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Foto: Lichtbild Austria, pixelio.de / Albrecht E. Arnold, pixelio.de

Butterstulle statt Gefiedel

Jedem Kind ein Instrument … oder lieber doch nicht? – Magenbitter 09/11

Nur noch kurz die Welt retten. Ein Lied zieht um die Welt. Musik beherrscht die Welt. Aber irgendwie wohl nicht Somalia. Wäre es nicht sinnvoller, jedem Kind eine Schnitte Brot, als jedem Kind ein Instrument...? Selbst Triangeln lassen sich so schlecht kauen. So come on Eileen. Her mit der Geige. Poor old Johnny Ray. Wenn der David Garrett schneller als BILD sein will und dafür Geld kassiert, dann will ich wenigstens schneller als Billy the Kid den Löffel aus der Schublade... Aber nur mit wertvollen Cerealien. Was ein Quatsch. If your sweetheart sends a letter of goodbye. BFBS. Die spielen noch Johnny Ray. Na siehste. Dann eben her mit dem Cello zum Reinbeißen. Schon Nam Jun Paik wusste mit diesem Instrument etwas anzufangen. Er ließ eine Nackte darauf spielen, machte Videos, baute Fernseher rein oder die Charlotte Moormann, jetzt bekleidet, machte aus ihm ein „Human Cello“. Kunst. Alles Quatsch. Die ist auch brotlos.

Also her mit dem Klavier. Ein Klavier, ein Klavier, Klafünf, Klasechs. Klavier, Bier für die Männer von der Müllabfuhr. Man müsste eben Klavier spielen können. Spreiz deine Finger nicht so, Wolfgang Amadeus, das ist unanständig. Was? Ihr habt gestohlen, niederträchtig − Jekus, jekus, das ist schwer (aus: Der Vogelhändler). Auch wenn es nur der Name ist. Nein, der Kleine mit den großen Vornamen wird nie wie der andere kleine, der schon klein ein Großer war. Ihrer ist nicht hochbegabt, wie die anderen neunzig Prozent der Vorschulkinder, da können Sie dem kleinen Mann einen Namen geben wie Sie wollen. Warten Sie lieber auf JeKi (Jedem Kind ein Instrument), und dafür sparen Sie am besten sofort in ein Sparschwein. Chris Howland kannte da bereits den Trick: Alle müssen Steuer zahlen, ich und du und er. Alle leiden Höllenqualen, mir fällt das nicht schwer. Denn dann hau' ich mit dem Hämmerchen mein Sparschwein, mein Sparschwein – kaputt. Grund sind Finanzlücken bei JeKi, schlappe 10 Millionen Euro. Da will einfach keiner sponsern. Unerhört, bringt mal die Fisch-Häppchen zum Schampus. The world is my oyster, Frankie goes to Hollywood oder New York. If you make it there, you can make it everywhere. Aber eben nicht am Horn von Afrika. Dahin geht niemand. Da lauern Piraten. Zum Horn von Afrika ging einst nur Hans-Jürgen Wischnewski, auch ohne Butterstulle.

Also her mit der Geige. Mit dem Musikprojekt JeKi haben bis jetzt im Ruhrgebiet rund 60.000 Grundschulkinder eine musikalische Grundausbildung erhalten. Das ist gut. Grundausbildung ist wichtig. Da kann man den bösen Piraten zeigen, wo es lang geht. Wenn nur ordentlich gegeigt wird. Und der Geiger geigt uns einen und manche Damen fangen an zu weinen. So viele Beispiele, wo Musikinstrumente die Gefühle beleben und den Geist benebeln. Und es wird noch schlimmer. In NRW fehlen Instrumente und Musiklehrer. Und während für I-Männchen und I-Weibchen die Teilnahme an "Jeki" noch kostenfrei ist, müssen ihre Eltern ab dem zweiten Jahr monatlich dafür Geld zahlen. Das macht schon keiner mehr. Zu wenig Brot für die Welt? Na dann fröhlichen Schulstart.

Peter Ortmann

Magenbitter.

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