Franz-Josef Overbeck ist nun Bischof geworden. War er zwar schon, und zwar unser Ruhrbischof. Aber im vergangenen Monat ist er nun auch in das Amt des Militärbischofs eingeführt worden. Was immer das unter katholischen Bischöfen heißen mag. Nun wird also Overbeck unsere olivgrünen Jungs auch im fernen Afghanistan glaubenstechnisch betreuen. Wird er dabei zornig auf die Soldaten reagieren, wenn sie sich mal versehentlich wegen eines Tötungsdeliktes im Kampfeinsatz freuen? Unsere Kanzlerin wurde ja wegen ihres spontanen Beifalls nach Bekanntwerden des Todes von Bin Laden von ihm gescholten. Und wird Overbeck nun gar nach Kundus reisen und seinen Schäfchen das fünfte Gebot lehren? Dann könnte er ihnen, so wie es dort zurzeit zugeht, gleich beim Kofferpacken helfen. Nicht töten zu dürfen ist in dem von 30 Jahren Krieg gezeichneten Land ein schwer einzuhaltender Vorsatz. Vielleicht aber hatte Moses damals einfach alles falsch verstanden. Im hohen Alter ist man schon mal schwerhörig. Richtig muss es natürlich heißen: „Du sollst nicht immer töten“.
Vielleicht muss Overbeck aber gar nicht weg. In Zeiten des Internets könnte er ja die Online-Beichte etablieren. Die Sünden werden im Beichtstuhl mittels Tastatur eingegeben und Overbeck muss nur noch auf „Gefällt mir“ oder „Gefällt mir nicht“ klicken. Die Vorteile liegen auf der Hand: weniger Reisekosten, weniger Gefahr für den Geistlichen. In allen anderen gesellschaftlichen Bereichen regiert doch inzwischen auch die digitale Informationsübermittlung. So hat trailer sich das Thema NETZ(RE)PUBLIK für den Juni vorgenommen. Wie geht es den klassischen Massenmedien in Zeiten der sogenannten sozialen Netzwerke? Auch Musiker leiden an der schönen neuen digitalen Welt. Darum gibt es immer mehr Live-Konzerte, die einfach unkopierbar sind, erklärt der Konzertveranstalter FRED HANDWERKER im ÜBERTAGE-Interview. Unkopierbar ist bekanntlich alles, was auf der Bühne stattfindet. Das NRW-Theaterfestival IMPULSE zeigt unter anderem Punk, Bollywood und Westernstiefel. Warum? Das erklärt Festivalleiter TOM STROMBERG. Musikalisch wird endgültig die Freiluftsaison eröffnet. TRAUMZEIT findet wie jedes Jahr in Deutschlands größter Rostlaube, dem Landschaftspark Duisburg Nord statt. Zudem wird ORANGE BLOSSOM in Beverungen, JUICY BEATS in Dortmund und OPEN SOURCE in der Landeshauptstadt gepriesen. Wie Tiere im Zoo werden Künstler in der VON DER HEYDT-KUNSTHALLE WUPPERTAL-BARMEN ausgestellt. Street-Artisten dürfen dort statt S-Bahn-Waggons Leinwände besprühen. trailer traf den Kurator der Ausstellung RIK REINKING.
Im Kino wird es in diesem Monat tragisch. DIE FRAU DIE SINGT erzählt eine bizarre Familiengeschichte. Warum will eine alte Frau nackt, ohne Sarg und auf dem Bauch liegend, begraben werden? Warum schickt sie ihre Kinder in ihre alte Heimat Libanon? Wen finden diese dort? Antworten auf diese Fragen gibt es nur im Kino. Dies gilt auch für einen sommerlichen Juni. Amen.
Eine Frage des Niveaus
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