Uneindeutigkeit hat es schwer auf deutschen Dancefloors. Wo in anderen Ländern HipHop, House, Dub und Breakbeats in einem Maximum an Glücksgefühlen clashen, regiert hier der gerade, minimale Beat. Zumindest wenn es nicht Devotees wie das Köln-Düsseldorfer Duo Philipp Polschikov und Fabian Wolf, aka JTRP, und ihre Partyreihe „elek’tro:nik Mju:zik“ gäbe.
Begonnen hat alles vor fünf Jahren mit ein paar Parties in Aachen. Shadow Dancer (Boys Noize) und Feadz (Ed Banger) waren die ersten Gäste — viel hipper konnte man 2007 eigentlich nicht sein. „Eigentlich war es gar nicht so schwer, an die krassen Leute ranzukommen“, erinnert sich Philipp. „Man muss sie nur bezahlen.“ Das scheint geklappt zu haben. Aber der Fokus hat sich ein wenig verschoben. Heute legen auf der „elek’tro:nik Mju:zik“ überwiegend britische Bassmusik-Acts auf. So haben sich Freundschaften entwickelt, die auch schon mal einen Gig im Pariser Social Club mit sich bringen. „Da gibt es dann jemanden, der nur dafür zuständig ist, den DJs Getränke zu bringen“, erzählt Fabian. „Das ist schon krass.“ Aber die Gastfreundschaft der beiden Organisatoren hat Grenzen. „Wenn sich ein DJ wie ein Superstar aufführt, dann überlegen wir uns schon, ob wir den nochmal einladen“, meint Philipp.
Wobei ein DJ-Set von JTRP stilistisch nicht leicht einzuordnen ist. „Ich fange meistens mit langsamen Housetracks an und steigere mich dann“, beschreibt Fabian seinen Stil. „Philipp spielt eher schnellere Sachen, aber es ist eigentlich kein Problem, zusammen aufzulegen.“ Und so spielen sich die beiden auf ihren Sets durch eine eklektische Mischung aus Chicago House, UK Funky und diesem Niemandsland im Bereich von 130bpm, für das selbst seine britischen Urheber keinen Namen haben. Auf den als JTRP selbstproduzierten Tracks weicht diese Mischung allerdings einem sehr homogenen Stil. Die Drumpatterns erinnern an UK Funky, aber die Sounds sind aber düsterer: Die Snares klingen gedämpfter, die Synths weniger euphorisch. „Das passiert ganz natürlich“, beschreibt Philipp ihre Arbeitsweise. „Ich sitze am Rechner und suche die Sounds heraus, und Fabian kümmert sich um die technischen Details.“ Zwei EPs sind so entstanden, im Moment arbeiten sie an ihrem dritten Release für ein französisches Label.
Die Jobs – einer studiert Kommunikationsdesign, der andere arbeitet in einem Feinkostladen – können sie deshalb nicht an den Nagel hängen, im Gegenteil. Releases dienen nicht nur bei JTRP in erster Linie der Bewerbung von DJ-Gigs. Britische Producer horten z. B. ihre Tracks, damit sie besonders viele exklusive Stücke auflegen können. Das steigert den eigenen Marktwert, aber zeigt auch die Schnelllebigkeit des Dancefloors. Bis ein Stück den Weg auf Vinyl findet, ist es häufig schon in unzähligen Mixen bis zum Überdruss gespielt worden. Wobei nicht nur die Musik für JTRP den Reiz einer guten Party ausmacht. „Man könnte so viel machen“, meint Fabian. „Eine Party, bei der irgendwann Ballons vom Himmel fallen, die würde niemand vergessen.“
elek’tro:nik Mju:zik: www.facebook.com/pages/elektronik-mjuzik
Musik von JTRP: www.soundcloud.com/jtrp
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