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„wahnsinnig wichtig on ice“
Foto: Christoph Rodatz

Abhörspezialisten mit Dosentelefon

„Interface II“ bringt die Klangkunst ins Düsseldorfer FFT – Theater in NRW 01/12

Es zirpt, es brummt, es zwitschert, wenn die experimentelle SoundArt-Szene ihre Maschinen zusammenstöpselt. Zum zweiten Mal treffen sich ausgewählte Akteure im Forum Freies Theater in Düsseldorf, um in einer einwöchigen Werkstatt ihre Ideen umzusetzen. In einer Realisierungswoche sollen die Tüftler ihre Projekte bewältigen, zwei Worksshops geben Einblick in spezielle Probleme der SoundArt, bevor dann am Wochenende das Publikum die Chance hat, sich vom experimentellen Plingplang ein Klangbild zu machen.

Fünf Projekte wurden für „Interface II“ ausgewählt. Dabei legte Komponist und Performer Jörg Ritzenhoff, der zusammen mit Christian Banasik vom Studiengang Audiovisuelles Design an der Uni Düsseldorf die Reihe begleitet und kuratiert, Wert darauf, dass die Konzepte der Soundbastler nicht gut formuliert, sondern letztlich auch realisierbar sind. So betreut er zum Beispiel das Projekt „abhören“ von Paul Hübner und Christoph Macha. Ausgangspunkt ist die Inflation von neuen Überwachungstechniken und ihr Vordringen selbst in intimste Bereiche. Die beiden Macher arbeiten dabei, so Ritzenhoff, auf der Low Tech-Ebene zum Beispiel mit Dosentelefonen oder Kassettenrekorder und versuchen, Abhörsituationen zu schaffen, in die sich die Besucher hineinbegeben sollen. Wer von SoundArtisten nur den Umgang mit Hightech und modernsten Computern erwartet, ist, so Ritzenhoff, auf dem Holzweg. Es geht häufig eher um eine Kombination von High Tech und Low Tech, bis die geschaffene Klangskulptur Geräusche erzeugt. Nicht das Theater oder die Performance, sondern vor allem die Bildende Kunst mit ihren Installationen und Klangskulpturen steht hier Pate.

Klangkunst ist ohne ihre räumliche Dimension nicht zu denken, und sie lebt, ohne deshalb theatralisch oder performativ zu sein, vor allem von ihrem Ereignischarakter. Das Projekt „Array“ von Ji Hyun Park und Franziska Windisch wird mit Fotosensoren, Platinen, Oszillatoren arbeiten, die an Plexiglaswänden angebracht sind und beim Vorbeigehen des Publikums ein weites Klangspektrum auffächern. Alle Projekte sind, so Ritzenhoff, als sinnlich erfahrbare konzipiert, was die Annäherung des Publikums erleichtert.

Als Special hat das FFT in das Programm von „Interface II“ die neue Produktion von „New Guide to Opera“ integriert. Die Gruppe, die Klangereignisse mit den Werkzeugen der Oper in neue Kontexte zu implantieren versucht, hat sich diesmal von Eisrevuen inspirieren lassen. Für ihre Produktion „wahnsinnig wichtig on ice – eine Kunsteisrevue“ zieht die Truppe ins legendäre Eisstadion an der Brehmstraße, wo Zuschauer auf den Rängen oder auf der Eisbahn Teil einer Performance werden sollen. Interaktives, Geräusche, Unterhaltungen der Eisläufer sollen mit Erzählungen und Kommentaren der Performer und Musiker zu einem, wie Dramaturg Markus Droß es nennt, „musiktheatralischen Readymade“ verschnitten werden. Eislaufen als Performance.

„Interface II“ | Forum Freies Theater Düsseldorf | 13./14.1., ab 18 Uhr

„wahnsinnig wichtig on ice“ | Düsseldorf, Eisstadion Brehmstraße | 15.1., 11-19 Uhr | 0211 87 67 87 18

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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