
Conan
USA 2011, Laufzeit: 112 Min.
Regie: Marcus Nispel
Darsteller: Jason Momoa, Rachel Nichols, Stephen Lang, Rose McGowan, Said Taghmaoui, Ron Perlman
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Unfreiwillige Komödie
Bollwerk
„Conan“ von Marcus Nispel
Man ist sich ja nicht unbedingt sicher, ob man sich auf ein „Conan“-Remake freuen oder ob man davor Angst haben soll. Marcus Nispel macht beides möglich.
Sein Abenteuerfilm basiert auf den Erlebnissen des bekanntesten aller Fantasy-Barbaren, ersonnen 1932 von dem us-amerikanische Autor Robert E. Howard. Conan der Cimmerier: Ein intuitiv denkendes, wortkarg grobschlächtiges Muskelpaket. Die Rolle war Arnold Schwarzenegger 1982 wie auf den Leib geschrieben, Regisseur John Milius lieferte damals ein archaisch-brachiales, blutiges Schlachtengemälde. Trash, aber durchaus beseelt und mit ironischen Spitzen. Nun, knapp 30 Jahre später, wagt sich Genre-Remake-Spezialist Marcus Nispel („Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“, „Freitag der 13.“) noch einmal an den Stoff. Und scheitert damit auf allen Ebenen.
Sein Conan, performt von Model, Buddhist und „Baywatch“-Veteran Jason Momoa, kämpft sich, gebettet in CGI-Blut, Silikon-Brüsten und Pixel-Hokuspokus von einer Kampfarena zur nächsten. Dabei artikuliert sich der Protagonist fast ausschließlich über Imperative. Momoa gibt einen leidenschafts- und konturlosen Macho-Rüpel. Klar, Arnold Schwarzenegger ist auch kein Schauspieler. Aber Schwarzenegger ist immerhin ein Typ. Momoa ist kein Typ, er ist höchstens eine Pose – so wie der gesamte Film.
Die Story dümpelt verloren wirr und ironiefrei den Racheplot entlang: Conan jagt den Mörder seines Vaters, einen miesen Warlord (Stephen Lang), und dessen Hexen-Tochter (Rose McGowan). Die beiden streben die göttliche Regentschaft an und benötigen dafür eigentlich nur noch das Blut eines reinblütigen Tempelmädchens (Rachel Nichols). Für die Reise ziehen der finstere Vater und die giftige Tochter mit einem großen Schiff durchs Land, das die Geknechteten in bester „Fitzcarraldo“-Manier über Hügel, Fels und Steppe ziehen. Anders als bei „Fitzcarraldo“ fehlt hier allerdings die Motivation. Aber vielleicht ist es auch einfach nur praktisch, immer ein Schiff dabei zu haben.
Der Plot wartet mit vielerlei Eingebungen auf, die schlicht nicht nachvollziehbar sind. Story, Anschlüsse, Continuity unterliegen unbekümmerter Willkür, ziemlich nichts ergibt einen Sinn und schon gar keinen Spannungsbogen. Addiert man noch die Schmieren-Dialoge dazu, ist es schon nicht mehr weit zu den filmischen Computergame-Adaptionen eines Uwe Boll. Marcus Nispel hat Glück, vielleicht weil er im Gegensatz zu Boll noch frisch ist - denn er provoziert mit seinem bollesken Ansatz nicht zwingend fassungsloses Kopfschütteln, sondern, wenn es gut läuft, auch einmal ein sich steigerndes, irrsinniges Amüsement, das den Kinosaal in einen solidarisch kichernden bis hysterisch schallenden Darkroom verwandeln kann. Trash is back! Das ist Kino in seinem ursprünglichen Sinne: ein euphorisch geteiltes Gemeinschaftserlebnis. Man ist enttäuscht, aber man hatte Spaß. So geschehen in der Pressevorführung. Dafür einen Daumen hoch. Unfreiwillig.
Beide Daumen runter für die Qualität der 3D-Umsetzung. Anstatt die Bilder optisch zu schleifen, trübt schlecht inszenierte Dreidimensionalität das Seherlebnis mit Unschärfen, zieht Schlieren bei Schwenks und ist, je nach Stand der lokalen Kinotechnik, viel zu dunkel. Der Zuschauer zahlt dafür Zuschlag. Das hätte Conan nicht gewollt.
(Hartmut Ernst)

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