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„Schöne Tage“
Foto: Thomas Aurin

Draußen vor der europäischen Tür

Das Theater Oberhausen macht sich ein paar „Schöne Tage“ – Theater an der Ruhr 02/12

Nun hat es ihn also doch erwischt, unseren ouzoseligen Nachbarn. Griechenland ist raus aus der EU und mit ihm noch ein paar andere B-Rating-Kandidaten. Europa ist geteilt, was aber nur zur Folge hat, dass die Ausgeschlossenen nun wieder rein wollen ins kapitalistisch gelobte Land. Kornél Mundruczó entwirft in seinem Theaterabend „Schöne Tage“ am Theater Oberhausen ein Zukunftsszenario mit Deutschland als closed shop der Saturierten, an dessen fest verschlossenen Toren die griechischen Bittsteller rütteln.

Die Vorlage dazu stammt aus Mundruczós Spielfilm „Pleasant Days“, der – angelehnt an Gerhart Hauptmanns Drama „Die Ratten“ – die Geschichte von der verzweifelten Maja erzählt, die ein Kind zur Welt bringt und es an die Wäscherin Maria verkauft; deren Bruder Peter beobachtet die Transaktion, verliebt sich in die junge Mutter, die allerdings mit einer Art Sugar Daddy zusammenlebt. Als Maria ihr Kind zurückhaben will, sieht Peter die Chance, mit ihr zu fliehen: natürlich zur Akropolis, wohin sonst. Mundruczó verlegt das Geschehen in ein umzäuntes Auffanglager der Gestrandeten, das irgendwann einmal ein Fußballplatz war und nun ein Schrottplatz ist. Ein Autowrack, Waschmaschinen, Sofagarnituren, Klamotten, alte Reifen (Ausstattung: Márton Ágh) dienen als Staffage, zwischen der sich die Gestrandeten ihr Leben eingerichtet haben.

Die Maria der Anja Schweizer ist eine etwas verhärmte, nicht mehr ganz junge Frau, die in dem kleinen Kind in doppeltem Sinn eine Zukunftsperspektive sieht: Familie gründen und eine Aufenthaltserlaubnis bekommen. Ihr Mann Josef (Torsten Bauer) nimmt das Blag trottelig und gerne an. Der gerade aus dem Knast entlassene Peter (Sergej Lubic) läuft wie ein Adrenalinjunkie umher, giert nach Maja und ist ständig auf der Hut vor Außerirdischen, die er überall wahrzunehmen glaubt. Ein Nervenwrack, das schnell mit dem aufgeschäumten Schrottplatzpaten (Michael Witte) aneinandergerät, dem prügelnden Beschäler von Maja, die Nora Buzalka als eine widerwillige Carmen des Auffanglagers spielt.

Was im Film noch einen atmosphärischen Reiz haben mag, wird auf der Bühne zum dramaturgischen Gerippe: die Story dünn, die Figuren blass. Mundruczó hat deshalb das Ganze mit ein paar Songs von Pink Floyd bis zu den White Stripes zur „proletarischen Operette“ (Arrangement: János Szemenyei) aufgemotzt, die dann die Handlung allerdings noch mehr dehnen. Außerdem wird ruppig agiert, sozusagen auf der Stufe vor dem Unbehagen in der Kultur (und zum Teil auf eine Leinwand übertragen): Die Männer prügeln, auch Frauen, die wiederum werfen sich gerne in Weibchenpose und reden nackt unter der Dusche über Intimrasur. Die Regie generiert so einen doppelten Voyeurismus. Die Figuren starren begehrlich durch den Zaun ins Publikum, das sich wiederum am triebhaft gepushten Leben der Jammergestalten aufreizen darf. Doch letztlich sind diese „Schönen Tage“ weder Milieustudie, noch Trashmusical, noch Schrottplatz-Liebesdrama oder ironiesatte Elendsstudie – sondern einfach nur ein mäßiger Theaterabend.

„Schöne Tage“ | R: Kornél Mundruczó | Theater Oberhausen | 3.2., 19.30 Uhr, 19.2., 18 Uhr | 0201 857 81 84

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

Tags: Theater Oberhausen

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