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Im Essener Grillo Theater feiert „The Black Rider“ Premiere
Foto: Presse

Der Düwel im Advent

Der schwarze Reiter und das neue Musiktheater – Theater demnächst 11/11

Da stöhnt der Teufel hinter dem Vorhang. Immer wieder werden er und seine Machenschaften auf die Bühne gezerrt, verhandelt und dann der Volksseele als Spiegelbild des eigenen Seins vorgehalten. Er bemüht sich doch. Hier ein paar Silberkugeln fürs private Glück, dort unterstützt er einen Aufstand für Menschenrechte. Ein paar Seelen für sein Schmuckkästchen fallen dabei immer ab.

Zur Adventszeit gibt es zweimal außergewöhnliches, sehr unterschiedliches Musiktheater in der Region, deren Klang eigentlich ein rein metallischer ist. Da ist einmal „The Black Rider” in Essen. Ein wilder Höllenritt durch eine skurrile Traum- und Schattenwelt, mit einem Libretto, das man schon von Carl Maria von Weber kennt: Max heißt hier Robert, aber auch er liebt eine Käthe. Vor der Hochzeit muss er den berühmten „Probeschuss“ ablegen, da kann Pegleg (ja genau, der böse Kaspar) mit sieben magischen Kugeln helfen. Robert Wilson, Tom Waits und William S. Burroughs haben sich der Geschichte angenommen und einen spektakulären Abend daraus gebraut. Samiel erscheint, Zuschauer auch, vielleicht geht das Schießen ja auch mal anders aus.

Als Gegenpol zur Romantik steht das politische Musiktheater „Herrschaft, Arbeit und Soziales“, ein Dreiteiler von Kagel, Nono und Rzewski in Wuppertal. Mauricio Kagel (1931-2008) gilt als der wichtigste Vertreter eines „Neuen Musiktheaters“, bei dem die Musik, anders als bei traditionellen Opern, selbst zum dramatischen Motor wird, ebenso die Instrumente und die Musiker. Kagel verbindet dies stets mit skurrilem Humor. In „Der Tribun“ übt der erste Mann im Staat eine Rede an sein Volk und verliert sich dabei in verräterischen sprachlichen Exzessen. Dazu werden zehn Märsche gespielt, die den Sieg verfehlen lassen sollen, Lautsprecher kommen auch zum Einsatz. Bei Luigi Nono (1924-1990) ist es ein Tonband. Sein „La fabbrica illuminata“ musikalisiert die gruseligen Bedingungen, in denen Arbeiter in einem metallverarbeitenden Betrieb (Italsider-Werke von Genua-Cornigliano) produzieren mussten. In Gesprächen, die er 1964 mit ihnen führte und verwertete, wurde ihm klar, dass sie wussten, unter welchen akustischen Bedingungen sie arbeiteten. Und sie interessierten sich für seine Komposition: Danach begannen sich zu überlegen, ob das denn alles so sein müsse, die Musik und ihre Arbeitsbedingungen.

Dritter Teil der teuflischen Polit-Oper ist Frederic Rzewskis „comIng together“ für Sprecher und Instrumentalensemble. Er verwendet den Text eines Briefes, in dem Sam Melville, Insasse des Staatsgefängnisses von Attica (New York, USA) seinem Bruder von den katastrophalen Haftbedingungen berichtete und von dem gleichzeitigen Versuch, in diesem Chaos einen klaren Kopf zu bewahren. Das war auch nötig. 1971 kam es zu einem Aufstand, der nach einigen Tagen von der Nationalgarde beendet wurde. Es starben 32 Gefangene. Der Teufel lachte boshaft und goss mal wieder ein paar Kugeln.

„The Black Rider” I Premiere Sa, 3.12., 19.30 Uhr I Grillo Theater Essen I 0201 812 22 00

„Herrschaft, Arbeit und Soziales“ I Premiere Sa, 10.12., 20 Uhr I Schauspielhaus Wuppertal (Remise) I 0202 569 44 44

PETER ORTMANN

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