Einmal im Monat huldigt man im „Geheimnisvollen Filmclub Buio Omega“ den Filmperlen vergangener Dekaden. An jedem dritten Samstag läuft in der Schauburg in Gelsenkirchen-Buer ein Doppelprogramm aus cineastischen Absonderlichkeiten, die man ansonsten nur sehr schwer oder gar nicht auf einer großen Leinwand zu sehen bekommen dürfte. Mit gerade mal EUR 5 Eintrittsgebühr/Clubbeitrag ist man dabei. Da die ehrenamtlich tätigen Veranstalter keine Gewinne erwirtschaften, nutzen sie die Clubbeiträge, um in der Regel einmal im Jahr einen Gast persönlich nach Gelsenkirchen zu holen, den man sonst nur auf der Leinwand zu sehen bekommt. Am 17. September war es wieder soweit: Ausnahmsweise auf den Abend ausgewichen, begrüßte das Club-Komitee um 20.30 Uhr den ehemaligen Footballspieler und Blaxploitation-Filmstar der 70er Jahre, Fred „The Hammer“ Williamson, im Kino.
Rüstige 73 Jahre alt
Schon im launigen Interview mit Ingojira, einem der Veranstalter, bewies der 73jährige Schauspieler, Produzent, Drehbuchautor und Regisseur, dass „das Alter nur eine Zahl ist“. Mit viel Witz plauderte er aus seinem ereignisreichen Leben, sprach von seinen Wurzeln in einer Stahlarbeiterstadt in Indiana, seinen sportlichen Erfolgen und seiner Dreistigkeit, die ihm einen Vertrag in Hollywood einbrachte. Einen seiner ersten Filmauftritte absolvierte Fred Williamson 1970 in dem Kriegsfilmklassiker „M.A.S.H.“ von Robert Altman. Den beschrieb er als großartigen Regisseur, aber auch hoffnungslosen Süchtigen, der jeden Tag Marihuana-benebelt am Set erschien. Nachdem „The Hammer“ von Altman noch wegen seiner Football-Vergangenheit engagiert wurde (er war für die Footballszene des Films verantwortlich), hatte er schnell Blut geleckt und begann auch sehr früh, seine eigenen Filme zu produzieren und zu inszenieren. Drei Regeln hatte er sich auferlegt, von denen mindestens zwei erfüllt sein mussten, damit er einem Filmprojekt seine Zusage gab: 1. Seine Figur darf im Film nicht sterben; 2. Seine Figur verliert die Kämpfe nicht, die sie im Film austrägt; 3. Seine Figur kriegt die Frau, wenn er sie will. Mit diesem Grundsatz ist er gut gefahren, seine heldenhafte Sonderstellung in zahlreichen Filmen der 70er und 80er Jahre hat Williamson auch zu einem Idol der Nerd-Generation heutiger Filmemacher werden lassen. Quentin Tarantino ließ ihn sich beispielsweise seine eigene Rolle in „From Dusk Till Dawn“ hineinschreiben, dem Grindhouse-Vampirfilm, den Robert Rodriguez 1996 inszenierte.
Unermüdlich im Dienste seiner Fans
Nach einem rund zweistündigen Talk, bei dem auch die Fans reichlich Gelegenheit erhielten, selbst Fragen zu stellen, bestand der nächste Programmpunkt in einer ausführlichen Autogrammstunde mit Fotomöglichkeiten. Bis tief in die Nacht hinein standen die Schauburg-Besucher Schlange, und ließen es sich nicht entgehen, ihrem Helden einmal ganz nah zu kommen. Deswegen begann man erst nach Mitternacht mit der Projektion des Hauptfilms – einer afroamerikanischen Hommage an den Gangsterfilmklassiker „Der kleine Caesar“ von Mervyn Le Roy aus dem Jahr 1931. Doch auch danach hatte Fred Williamson noch nicht genug von seinen Fans. Morgens um 2.30 Uhr betrat er nach der Filmvorführung abermals die Bühne und stellte sich erneut eine Dreiviertelstunde einem Q&A mit den Zuschauern. Sein zu Beginn geäußerter Satz „You can ask me anything, I have all the answers“ erhielt dadurch eine ganz neue Komponente. Zufrieden zogen die letzten Clubbesucher dann gegen 3.15 Uhr von dannen, bis zum nächsten regulären „Buio Omega“-Termin, der am 15. Oktober unter dem viel versprechenden Programmtitel „Synchronschwimmen“ ansteht.
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