
Zweieinhalb Jahre brauchte es, damit Christian Züberts Film vom Script auf die Leinwand kam, teilweise unterbrochen von den Dreharbeiten zu dem Tatort „Nie wieder frei sein“, bei dem Zübert die Regie übernommen hatte. In den zweieinhalb Jahren herrschte unter Cast und Crew eine familiäre Stimmung, was nicht zuletzt an Mercan Türkoglu lag, für die sich das Publikum besonders interessierte: „Wie sind Sie denn auf die Kleine gekommen?“, „Wie alt ist sie eigentlich?“ und „Spricht die wirklich nur Türkisch?“ Für die Rolle der kleinen Hayat hätten sie unter 800 Bewerberinnenn gecastet. Es war für alle klar, dass die Erwartungen an die potentielle Schauspielerin sehr hoch sein würden, da mit ihr der Film steht oder fällt. Letztendlich habe man sich für ein Kind aus der Nachbarschaft entschieden, die Tochter einer Freundin einer Freundin. „Am Telefon sagte mir Mercan, dass sie fünf sei. Und ich dachte ‚Schade‘, da mit einer Fünfjährigen nur zwei Stunden am Tag gedreht werden darf. Es stellte sich dann heraus, dass sie doch älter war, dies immer nur sagte, um in der U-Bahn kein Tickt zahlen zu müssen“, erzählte Zübert als Anekdote. Man habe gegenseitig auf die eigenen Kinder aufgepasst, was zu einer sehr persönlichen Atmosphäre am Set führte, die alle sehr begrüßten. Mercan sprach zu der Zeit sehr gut Türkisch, da sie zuvor noch in der Türkei einen achtwöchigen Urlaub verbracht hatte. Mittlerweile könne sie aber kaum noch Türkisch sprechen.
Es ging aber auch nicht darum, ein Multi-Kulti-Ethno-Drama auf die Beine zu stellen, vielmehr sollte die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten und die Wandlung des Taxifahrers Hartmut herausgearbeitet werden, wobei die sprachlichen Hürden und die kulturellen Unterschiede sicherlich ein wichtiges Stilmittel spielten. Elmar Wepper und Christian Zübert kannten sich bereits aus der Kiffer-Komödie „Lammbock“, in der Wepper einen konservativen Spießer-Vater mimte. Zübert konnte sich als Schauspieler für die Rolle als Taxifahrer nur Wepper vorstellen, der sowohl Bodenständigkeit als auch Emotionalität auszustrahlen vermag. Wepper betonte, dass die Rolle sehr viel abverlangt hätte, um diese Wandlung, die, wie er bemerkte, sehr ungewöhnlich sei für Menschen fortgeschritten Alters, überzeugend darzustellen. Wie man es eigentlich als Schauspieler schaffe, auf Knopfdruck zu weinen, war die brennende Frage. Einige Schauspieler stellten Tränen tatsächlich technisch mit Glyzerin oder Menthol her, andere aber würden sich innerlich sehr stark emotionalisieren und auf die Traurigkeit konzentrieren. Dies sei sehr anstrengend, besonders da ab und an verschiedene Einstellungen vorgenommen werden müssten, antwortete Wepper. Generell aber habe ihm die Arbeit zu dem Film sehr viel Spaß bereitet. Auch Mercan sei mit viel Freude dabei gewesen, habe stolz sogar eigene Ideen mit eingebracht. Schlimm waren für sie wohl nur der tote Fisch, den sie berühren musste und die Schimpfwörter, die das Drehbuch ihr vorgeschrieben hatte. Bei letzterem tröstete sie sich damit, dass dies nur ihre Rolle wäre und nicht sie selbst als Person.
Die Erklärung des Titels „Dreiviertelmond“ war ursprünglich im Film vorgesehen, aber dann doch als unpassend herausgeschnitten. Die mathematische Erklärung brachte Christian Zübert auf Anfrage: ½ Mond (Morgenland) + 1 Mond (Abendland) = ¾ Mond (Hayat). Aber manchmal sei es ja doch ganz schön, wenn im Film nicht alles zu Tode erklärt, sondern nur geheimnisvoll angerissen würde.
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