Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: „Wissen macht Ah!“-Moderatorin Shary Reeves zieht neuerdings mit Ex-„extra3“-Moderator Thomas Pommer im „Sky“-Bezahlfernsehen den Fußballexperten im Studio die Sprechblasen aus der Nase. Bei so viel „ex“ würde eine fundierte Bundesligaexegese wirklich nicht schaden. Doch der Reihe nach. Am Samstag war Dortmunds Neven Subotic zu Gast, um erklären zu dürfen: „Jeder Sieg ist geil.“ Und: „Wir haben Freitag in Bremen gezeigt, dass wir in einer guten Verfassung sind, und das ist das Beste, was wir machen können in Vorbereitung auf das Spiel.“ Gemeint war die leidige Champions League und „das Spiel“ des BVB am Mittwoch in Piräus. Leidig deshalb, weil sich die Dortmunder wie schon im letzten Jahr schwer tun, nationale Dominanz auf internationales Parkett zu übertragen. Soweit man in dieser Saison Dortmund und Dominanz in einem Atemzug nennen kann.
Dominiert wurde das Gespräch zwischen Moderatorenteam und Studiogast derweil von den ewig gleichen Banalitäten. So blieb dem zusehends müder werdenden Zuschauer nur die Flucht in die Illusion: Wie anders hätte Reeves den Gegenstand Fußball doch in „Wissen macht Ah!“ angepackt, mit einem Kurzreferat ganz nach dem Motto der Sendung „Von Klugscheißern für Klugscheißer!“ Als Thema hätte sich angeboten: Warum die Bayern mit dem Sieg über Hertha den ersten Schritt Richtung Meisterschaft gemacht haben. Oder im Jargon: Bayern macht Ah!
Etwa so: „Wer nach acht Spieltagen bei nur einem Gegentor auf Rang eins steht, ist noch nicht Deutscher Meister, ja noch nicht einmal der Konkurrenz entfleucht. Davon lohnt sich erst dann zu sprechen, wenn a) der Erste weiterhin siegt, b) die Verfolger Punkte liegen lassen und c) das Verhältnis von Spielweise des Ersten zur Spielweise der anderen sich in einem Quotienten größer eins niederschlägt.
Auf Deutsch gesagt: Wenn die Bayern weiterhin gewinnen, werden sie Meister. Erst recht, wenn die Konkurrenz nicht genauso oft siegt – also schwächelt (Bremen, Schalke), sich die Punkte gegenseitig abnimmt (Gladbach, Leverkusen), oder schwer in die Gänge kommt (Dortmund). Trotz ihrer bislang so fulminanten Spielweise: Bis Samstag hatte den Bayern ihr einziges Gegentor einen Vorsprung von gerade einmal drei Punkten auf den Verfolger Werder eingebracht. Das hat sich mit dem Sieg über Hertha BSC gründlich geändert; nun sind es plötzlich gleich fünf Punkte auf den Zweiten, Mönchengladbach.
Das wiederum bedeutet: Die Bayern müssen jetzt schon zweimal hintereinander verlieren, um ihren Spitzenplatz einzubüßen. Wer daran glaubt, glaubt wahrscheinlich auch, was in den Büchern von Fußballspielern, -managern und -funktionären so drinsteht. Und wo wir gerade dabei sind: In Zukunft sollten alle Lektorate die Fressratgeber ehemaliger Bundesliga-Manager immer wieder manipulieren, damit sie eingestampft werden. Die Fressbücher. Ah!“
Tatsächlich aber hat Frau Reeves den Neven im Fußballfernsehen für Erwachsene gefragt: „Wie bereitet man sich besonders jetzt auf die Champions League vor, oder ist das wie normales Training vor einem Bundesligaspiel?“ „Ganz normal“, sagt der Neven. „Man gibt hundert Prozent im Training, man konzentriert sich auf die Mannschaft, die wird ganz normal vorgestellt wie in der Bundesliga. Wir haben Video, wo die Trainer uns aufzeichnen, wie die Mannschaft spielt, was sie gut machen, worauf sie tendieren und auch, wo ab und zu die Fehler passieren. Und wir nehmen das auf und versuchen, das auszunutzen im Spiel.“ AuAh!
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