Ute, die Mutter Kriemhilds, Gunthers, Gernots und Giselhers ist in der Geschichte der Nibelungen die bescheidene Frau im Hintergrund. Die perfekte Ehefrau, Königin und Mutter. Sie verkörpert ein traditionelles Frauenbild. Doch was würde Ute tun, dürfte sie ihr Leben noch einmal leben? Die Inszenierung „Ute, die Gute“ von Michael Lippold in der Rottstraße in Bochum zeigt eben jene andere Möglichkeit, eine Ute (Karin Moog), die nicht mehr nur die Gute sein will.
Als mumifizierte Königin von Burgund erwacht sie in einem Kühlschrank zu neuem Leben und beginnt, ihre Geschichte neu zu erfinden. Eine Geschichte, in der sie nicht verzichtet, nicht die treu liebende Ehefrau eines stets abwesenden Ehemanns ist, sondern die Geliebte ihres Schwagers Hagen. Sie nimmt ihn sich zum Liebhaber und Spielzeug und zeugt mit ihm die Tochter Kriemhild, lässt ihn jedoch in Ungewissheit darüber, ob diese sein Kind ist. Auch das ein Spiel, eine Demonstration ihrer Macht.
Als die bereits gealterte Ute sich in ihrem Bunker vor dem anmarschierenden Etzel verstecken muss, vergnügt sie sich mit Burgunder Wein aus dem Tetrapak und verweigert sich den Medikamenten, die aus einem weiteren Kühlschrank purzeln und sie zur Vernunft bringen sollen; sie soll verraten, wo der Gürtel Brunhilds versteckt ist. Doch Ute tut, was sie will, spuckt die Tabletten aus, die man ihr gibt, und statt zu fliehen oder sich zu ergeben, erwartet sie Etzel und die Gefahr in aller Seelenruhe. Der richtige Moment für einen Tanz und Champagner, findet sie. Und so treibt sie mit ihrer konservierten Schönheit ihr Spiel mit dem nächsten Mann, Neidhard, dem Sohn Hagens. Den Gürtel in Form einer Schlange überlässt sie schließlich ihm, nachdem sie ihn damit beinahe zu Tode gewürgt hat – sie lässt ihn entkommen und nimmt sich selbst das Leben, bevor Etzel sie ermorden kann.
Wieder einmal zeigt die Inszenierung in der Rottstraße vor allem eins: Die Nibelungensaga ist (auch) eine Geschichte der Geschlechterrollen, eine Geschichte starker (und nicht immer guter) Frauenpersönlichkeiten. Der Aufstand Utes gegen diese ihr zugewiesene Rolle bleibt ein Traum. Am Ende bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich erneut zur Leiche zu maskieren und in ihr Grab zurückzusteigen.
„Nibelungen # 9: Ute, die Gute“ I 25.11., 19.30 Uhr I Rottstr 5 Theater, Bochum
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