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Es wird Herbst für Effi Briest
Foto: Diana Küster

Ein tödliches Duell für Nichts

„Effi Briest“ in den Bochumer Kammerspielen - Theater Ruhr 08/11

Es war noch nicht die Zeit für freie Liebe im Deutschen Kaiserreich Theodor Fontanes. Sein Roman „Effi Briest“ (eigentlich eine Fortsetzungsgeschichte) beschreibt das unglückliche Leben eines ziemlich naiven Menschenkindes, das aus Standesdünkel in Ehe und Unglück gestürzt wird. Eigentlich fragt man sich, was uns das filigrane Untertagsszenario heute eigentlich noch sagen will. Du sollst nicht ehebrechen? Die Suche nach dem Glück in der Ehe? Das sind ziemlich banale Gründe. „Man braucht nicht glücklich sein“, sagt Herr Baron von Innstetten im Stück, am allerwenigsten habe man einen Anspruch darauf. Das war es dann auch. Was passiert heute, wenn blutjunge Dinger mit feudalen Herren die Ehe wagen? Es entsteht der Lothar Matthäus-Effekt, man trifft sich in der Besenkammer oder das Lieblingsbunny hoppelt, wie bei Oberplayboygreis Hugh Hefner bereits vor dem Altargang davon. Das werden dann existenzielle Probleme für eine Vormittagsserie oder fürs Jugendamt.

Dabei hat Regisseurin Cilli Drexel die Geschichte von Effi, die hoch hinaus will, elegant erzählt, mit ihren überzeugenden Schauspielern keine Längen erzeugt beim fröhlichen Weg vom Schaukelpferd in die Gruft. Im effizienten Bühnenbild, preiswert aber wirkungsvoll, spult sich das Leben derer von Briest und derer von Innstetten zwischen Provinz und Hauptstadt ab. Er ist Mitte 30 (also kein Heesters-Typ), hat die 17jährige geheiratet und sich damit ein „normales“ Generationsproblem ins Haus geholt. Er will Karriere machen, sie will hoch hinaus, nur die Liebe bleibt ein wenig auf der Strecke. Das nutzt der schicke Major, aber er zahlt auch freiwillig einen hohen Preis dafür. Nadja Robiné als wandlungsfähige Effi eher unfreiwillig. Als vom zentralen Baumgemälde (bei Fontane sind das Platanen) die Papierblätter fallen, stellt von Innstetten den Betrug fest, danach geht es bei Cilli Drexel ziemlich schnell. Scheidung, Verlust des Sorgerecht, Krankheit, Siechtum, Tod. Der gehörnte Beamtenadlige steht ziemlich blöd da mit seiner Ehre. Ein kleines Maskenintermezzo folgt, die Mimik erstarrt. Die Zeiten waren eben so. Heute sind sie anders, oder besser: anders unglücklich.

„Effi Briest“ von Theordor Fontane I R: Cilli Drexel I Kammerspiele Bochum
Vorerst keine weiteren Termine I 0234 33 33 55 55

PETER ORTMANN

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