Mit dem Frühling wollen auch in diesem Jahr die musikalischen Feingeister wieder im Ruhrgebiet Einzug halten. Das 15. Klavier-Festival Ruhr lässt, so steht es im Untertitel, „Europas neue Metropole“ von den „Pianisten der Welt beflügeln“. Obgleich oder gerade weil die neue Metropole an vielen Ecken und Enden momentan alt aussieht und es ihrem großen Bruder, dem alten Kontinent, damit gleich tut, soll die Leichtigkeit eines Klaviermusik-Festivals hier andere Schlagzeilen setzen.
Für die Auftriebswirkung wagt man diesmal den programmatischen Spagat über den großen Teich. Amerikanische und französische Komponisten stehen im Vordergrund. So startet man am 5. Mai mit Maurice Ravels Konzert für Klavier und Orchester in G-Dur, gespielt von Jean-Yves Thibaudet mit den Bochumer Symphonikern unter der Leitung von Steven Sloane. George Gershwins „I Got Rhythm“-Variationen und Auszüge aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ runden die Premiere ab (5.5., Philharmonie Essen)
George Gershwin und Claude Debussy scheinen in diesem Jahr die Protagonisten zu sein. Gershwin schuf sowohl Opern wie Musicals, arrangierte amerikanische Standards neu und war origineller Impulsgeber für den Jazz. Eine Vielseitigkeit, die das Klavier-Fest mit fünf Konzerten huldigt, darunter auch eines mit dem George Gershwin Quartett, das die Werke des jung in Hollywood verstorbenen Komponisten gleich auf vier Flügeln präsentiert (16.5., Landschaftspark-Nord in Duisburg). Debussy hat mit Gershwin die Nähe zu neuen musikalischen Ufern gemein. Seine Ablehnung von Dur-Moll-Harmonien und die komplexe Melodik seiner Stücke brachten ihm aber dennoch hohe Anerkennung. Highlights zum französischen Komponisten sind das Konzert mit Alexej Gorlach, dem Preisträger des 60. Musikwettbewerbs der ARD (9.6. im HCC Dortmund) sowie mit Pierre-Laurent Aimard (5.7., Stadthalle Mülheim).
Neben Gershwin und Debussy werden auch zahlreiche Werke von Maurice Ravel (den bekannten Boléro hat man sich erspart) und John Cage interpretiert. Auf „Entdeckungsreise“ schickt die Zuschauer Christine Schornsheim mit ihrem Cembalo. Sie spielt Werke der französischen Barock-Musik und schließt damit den Kreis zu Debussy, der in seinen späteren Jahren immer wieder auf die deutliche Harmonik dieser Salon-Musik zurückgriff (2.6., Schloss Rheda, Rheda-Wiedenbrück).
Klavier-Festival Ruhr I 5.5.-14.7. 2012 I Verschiedene Orte
Ausführliches Programm unter:
www.klavierfestival.de
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