Auf einem Baum ein Kuckuck
sim saladim bamba saladu saladim
auf einem Baum ein Kuckuck saß.
Da kam ein junger Jägersmann
der schoss den armen Kuckuck tot.
Und als ein Jahr vergangen war,
da war der Kuckuck wieder da.
Da freuten sich die Leute sehr.
(frei aus dem Bergischen)
Mit knirschendem Geräusch fährt die Grabegabel in den feuchten Kulturboden. Aus dem Klumpen Erde flüchten kerngesunde Regenwürmer, kurz bevor dieser wieder klatschend in der kleinen Grube landet. Der beste Weg zur Gesundheit soll der Gang in den Garten sein. Nach zehn Quadratmetern Landarbeit bin ich mir da nicht mehr so sicher. „Ist doch besser als Muckibude“ brüllt der freundliche Nachbar von gegenüber, er köpft gerade seine boshaften Grashalme mit einem dröhnenden Benzinmonster, das es wohl bei einem Handyvertrag dazu gegeben hat. Denn nicht nur die Ökobilanz ist offensichtlich niederschmetternd, einen Hals-, Nasen- und Ohrenarzt wird es auch einmal freuen.
Mein Feld für den Anbau herrlicher deutscher Kulturgüter wie Pastinake, Topinambur oder Schalotten sieht bereits ganz ordentlich aus, Zeit für ein Fläschchen Gesundheit aus der Brauerei und einen Stängel Tod aus dem Automaten. „Schon gedüngt?“, der Nachbar brüllt immer noch, obwohl sich Qualm und Dröhnung längst verzogen haben. „Aber kein Kunstdünger!“ signalisiert er wissend. „Der ist schließlich nicht biologisch“ klärt er mich auf, während er aus einem Kanister literweise Superbenzin in seinen asiatischen Rasenmäher kippt. Das Wort Kunstdünger aus berufenem Munde hat eine besondere Wirkung auf mich trotz all dem Übermaß an frischer Luft – oder gerade deswegen? In den letzten Jahren hatten es heimische Kulturpflanzen im Ruhrgebiet schon nicht leicht, wenig Wasser, wenig Pflege, mehr schlecht als recht behaupteten sie sich gegen eingewanderte Blendergewächse, die jede Nahrung erst einmal für sich beanspruchten.
Kunst selbst braucht Dünger eigentlich nicht. Aber ganz bestimmt die Region, in der sie noch zwei Jahre wirken darf. Schon jetzt krächzt Es bereits hinter jeder Kommune und flüstert düster durch Nacht und Wind. Es fliegen die Modelle der Kulturförderung im Ruhrgebiet vorbei wie wilde schwarze Krähen, doch das sind nur die Totenvögel, die das wohl unvermeintliche Ende nach den zwei Jahren ankündigen. Es sei denn, heimischer Kunst und Kultur wird mit ernstgemeinter Anerkennung zum Überleben verholfen. Und nicht nur das. Zusätzlich muss das Gesetz des Schwächeren gelten, die starken Pflanzen sollen sich selber helfen, sie überstehen so machen Frost, zwar nicht unbeschadet, aber wenigstens mit frischen Trieben nach dem Unwetter. Die Abgestorbenen kommen immer auf den Kompost. Und mit ihrer gespeicherten Energie würden dann auch noch die Kräftigen gedüngt. Welch ein Hohn wäre das. Ich gehe jetzt erst einmal Hornspäne kaufen.

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