Mit 24 Jahren gab Hannelore Hoger 1965 ihr Debüt vor der Kamera. Im Laufe der Jahrzehnte ist sie zu einer der beliebtesten und bekanntesten deutschsprachigen Schauspielerinnen aufgestiegen. Neben Rollen in Kinoklassikern wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ oder „Rossini“ kennt man sie insbesondere durch ihre Titelrolle in den rund dreißig „Bella Block“-Fernsehfilmen. Nun ist sie an der Seite einer internationalen Besetzung im aufwändigen Kinoepos „Henri 4“ in der Paraderolle als Königinmutter Katharina de Medici zu sehen.
trailer: Frau Hoger, bereiten Sie sich auf historische Figuren anders vor und lesen im Vorfeld Sachbücher oder Ähnliches?
Hannelore Hoger: Bis zu einem gewissen Grad wird das sicherlich jeder Schauspieler machen. Ich kannte auch die Romane von Heinrich Mann, auf denen der Film in erster Linie beruht. Aber die hatte ich vor Jahren gelesen, im Vorfeld der Dreharbeiten hatte ich keine Zeit, die noch einmal zu lesen. Ich hätte sie gerne noch einmal gelesen, denn es sind zwei großartige Romane, die es lohnen gelesen zu werden: „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“. Sie haben mich beim ersten Lesen damals sehr beeindruckt, und ich habe immer gedacht, wieso werden die eigentlich nicht verfilmt, damit man das auch noch einmal visuell präsentiert bekommt. Es gibt in den Büchern wunderbare Szenen, die sehr lebendig geschildert sind. Und Katharina de Medici ist darin einfach eine hinreißende Figur.
Warum, glauben Sie, ist die Verfilmung gerade jetzt zustande gekommen?
Das ist ja eine zeitlose Geschichte. Aus der Historie kann man lernen, wir sollten es auf jeden Fall versuchen. Trotzdem wiederholt sie sich immer wieder, zwar nicht genau auf die gleiche Weise, aber sie wiederholt sich. Auch heute sind wir wieder in einen Kulturkampf beziehungsweise in einen Krieg der Religionen verwickelt. Ein Ende ist auch nicht abzusehen.
Katharina de Medici wird als machtbewusste Frau gezeichnet, die böse und verschlagen wirkt …
Na ja, sie musste Macht ausüben, sie wurde in diese Situation hineingeboren, sie hat sich das nicht ausgesucht. Im Film sehen wir sie nur im letzten Drittel ihres Lebens. Sie war natürlich auch mal ein kleines Mädchen und später eine junge Frau. Aber sie wurde in eine Situation hineingeboren, die sie mehr oder weniger alleine meistern musste. Sie war nicht gelitten am französischen Hof, sie wurde von allen Seiten gedemütigt. Katharina war schon in frühester Kindheit eine Waise, weil ihre Eltern gestorben waren. Sie wurde dann im Kloster versteckt: Sie sollte als Pfand dienen. Dann sollte sie eine Prostituierte werden, damit sie als Thronerbin nicht mehr in Frage gekommen wäre. Sie musste viel einstecken, weil sie mit vierzehn Jahren verheiratet worden war. Diesen König hatte sie zuvor noch nie gesehen. Er hatte neben ihr eine Geliebte und mochte sie überhaupt nicht, obwohl sie ihn dann wirklich liebte. Als sie dann zwanzig war, musste sie ihm unbedingt Kinder gebären, sonst wäre die Ehe wieder auseinandergegangen. Sie hat dann nacheinander zehn Kinder geboren, durchaus belastete Kinder, denn deren Vater hatte mit ziemlicher Sicherheit Syphilis. Viele der Kinder sind ganz früh gestorben, sie hat fast alle von ihnen überlebt, die meisten von ihnen sind nicht viel älter als zwanzig oder dreißig Jahre geworden. Das ist natürlich nicht sehr lustig und prägt einen Menschen. Aber immerhin: Drei ihrer Söhne sind Könige von Frankreich geworden, und sie war dreißig Jahre lang Königin von Frankreich.
Wie war denn ihre politische Rolle in dieser Zeit?
Katharina war nicht die Giftmischerin, als die sie in der Literatur häufig dargestellt wird. Sie war eine große Politikerin, die absolut gegen den Krieg war. Die geschichtliche Situation hat sie sich ja auch nicht aussuchen können. Die Religionskriege waren schon im Gange, als sie geboren wurde. Damit musste sie dann fertig werden. Es ist ja nicht so, dass die Hugenotten besonders nette Leute waren. Das waren Schlächter, genauso wie die andere Seite – die haben Massaker angerichtet. Katharina wollte schlicht ihre Haut und den französischen Thron retten. Heute ist das mit den Politikern ja auch nicht anders. Wer einmal an der Macht ist, möchte diese so lange wie möglich ausüben und bloß nichts von seinen Kompetenzen aus der Hand geben.
Wie haben Sie diese komplexe Figur im Film denn umgesetzt?
Also, ich habe sie hintergründig angelegt. Sie ist ja eine unglaubliche Figur. Ich habe nicht nur Heinrich Mann gelesen, sondern auch historische Bücher, darunter einen unglaublichen Wälzer von Jean Orieux. Danach war mir klar, dass allein diese Figur einen ganzen Film wert ist, weil sie viel komplexer war, als man sie vielleicht kennt. Heinrich Mann hat sie wohl ein bisschen böser gesehen. Aber sie war durchaus auch eine Figur, die zwischen den Parteien vermittelte. Ich möchte nicht mit ihr tauschen müssen. Sie gilt als Engel und als Teufel.
In den letzten Jahren haben Sie in erster Linie Fernsehfilme gedreht. Wie war es nun, in einem solch großen internationalen Kinoprojekt dabei zu sein?
Eigentlich wie immer. Es war eine schöne Arbeit, die mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ich hoffe, dass der Film nun auch beim Publikum gut ankommt.
Er wurde in mehreren Sprachen gedreht. Führte das nicht zu Problemen während der Dreharbeiten?
Nein, das haben wir ja schon öfter gemacht. Dann spricht man Englisch und weiß ja, was in der Szene vor sich geht.
Aber gedreht wurde nicht komplett auf Englisch, sondern jeder Schauspieler hat in seiner Landessprache gesprochen … Ja, eben. Man spricht in verschiedenen Sprachen, weiß aber, was der andere gerade sagt. Es ist natürlich besser, wenn man alles einheitlich in einer Sprache spricht, aber so verfährt man mittlerweile eben bei europäischen Koproduktionen.
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