Ein Hund kam in die Küche … Was zunächst mit einem harmlosen Kinderreim beginnt, entwickelt sich zu einer psychologischen Versuchsanordnung. Das Stück „Es brennt“ greift Motive aus Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ auf, somit und auch darüber hinaus psychologische und geistesgeschichtliche Diskurse des 20. Jahrhunderts.
Drei Herren befinden sich in einer Art Klinikzimmer und werden von „Frau Doktor“ beherrscht. Hinkend erinnert diese an Manns Figur des Zauberers Cipolla. Und gleich ihm ist sie Meisterin der Manipulation. Obwohl sich die Insassen leise murmelnd nach ihren Rechten erkundigen, beugen sie sich den Anweisungen. Dabei stellt sich die Frage nach dem Warum. Wollen die Männer beherrscht werden? Was bringt sie dazu, nicht zu handeln? Die Doktorin besetzt dabei nicht einmal die oberste Stufe der Hierarchie. Auch sie muss sich abstrusen Anweisungen zum weiteren Verlauf des Geschehens beugen, die ab und an von einer Off-Stimme gegeben werden, wodurch auf einer Metaebene auf die Theatersituation verwiesen wird.
Jo Fabian hat ein dichtes Stück entworfen, dessen zahlreiche Anspielungen und intertextuellen Bezüge schon fast an eine Pollesch-Inszenierung erinnern. Er reißt große und vielschichtige Problemfelder wie das der Willens(un-)freiheit, der Handlungs(un-)fähigkeit und Manipulierbarkeit an. Durch das In-Aussicht-Stellen von Belohnungen wird der Mensch zu Handlungen getrieben, die seiner eigentlichen Überzeugung entgegenstehen – und wundert sich danach, dass Blut an seinen Händen klebt. Darüber hinaus verweist Fabian nicht nur mit dem schon zu Beginn zitierten Gedicht auf die ewige Wiederholung des Immergleichen. Er spielt mit der Innen- und Außenperspektive, mit der Möglichkeit des Bühnenraums, der als Klinikzimmer zugleich auch als „menschlicher Innenraum“ gesehen werden kann, womit die sich abspielenden Vorgänge also als psychisches Erleben interpretiert werden können. Das viel beschworene Kind in uns sitzt dabei beständig gefesselt in der Ecke und schweigt. Dies ist nur eins der vielen starken Bilder, von denen die Inszenierung lebt. Was bleibt, ist ein Gefühl der Beklemmung und der Nachdenklichkeit. Ein anregender Abend.
„Es brennt“ I Mi 15.2., 18 Uhr I Theater an der Ruhr Mülheim I 0208 599 01 88
Tags: Theater an der Ruhr
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