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Eine der Frauen von Srebrenica:Tima Mujić.
Foto: Sead Husic

Dem Leiden ein Gesicht geben

Die Frauen von Srebrenica – Fotografien von Sead Husic

Es ist im August 2011. Tima Delić trägt an diesem Tag ein Kopftuch, denn es ist Ramdan. Für eine Muslimin, wie sie eine ist, ist es der wichtigste Monat im Jahr. Ihr Gesicht ist faltig, ihre Augen versinken fast in den Höhlen, ihre Lippen sind eingefallen. Die Frau lächelt nicht, als Sead Husic sie fotografiert. Sie soll auch gar nicht lächeln, sondern ein natürliches, entspanntes Gesicht machen.

Ihr Foto hängt nun in der cubus Kunsthalle in Duisburg. Auf dem Bild wirkt Tima Delić erhaben. Sie ruht in sich selbst, mit ihrem stolzen durchdringenden Blick schaut sie den Betrachter anklagend an. Unter der Abbildung befindet sich ein kleines Hinweisschild: „Ermordet wurden ihre Söhne Nedžad (24), Samir (22) ihr Ehemann Mehmedalija (46), ihr Bruder Jusuf Hasanović (49).“

Während der Porträtsitzungen fällt es den Witwen schwer, über die Greueltaten zu sprechen, die Namen der Ermordeten zu nennen. Ganze Familien wurden ausgelöscht, so als hätte sie es niemals gegeben. Eine der Frauen hat ihren damals neunjährigen Sohn verloren. Jeden morgen steht sie auf, ihr erster Gedanke gilt ihrem toten Kind. Für manche Frauen aus Srebrenica ist das Leiden unerträglich geworden. Sie sind in die Welt geflohen. Vielen der gebliebenen Frauen fehlt die Kraft für die Auseinandersetzung – sowohl physisch als auch psychisch. Die Jüngste der Frauen von Srebrenica ist 27 Jahre alt. In einem von Sead Husic und Kai Toss produziertem Dokumentarfilm sagt Adivja Ibrahimović: „Man wird auf den Fotos das Leiden der Gesichter sehen.“

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