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Landet in seinem Program „FATIH unser“ im Himmel: der Kabarettist Fatih Cevikkollu
Foto: Presse

Glamouröse Ausflüge ins Jenseits

Diverse Bühnen im Revier bieten irdische Läuterungen - Komikzentrum Ruhr 09/11

Sie haben sich gesucht und gefunden – auf der Bühne und im Leben: der neuseeländische Comedian John Hudson, von dessen Improvisations-Talent ganze Heerscharen von Möchtegern-Spontis im Fernsehen profitiert haben und die mit allen kabarettistischen Wassern gewaschene Sonja Kling (Münchner Lach- und Schießgesellschaft). Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich das Paar ein Programm auf die ansehnlichen Körper geschneidert hat: „Glamour Impro Gaga“ klingt ein bisschen albern, ist es aber nicht. Weil die beiden wissen, was sie tun – und sagen. Ob beim Brötchen backen oder in gepflegtem Denglisch: Hudson/Kling sind unwiderstehliche Erfinder skurriler Bühnenfiguren wie wasserscheue Puffbesitzer oder an Shakespeare geschulte Hobby-Köche. Wer mit eigenen Augen sehen will, dass die Bühne mehr zu bieten hat als abgestandene Witze in der Glotze – im Duisburger Hundertmeister ist er richtig (25.9.)

Genau diesen Beweis hat seinerzeit auch Fatih Cevikkollu angetreten, nachdem er in 63 Folgen von „Alles Atze“ den Sidekick Murat mimen durfte – und mit Recht stolz darauf war, dass er die Drehbuchschreiber davon überzeugen konnte, in der Rolle des Büdchenbesitzers besser Deutsch zu sprechen als alle anderen Nasen um ihn herum. Das erklärte Anliegen des 1972 in einem katholischen Krankenhaus zu Köln geborenen Kabarettisten ist es denn auch, als eine Art „Selbstverständlichkeitsbeauftragter“ derjenigen aufzutreten, deren Familien irgendwann nach Deutschland eingewandert sind – und von den Fernsehschaffenden gerne als radebrechende Ausländer besetzt werden – in seinem Fall vorzugsweise mit einem Döner in der Hand und einem Schnurrbart im Gesicht.

Drei Solo-Programme hat der sympathische Kabarettist inzwischen gestemmt, zahlreiche Preise eingeheimst und ein Buch mit dem Titel „Der Moslem-TÜV“ geschrieben. In „FATIHunser – Erlösung leicht gemacht“ schlägt er (16.9. im Oberhausener Ebertbad und 24.9. in der Gelsenkirchener Kaue) den Bogen vom irdischen Jammertal bis hin zur Ewigkeit – und fragt sich, was passiert, wenn man im letzten aller Wartezimmer angekommen ist – beim lieben Gott nämlich, der sich vermutlich kaputt lacht über all die frommen Schäfchen, die seinen angeblichen Anweisungen auf Erden gefolgt sind. „Was ist besser: ein Leben voller Ekstase oder ein Dasein ohne jeden Reiz, damit es später mal besser wird?“ fragt sich Cevikkollu – und hat darauf eine Reihe von Antworten parat.

Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Mit den drei Mannsbildern von „Nordkvark“ gibt es in der Wittener WerkStadt (18.9.) d a s komödiantische Kleinod zu begutachten, nämlich die drei liebeskranken Lappländer Aki, Mika und Maki, die sich wortlos verstehen. Entscheidend für die funktionierende Kommunikation sind traurige Lieder, mit denen sie ihre Sehnsucht nach weiblicher Ergänzung artikulieren, während die Nächte lang und die Frauen rar sind – nur Fische gibt es offenbar genug.

Er ist einer der quirligsten Kabarettistin in deutschen Landen – oder sollte man Comedian sagen – egal: Philipp Weber wirbelt die Szene ganz schön durcheinander. In seinem „Honeymoon Massaker“ zerdeppert er nicht nur jede Menge angestaubtes Porzellan aus den Vorhöllen der Einfamilienreihenhaus-Idyllen, er setzt bei seinen Zuschauern auch die dringend notwendige Lust an einer geistigen Erneuerung frei. Nach dem Motto: „Bin ich wirklich bereit meiner sozialen Reproduktionspflicht nachzukommen?“ stellt er die wesentlichen Fragen rund um den bedrohten Fortbestand der Nation. Also: wer den pfiffigen Gedankengängen des in Amorbach aufgewachsenen Mittdreißigers folgen will, sollte sich am 2.9. ins Cabaret Queue in Dortmund-Hörde begeben – er wird es nicht bereuen. Schwört hoch und heilig Ihre stets über Tage lebende

ANNE NÜME

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