Das Paket kommt wie eine schlummernde Bombe ins Haus. Susan Morrow erhält es an einem Herbstmorgen von Edward, ihrem Ex-Ehemann, es enthält dessen neuen Roman. Zunächst lässt Susan das Manuskript einige Wochen liegen, dann beginnt sie zu lesen. Und wie von einer unsichtbaren Hand gepackt, wird sie in die Geschichte um Tony Hastings, des Universitätsdozenten, der mit seiner Familie in die Ferien fahren will, hineingezogen.
„Tony & Susan“ nannte Austin Wright seinen Roman. Schon der Titel weist den Weg, der Susan, die Leserin, mit Tony, dem Protagonisten des Manuskripts verbindet. Der in New York geborene Austin Wright gehörte in der englischsprachigen Literatur zu den festen Größen, als er 2003 im Alter von achtzig Jahren starb. Sein Roman erschien 1993 und löste unter seinen Kollegen einen Sturm der Begeisterung aus. Von Saul Bellow über Ian McEwan, Ruth Rendell bis zu Donna Leon verschlug es den Stars der Literaturszene die Sprache. Tatsächlich packt einen beim Lesen schnell das gleiche Fieber wie Susan, die Tonys Schicksal voller dunkler Vorahnungen folgt. Der Hochschullehrer sitzt mit Frau und Tochter im Auto Richtung Maine, wo die Familie ein Sommerhaus beziehen will, als die drei von einem Auto abgedrängt werden. Ein paar Rowdies beginnen einen Streit mit ihnen, es kommt zu Handgreiflichkeiten, Tony wird von Frau und Tochter getrennt und die Männer brausen mit den beiden Frauen auf und davon.
Tony hat sich einschüchtern lassen, er ist ein Mann des Geistes und der Vernunft. Von der Gewaltbereitschaft der Fremden fürchtet er sich, er handelt zu unentschlossen und lässt sich das Wichtigste in seinem Leben wegnehmen. Nun beginnt eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Der Roman wechselt die Perspektiven. Wir erfahren von Susan, dem Scheitern ihrer Ehe mit Edward, den Ereignissen, die sie ihrem zweiten Mann Arnold in die Arme führte, einem Arzt, mit dem sie drei Kinder hat und der gerade eine Affäre mit seiner Assistentin unterhält. Liebe und Sex spielen eine wichtige Rolle im Blick auf die Entwicklung von Susan und Tony. Beide sind sie klug und ängstlich, lassen sich einschüchtern, dominieren und vergessen darüber ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Die Parallelen zwischen beiden bleiben dezent, werden untergründig aber mit aller Konsequenz von Austin Wright gelegt. Er wechselt geschickt zwischen der dramatischen Kriminalgeschichte und der Beziehungsgeschichte von Susan. Eine kühne Konstruktion, die jedoch nie Zweifel aufkommen lässt, weil Wright sein Sujet absolut beherrscht. Ein unglaublich souveräner Erzähler ist hier am Werk. Stets will man wissen, wie sich die Geschichte fortsetzt und die Spannung der Kriminalstory wird zusehends abgelöst von der Dramatik der psychologischen Entwicklung seiner Figuren. Wright erweist sich als Menschenkenner und als brillanter Analytiker der Ehe, wie sie sich in unseren Tagen darstellt. Dass der Roman schon zwanzig Jahre auf dem Buckel hat, wird keine Sekunde spürbar. Im Gegenteil, mit jeder Seite, die man umschlägt, steigt die Freude darüber, dass dieses düstere Juwel nun auch deutschen Lesern zugänglich ist.
Austin Wright: Tony & Susan. Deutsch von Sabine Roth. Luchterhand Literaturverlag, 414 S., 19,99 €
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Appetithappen
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Paare, denen die Liebe versiegt
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Die Rückkehr der Poeten-Meister
Die Lesebühne LMBN gastierte zum zweiten Mal im Dortmunder Stadion – Literatur 08/12
„Lebendig, intensiv und unkonventionell“
Die zweite Libertäre Medienmesse im Bahnhof Langendreer - Literatur 08/12
Vom Heldentod über Jazz zum Liebestaumel
Der Essener Autor Stefan Sprang beleuchtet die Liebe im 21. Jahrhundert – Literatur-Portrait 08/12
Lesewetter
Wortwahl 08/12
Psychedelische Alpträume
ComicKultur 08/12
„Unterhaltung ist wichtig“
Ape & Feuerstein über Prinzipien, Auftrittsverbote und geänderte Sichtweisen – Literatur 07/12
Kleine und große Highlights am Samstag
Open-Air-Poetry-Slam und Ape & Feuerstein sorgten für regen Andrang vor der trailer-Wortschatzbühne – Literatur 07/12
Von wahnsinnigen Genies und Black Metal
Humor und philosophische Fragen auf der trailer Wortschatzbühne – Literatur 07/12
Zwischen Bier, Lyric und Tom Waits
Matthias Reuter lud ins Oberhausener Falstaff zum Bier- und Leseabend – Literatur 07/12
Eintauchen in den Kosmos losgelassener Hirnwelten
Auf der trailer-Wortschatzbühne wird Kleinkunst groß geschrieben - Literatur 07/12
Freiluft-Wortakrobatik
Poetry-Slam bei Bochum Total: trailer stellt die HeldInnen des Wortes vor – Literatur 07/12
Der Geschmack von geröstetem Brot
James Joyce früher Roman wieder verfügbar - Literatur 07/12
„Lustige Texte sind eine Form von Selbstschutz“
Jan Philipp Zymny, 19, beim großen Poetry Slam-Abend am 7.7. auf der Wortschatzbühne von Bochum Total - Bochum Total Interview 2012
Noir-Krimi in Farbe
ComicKultur 07/12
Namhafte Begleiter
Wortwahl 07/12
Erotisches Knistern in der Vorstadt
Christos Tsiolkas Gesellschaftsroman um eine Ohrfeige und ihre ungeahnten Folgen – Literatur 05/12
Fifty/Fifty
Der Dortmunder Mirko Kussin beleuchtet gemeinsam mit Tobias Wimbauer 100 Dinge des Alltags - Portrait 06/12
Irrealer Alltag
ComicKultur 06/12
Lebendige Fiktion
Wortwahl 06/12
Konflikt-Comics
ComicKultur 05/12
Life's a Bitch
Wortwahl 05/12
Im Innern des Verbrechens
Kriminalromane ohne Ermittler - Textwelten 04/12
Braindead
Wortwahl 04/12
Hitler in der Zeitmaschine
ComicKultur 04/12
Leichte Beats, schöne Texte
Leif Randt bei WDR 3 open: WortLaut live
Wortgewandt, witzig, weise – aber wahr?
„Club der lebenden Dichter“ im Bochumer Freibeuter – Literatur 02/12
Mörderisches Paar aus Hattingen
Sarah Wedler und Nadine d’Arachart lassen in Wien morden und drucken - Literatur-Portrait 03/12
Ententhusiasmiert
Wortwahl 03/12
Privatheit für alle
ComicKultur 03/12
Auf unsicherem Grund tanzt es sich am ausgelassensten
Druckstellen-Wettbewerb rückt das Revier in den literarischen Fokus – Literatur-Portrait 02/12
In bester Erinnerung
Wortwahl 02/12
Umfassendes Sittenportrait
ComicKultur 02/12
Christmas Hotel
Wortwahl 01/12
Ein Buch der Freude
Drei großartige Berichte über den Tod – Textwelten 01/12
Aufgebrochener Erzählfluss
ComicKultur 01/12
Maisblüte an der Ruhr
Die Slam-Poetin Xóchil A. Schütz begeistert mit einem Roman und vertonten Gedichten – Literatur-Portrait 01/12
Eine Reise ins Land der Zwerge
Finn-Ole Heinrich liest aus seinem Buch „Frerk, du Zwerg“ – Literatur 12/11
Kampf zwischen Leben und Tod
Dead or Alive Slam am Bochumer Schauspielhaus - Literatur 12/11
Vom Beckenrand zum Literaturpreis
Fritz Eckenga mit dem Literaturpreis Ruhr 2011 ausgezeichnet – Literatur-Portrait 12/11
Save me a place
Wortwahl 12/11
Schwebend Comics lesen
ComicKultur 12/11
Nervendes Genie
Wege zu Kleist im Jahr seines 200. Todestages – Textwelten 11/11
Über Leben
Wortwahl 11/11
Kunst der Abschweifung
ComicKultur 11/11
Mach den Mond zur Sonne
Der ehemalige Türsteher Nuran David Calis über Theater und seinen Debütroman – Literatur-Portrait 11/11
Rosinen aus dem Kuchen
Die lit.Cologne rückt Köln näher an Frankfurt heran – Textwelten 10/11
Kalligraphie und Zeichnung
ComicKultur 10/11
Bodenlos?
Wortwahl 10/11
Ein Medium für Jung und Alt
Das dreitägige Poetry Slam-Festival „Slam 20.50“ in den Herner Flottmann-Hallen – Literatur 09/11
Eine zerfressene Landschaft im Schuber
Das „Historische Lesebuch Ruhrgebiet“ von Klaus Tenfelde und Thomas Urban – RuhrLit 09/11
Krank?
Wortwahl 09/11
Visuelle Erzählkraft
ComicKultur 09/11
Jesus ans Kreuz igeln
Andy Strauß und Artur Fast präsentierten ihr Drogenbilderbuch „Der kleine Junkie Nimmerplatt“ – Literatur 08/11
Egoshooter
Wortwahl 08/11
Zittriger Fluss
ComicKultur 08/11
Kein Schwächeln auf den letzten Metern
Die letzte halbe Stunde des 6 ½ Stunden-Slam-Marathons zur ExtraSchicht – Literatur 07/11
Poeten-Meister in schwarz-gelb
Die Lesebühne LMBN war zu Gast bei der Reihe „Kino im Stadion“ im Dortmunder Fußballtempel – Literatur 07/11
Ein Mikrofon ist nicht nur zum Singen da
Die trailer-Wortschatzbühne bei Bochum Total präsentiert einen bunten Querschnitt an Sprach- und Wortkünstlern - Literatur 07/11
Sympathy for the Greek
Wortwahl 07/11
Magische Räume
ComicKultur 07/11
Opferlamm trotz Zahl im Namen
Im Bochumer Melchanthonsaal kürte Sebastian 23 beim U20-Slam die Stadtmeisterin - Literatur 06/11
Die "Fist of Emotion" trifft ins Schwarze
Zwei Tage, zwei Poetry-Bühnen: Vom Wettstreit befreit, stellten Poeten in der Dortmunder Hafenliebe und der Bochumer Chrom Galerie ihre Texte vor - Literatur 06/11
Der Hirsch als Muse
Die dritte Heftpremiere der Gegenwartsliteraturzeitschrift „Richtungsding“ im Mülheimer Ringlokschuppen gab Einblicke in unbeschwerte Prosa und moderne Lyrik – Literatur 06/11
Wenn der Vorhang fällt
Wortwahl 06/11
Vom Mord zum Mops
Die Bochumer Autorin Edda Minck ist auf den Hund gekommen - Literatur-Portrait 06/11
Wirklichkeit und Wahn
ComicKultur 06/11
Surreale Landkarten
ComicKultur 05/11
Liebeslust
Wortwahl 05/11
Woanders
Wortwahl 04/11
Comic-Cameo
ComicKultur 04/11
lit. Carneval
Wortwahl 03/11
Schwirrende Farbstrudel
ComicKultur 03/11
In Stroboskopgewittern
Junger Junger Oberhausener schreibt sich durch die Rave-Landschaft des Reviers - Literatur-Portrait 02/11
I like America
Wortwahl 02/11
Literaturwunder Ruhr
Eine Tagung über den Strukturwandel zwischen Buchdeckeln - Literatur-Portrait 01/11
Galoppierender Irrsinn
ComicKultur 01/11
„Freiwillig aufhören ist fast unmöglich“
Literaturpreis Ruhrgebiet 2010 an Norbert Wehr und sein „Schreibheft“ - Literatur-Portrait 12/10
Ein Herz fürs Genre
ComicKultur 12/10
Argentinische Nachlese
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Philosophie ins Licht gerückt
Lesungs- und Vortragsreihe des Literaturbüros Ruhr denkt weiter - Literatur-Portrait 11/10
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Macondos feines Gespür für Literatur
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Die verlorene Tochter?
Marion Poschmann blickt von außen auf das Ruhrgebiet - Literatur- Porträt 06/10
Heidenspaß
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Gebrochene Tage
Christoph Wenzel beweist, dass Heimatdichtung modern sein kann - Literatur-Portrait 04/10
Peter Pan unter den Rädern
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Frank Goosens neues Buch "Radio Heimat" ist auch eine Liebeserklärung an das Ruhrgebiet - Literatur-Portrait 01/10
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Die Autorin, Tänzerin und Regisseurin Judith Kuckart erhält den Literaturpreis Ruhr 2009 - Literatur-Portrait 12/09
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Oder: Von Zweien, die auszogen, das Schreiben zu lernen - Literatur-Portrait 08/09
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