Das war mal ein Aufgebot: Jürgen Vogel, Joachim Król, Nicolette Krebitz, Wotan Wilke Möhring, Mathias Brandt, Hannelore Elsner und weitere Prominenz aus der Filmbranche liefen am Abend des 2. November ganz entspannt im Blitzlichtgewitter zahlreicher Fotografen und Kameraleute über den Roten Teppich vor dem Theater am Tanzbrunnen in Köln. Eingeladen hatte die Filmstiftung NRW anlässlich der Verleihung der jährlichen Prämien für engagierte Kinoprogramme mit Schwerpunkt auf deutsche und europäische Filme sowie Kinder- und Jugendfilme. Der Preis wird seit 1991 zungenbrecherisch als Jahresfilmprogrammprämie verliehen. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Geschäftsführerin der Filmstiftung, Petra Müller, war nun die Umbenennung des Preises in „Kinoprogrammpreis“. Müller hatte Anfang September die Nachfolge von Michael Schmid-Ospach angetreten, der die Filmstiftung neun Jahre lang geleitet hatte. Ihre Eröffnungsrede zur feierlichen Preisverleihung war ihr erster großer Auftritt vor der versammelten Filmkunstszene Nordrhein-Westfalens.
Für den Erhalt einer vielfältigen Kinolandschaft
Das Großereignis der Arthouse-Szene in NRW fand dieses Jahr erstmals in Köln statt. Dass an dem Abend nicht nur Ortsansässige wie Joachim Król, sondern auch Prominenz aus dem gesamten Bundesgebiet vertreten war, verdankt sich dem Konzept der Preisverleihung: Schauspieler, aber auch Regisseure wie Christoph Hochhäusler (er stellte seinen neuen Film „Unter dir die Stadt“ vor), Feo Aladag (ihr Film „Die Fremde“ ist nominiert als deutscher Beitrag für den Auslands-Oscar 2010) oder Wim Wenders, der zugleich mit dem Herbert-Strate-Preis für außerordentliche Verdienste um den deutschen Film geehrt wurde, bedankten sich mit ihrer Anwesenheit als Paten der Preisträger für das außerordentliche Engagement der Kinomacher. Denn mit ihrer Arbeit haben die Kinobetreiber einen großen Anteil am Erfolg der Filme. „Schließlich sind es die Kinos, die die Filme zum Publikum bringen – seien sie noch so sperrig und unter ökonomischer Perspektive riskant“, lobte auch Wenders in seiner Dankesrede für den Ehrenpreis die Arbeit der Kinomacher.
Um diese Arbeit und damit den Erhalt der hiesigen Filmkunstkultur zu unterstützen, vergab die Filmstiftung in diesem Jahr auf der von Schauspieler Franz Dinda („Die Wolke“, „Berlin ‘36“) kurzweilig und sympathisch moderierten Gala Preisgelder in Höhe von 384.000 Euro an 50 Kinos in 29 Städten in ganz Nordrhein-Westfalen. „Wir brauchen eine vielfältige Kinolandschaft, wenn wir ein vielfältiges Kinoprogramm haben wollen. Das schafft man nur, wenn die sogenannten Arthousekinos als Unternehmen erfolgreich arbeiten können“, begründet Petra Müller die Investition der Filmstiftung NRW, die bundesweit die höchste Fördersumme bereitstellt. Unter den ausgezeichneten Kinos waren wie bereits in den letzten Jahren wieder viele aus dem Raum Köln/Bonn. Hauptpreise erhielten in diesem Jahr Christian Schmalz vom OFF Broadway und Ulli Klinkertz von dem Kino in der Brotfabrik. Das Cinenova, das Metropolis und wiederum das Kino in der Brotfabrik wurden für ihre Nachwuchsförderung belohnt: Sie erhielten Prämien für ihre Jugend- und Kinderprogramme, denn die Cineasten von morgen kann man kaum früh genug mit der Leidenschaft für das Kino infizieren.
Eine gemeinsame Leidenschaft
Auch wer als Kinobetreiber arbeitet, muss in Angesicht der ökonomischen Umstände von ganzem Herzen dabei sein. „Die Kinobesitzer, über die wir hier reden, definieren sich über ihre Leidenschaft für den Film. Wie fast alle kleinen Unternehmen der Kreativwirtschaft sind sie inhaltlich motiviert und weniger ökonomisch“, weiß Petra Müller über die Branche zu berichten. „Und dann steht Konkurrenz nicht im Vordergrund, sondern eher das Bewusstsein einer gemeinsamen Aufgabe, Kooperation und Vernetzung. Ein breites Angebot an Filmen nutzt allen Kinos, ebenso wie eine lebendige Arthouse-Gemeinde bei den Kinogängern.“
Das Bild von einer freundschaftlich verbundenen Kinoszene, das Petra Müller zeichnet, spiegelt durchaus die Stimmung, die auf der die Preisverleihung abrundenden Feier in den Rheinterrassen herrschte. Die Laune in den Räumen des eleganten 50er Jahre-Baus war nach der Verteilung der Schecks sowieso bestens. Das Geld können die Preisträger für den laufenden Kinobetrieb oder Modernisierungsmaßnahmen gut gebrauchen, sie können es aber auch als Ansparung für die kommende Digitalisierung verwenden. Zwar gibt es ein Förderprogramm der Filmstiftung, das die Kinos bei der Umrüstung auf die digitale Technik unterstützt. So wurden jüngst das Metropolis und das Cinenova mit je 30.000 Euro gefördert. Flächendeckend kann die Filmstiftung das aber nicht leisten. Da ist „eine schnelle, bundesweite Lösung“ gefragt, „eine Einigung zwischen Verleihern, Kinobetreibern und Förderanstalten über die Finanzierung“, so Müller. Doch derlei Problematiken mussten beim feierlichen Ausklang der Gala hinten anstehen. An diesem Abend durfte man sich selbst feiern, während das Rheinpanorama im Hintergrund so manchem Film die Show hätte stehlen können.

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