Es ist wirklich nicht so, dass wir hier bei der “Ballspiel”-Kolumne nur darauf warten, dass der 1.FC Köln mal wieder Anlass zum Spott liefert. Wenn er allerdings solche Vorlagen wie in den letzten Wochen gibt, bleibt nichts anderes übrig als zu vollstrecken. Ja, man sollte ihm regelrecht dankbar dafür sein, dass er es einem erspart, sonntagmittags den „Doppelpass“ auf Sport1 einschalten und auf mögliche neue peinliche Entgleisungen Marke Waldemar Hartmann (dem Manfred Breuckmann dafür in einem Artikel den verdienten verbalen Tritt verpasst hat) lauern zu müssen.
Also aufs Neue zum FC: Nach nur zehn Spieltagen bereits vier Niederlagen mit drei und mehr Toren Unterschied, dazwischen immerhin ein 4:1-Auswärtssieg beim (Vize-)Meisterschaftsanwärter und Lokalrivalen Bayer Leverkusen. An den vergangenen vier Spieltagen lauteten die Ergebnisse der Reihe nach 2:0, 0:3, 2:0 und 0:5 – wenn es noch eine Südkurve im Stadion gäbe, müsste man sie in Sinuskurve umbenennen.
Hat man seit Saisonbeginn aufmerksam die verschiedenen FC-Fanforen im Internet studiert, fällt auf, dass die schwankende Formkurve der Mannschaft offenbar nur unter Zuhilfenahme intensiver Kölsch-Einflößungen zu ertragen ist. Insbesondere nach der 1:5-Niederlage in Schalke, dem 4:3 in Hamburg (erster Saisonsieg) und dem 4:1-Triumph bei den „Pillen“, durch den Köln zum ersten Mal seit langer Zeit in der Tabelle wieder einmal vor Bayer Leverkusen lag, stieg die Zahl der Forumsbeiträge signifikant an, deren Verfasser/innen ankündigten, sich nun gleich erst einmal „die Kante zu geben“ beziehungsweise einen feuchtfröhlichen Zug durch die Gemeinde zu genehmigen.
Unentschieden hingegen verträgt der Kölner überhaupt nicht, da kann er nicht trinken. Wenn die Fanforum-Analyse als Indikator taugt, muss das 1:1 gegen Kaiserslautern für die Kneipenwirte, Kioske und Tankstellen im Rheinland der bislang umsatzschwächste Spieltag gewesen sein.
Um aus dieser unbefriedigenden eine „Win-Win-Win“-Situation zu machen, bietet sich eine einfache Lösung an: Der 1.FC Köln schließt mit allen Kölsch-Brauereien einen leistungsbezogenen Sponsorenvertrag mit Umsatzbeteiligung ab, der Unentscheiden ausschließt und die Mannschaft dazu verpflichtet, im Falle einer sich abzeichnenden Niederlage richtig schlecht zu spielen und entsprechend hoch zu verlieren. Denn dann fließt das (Frust-)Bier in Strömen, und alle haben etwas davon: Bei Brauern und Wirten steigen die Umsätze, beim FC die Sponsoreneinnahmen, und bei den Fans die Leberwerte.
Dazu brauchen die Anhänger des 1. FC Köln dann auch ein weiteres Lied, das die wechselvolle Ergebnis- und Gemütslage bei diesem seltsamsten aller Bundesligavereine auf den Punkt bringt. „Wir sind nur ein Karnervalsverein“ ist schon ganz schön, reicht aber noch nicht aus, um dieses FC-typische, völlig übergangslose Schwanken zwischen oben und unten, Euphorie und Depression, Weltkl…, ähm, Bundesliganiveau und Kreisklasse zu beschreiben. Doch im reichhaltigen internationalen Liedgut findet sich auch für solche Fälle eine passende Vorlage: Billy Joels „I Go to Extremes“, dessen Refrainzeile „Darling, I don’t know why I go to extremes / Too high or too low there ain't no in-betweens“ passt wie Arsch auf Eimer. Denn auch in Köln weiß man über die Ursachen extremer Ausschläge nichts Genaues. Der FC ist und bleibt einfach ein großes Mysterium.
Joels Liedtext ließe sich ohne größere Schwierigkeiten übertragen und anpassen. Hier schon mal ein Vorschlag für die erste Strophe und den Refrain:
Call me a joker, call me a fool
Nennt mich ’nen Tünnes, nennt mich ’nen Spack
Right at this moment I'm totally cool
Heut’ schießen wir Tore, heut’ im Doppelpack
Clear as a crystal, sharp as a knife
Ein Pass, eine Flanke, ein Schuss wie ein Strich
I feel like I'm in the prime of my life
Der Torwart wird blass, den hält der niemals nich’!
Sometimes it feels like I'm going too fast
Jubel und Trubel, Jebütz’ und Geschrei
I don't know how long this feeling will last
Es dauert nicht lange, dann ist es vorbei
Maybe it's only tonight
Drink doch noch schnell eene mit
Refrain:
Darling I don't know why I go to extremes
O warum ge-he ich noch zum Eff Zeh?
Too high or too low there ain't no in-betweens
Da gibt’s nix zwi-schen o weh und olé
And if I stand or I fall
Schmerz oder Lust, ganz egal
It's all or nothing at all
Sie lassen dir keine Wahl
Darling I don't know why I go to extremes
Und darum ge-he ich noch zum Eff Zeh
Probieren’ses mal. Ist auch nicht schwieriger als ein Karnevalslied.
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