trailer: Frau Geiß-Netthöfel, macht Ihnen Ihr Job Spaß?
Karola Geiß-Netthöfel: Ja, ich habe eine sehr anspruchsvolle Aufgabe übernommen. Es geht mir darum, die vorhandenen regionalen Netzwerke auszubauen und neue zu schaffen. Wir wollen uns verstärkt um die Themen Verkehr und Mobilität kümmern. Im Bereich Klimaschutz möchten wir die bestehenden Projekte in der Metropole Ruhr koordinieren und diese gemeinsam präsentieren. Wir waren die wichtigste Energieregion des Landes und können das mit den Themen Energieeffizienz und regenerative Energien auch bleiben. Im Ruhrgebiet gibt es noch immer ein Mangel an Arbeits- und Ausbildungsplätzen. Wir müssen uns mit dem demographischen Wandel beschäftigen und dafür sorgen, dass die Innenstädte an Attraktivität gewinnen. Arbeit gibt es also genug.
Braucht der Regionalverband Ruhr mehr Macht?
Macht ist für mich nicht das Thema. Es geht um Kompetenzen. Viele der eben genannten Handlungsfelder können mit kompetenter Regionalplanung angegangen werden.
Norbert Lammert, Fritz Pleitgen oder auch Christoph Zöpel schwärmten im Kulturhauptstadtjahr von einer zusammenwachsenden Stadt, die irgendwann einmal Ruhr heißen soll. War dies realistisch?
Ich würde gern von einer zusammenwachsenden Metropole oder Region sprechen. Aus dem ganzen Gebilde Ruhrgebiet von Hamm bis Wesel eine Stadt zu machen, halte ich für unnötig. Diese Diskussion bringt uns im Moment auch nicht weiter.
Der Vorgänger des RVR, der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk, nahm sich bei seiner Gründung 1920 Berlin als Vorbild. Dort sind die einzelnen Städte inzwischen Stadtbezirke geworden.
Wir sprechen von unterschiedlichen Situationen. In Berlin gab es eine große Stadt mit einem relativ unbedeutenden Umland. Hier aber haben wir große Städte und Kreise gleichberechtigt nebeneinander. Wenn wir uns ständig nur über Strukturen unterhalten, kommen wir mit den Inhalten nicht weiter. Ich möchte mich viel lieber inhaltlich mit den Problemen der Region auseinandersetzen.
Es gab aber auch schon Sezessionsbestrebungen. Hagen und Wesel pochten vor kurzer Zeit auf ihre Unabhängigkeit.
Es gab diese Austrittsdebatten. Ich war vor einigen Wochen in Hagen und führte dort ein ausgesprochen konstruktives Gespräch. Man versicherte mir, dass man nun gemeinsam mit dem Verband in die Zukunft blicken möchte. Dazu haben wir Handlungsfelder identifiziert, die wir zusammen bearbeiten wollen. Viele Kommunen haben inzwischen erkannt, dass man in haushaltspolitisch schwierigen Zeiten besser zusammenhält.
Behördenspitzen gelten als Männerbastionen. Wie geht es Ihnen als Frau beim RVR?
Vielleicht resultiert es aus der Montanvergangenheit, dass diese Region männlich geprägt ist. Damit habe ich als Frau aber nie ein Problem gehabt. Ich bin es gewohnt, mit Männern zusammenzuarbeiten. Ich bin hier gut aufgenommen worden. Man begegnet mir sehr offen, und die Akteure der Region waren bisher alle sehr gesprächsbereit. Natürlich könnte es im Ruhrgebiet mehr Frauen in Schlüsselpositionen geben.
Koordiniert der RVR auch die Kultur des Ruhrgebiets?
Zusammen mit dem Land haben wir die Nachfolge der Kulturhauptstadt geregelt. Das Land unterstützt die Region dabei, die Nachhaltigkeit der Kulturhauptstadt zu sichern. RUHR.2010 war ein Erfolg. Die Städte haben gezeigt, dass sie zusammenarbeiten können. Es gab ein großes bürgerschaftliches Engagement. Da möchten wir gerne anknüpfen. Jährlich 4,8 Millionen Euro stellen Land und RVR hierfür bereit. Gern möchten wir in den nächsten Jahren wieder Mitmach-Projekte organisieren. Es wird den SING! DAY OF SONG noch einmal geben. Allerdings wird die Veranstaltung nicht punktuell „Auf Schalke“, sondern an verschiedenen Orten der Metropole Ruhr stattfinden, die dann als ein Ganzes zusammengeschaltet werden. Gern würden wir auch an LOCAL HEROES anknüpfen, also ein Forum bilden, auf dem sich jede Stadt präsentieren kann, beispielweise zum Thema „Heimat-Epos“.
Bei der Kooperation von Kulturbetrieben im Ruhrgebiet wird oft das neudeutsche Wort Synergie benutzt. Ist es nicht ein beschönigender Begriff für Mittelkürzungen?
Nein, ich würde Synergien nicht mit Sparen gleichsetzen. Aber es müssen nicht alle Angebote an allen Orten stattfinden. Synergie bedeutet, die Aktivitäten so zu bündeln, dass möglichst effizient etwas auf die Beine gestellt wird.
Aber ein Konzerthaus ist für einen Kommunalpolitiker auch ein Prestigeobjekt?
Wir müssen davon wegkommen, solche Einrichtungen als Prestigeobjekte zu sehen. Wir müssen eher schauen, was Region und Bürger brauchen. Wir müssen die Stärken der einzelnen Städte ausmachen und Profile schärfen. Manche Städte zeichnen sich besonders aus im Bereich Musik, andere im Bereich Museum.
Helmut Schmidt sagte: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Müssen Sie zum Arzt?
Nein, ich bin keine Visionärin, muss ich auch gar nicht sein. Es gibt hier so viele Visionen von wirklich bedeutenden Leuten, wir müssen sie nur noch umsetzen. Ich rede auch lieber von Zielen als von Visionen. Manchmal reicht es, kleine Ziele zu haben und sie dann auch zu erreichen. Mir sind die Menschen wichtig, die hier leben.
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